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Die SNB als Spekulantin
15. Juni 2010 10:45; Akt: 15.06.2010 11:07 Print
Verzockt sich die Nationalbank, wirds teuer
von Werner Grundlehner - Die Nationalbank erntet für ihren Einsatz gegen den zu starken Franken Applaus. Aber dabei könnten Milliarden verloren gehen – unsere Milliarden. Es drohen höhere Steuern.

Ist die Nationalbank wegen den Euro-Käufen bald in Schräglage? (Bild: Keystone/Gaetan Bally)
Das Umrechnungsverhältnis Franken/Euro ist für die Schweiz ein grosses Thema. Ein teurer Franken belastet Exporte und Tourismus. Die Wirtschaft darf aber auf die Hilfe der Schweizer Nationalbank (SNB) zählen. Sie kauft Euro im grossen Stil, um den Franken zu schwächen. Im April kletterten die SNB-Devisenreserven um 28 auf 154 Milliarden Franken. Währungsspezialisten gehen davon aus, dass diese im Mai auf über 200 Milliarden gewachsen sind – grösstenteils in Euro. Seit 2000 haben sich die Devisenreserven der SNB vervierfacht.
Ihr Ziel erreicht die SNB aber nicht: Die Währungshüter nehmen ihre «Verteidigungslinie» kontinuierlich zurück. Lange galt das Umrechnungsverhältnis 1.50 Franken/Euro als Schmerzgrenze. Im Mai unterschritt der Euro sogar die 1.40-Marke, obwohl die SNB massiv Euro anhäufte. Mittlerweile verharrt die Einheitswährung knapp über 1.38 Franken. Falls der Euro-Umrechnungskurs auf 1.35 Franken sinkt, würde auf den Euro-Reserven der SNB ein Buchverlust von 10 Milliarden anfallen. Buchverlust bedeutet, dass diese Beträge in der Buchhaltung als Verluste geführt werden, aber noch nicht realisiert wurden.
Wirkung lässt sich nicht messen
Der Franken wäre ohne Intervention noch stärker, darin sind sich Bankenfachmann Hans KaufmannDas Parlament
Hans Kaufmann
SVP, ZH
auf MerklisteDetails und Giovanni Staunovo, Währungsexperte der UBS, einig. Das Ausmass der Wirkung lasse sich jedoch nicht feststellen. «Es macht Sinn, abrupte Kursverwerfungen etwas zu glätten, aber die Interventionen im nun erlebten Stil erscheinen mir problematisch», sagt Kaufmann, der für die SVP im Nationalrat sitzt. Verheerend sind für die Wirtschaft vor allem abrupte Kursstürze. Die momentane Abschwächung des Euros dürfte jedoch eine längerfristige Entwicklung sein. Auf derartige Veränderungen der Rahmenbedingungen musste sich die Schweizer Exportwirtschaft schon oft einstellen.
Die Aufwertung des Schweizer Frankens kommt durch hohe Zuflüsse an ausländischen Vermögen zustande – die aus angeschlagenen Währungen in «Sicherheit» gebracht werden. Diese Zuflüsse übertreffen die Abflüsse, die jüngst aus Angst vor einem Fall des Bankgeheimnisses erfolgen, bei weitem. Wie labil der Euro ist, zeigen die «Schwächeanfälle» auf Nachrichten zum Bankrott einer unbedeutenden Sparkasse in Spanien oder Neuigkeiten zu den Staatsfinanzen in Ungarn.
Mehr Geld, mehr Teuerung, höhere Steuern
Hans Kaufmann warnt: «Die SNB riskiert hohe Verluste, die rasch eine zweistellige Milliardensumme erreichen könnten.» Das Verlustpotential dieser SNB-Interventionen ist laut Kaufmann so gross wie jenes für die UBS-Hilfe. Im Gegensatz zur UBS-Staatsintervention lösten die Stützungsmassnahmen aber keinerlei öffentlichen Diskurs aus. Dabei können wir das bald konkret im eigenen Portemonnaie spüren. In Form von höheren Steuern und teureren Mieten. Der Grund: Die ausgeweitete Geldmenge führt zu Inflation.
Muss die SNB wegen Devisen auf die Ausschüttungsreserve zurückgreifen, könnten die jährlichen Nationalbankbeiträge von momentan 2,5 Milliarden Franken an Bund und Kantone gefährdet werden. Diese Gelder würden dann in den öffentlichen Kassen fehlen und müssten über Steuern eingetrieben werden. Neben dem Risiko von Verlusten auf den Devisenreserven sehen die Ökonomen eine weitere, viel grössere Gefahr: «Eine Notenbank kann unbegrenzt intervenieren, um die eigene Währung abzuschwächen. Die massive Menge an Franken, welche die SNB geschaffen hat, birgt die Gefahr eines Anstiegs der Inflation, falls diese Liquidität nicht rechtzeitig abgeschöpft wird», führt Giovanni Staunovo an. Der Anlagestratege von Pictet, Alfred Roelli, erwartet als Folge eine Kreditexpansion und daher weiter steigende Immobilienpreise in unserem Land. Die SNB scheint ihr Pulver grösstenteils verschossen zu haben: «Der Spielraum für weitere Interventionen wird immer enger», so Roelli.



























