Deal mit der Post

23. Mai 2018 13:59; Akt: 23.05.2018 15:49 Print

Volles Amazon-Sortiment bleibt Schweiz verwehrt

von S. Spaeth - Der Schweizer Markteintritt von Amazon steht bevor. Für hiesige Händler dürfte die neue Konkurrenz aber weit weniger stark sein als bisher angenommen.

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Wann startet Amazon in der Schweiz so richtig durch? Klar ist: Die Schweizerische Post wird künftig die Verzollungen sowie einen 24-Stunden-Lieferdienst für den US-Onlinehändler Amazon übernehmen. Kann der Deal zwischen der Post und Amazon zu einer Gefahr für die Schweizer Händler werden? «Ich kann den Schweizer Händlern die Angst nehmen. Denn ganz so schnell wird Amazons Markteintritt mit dem vollen Sortiment nicht möglich sein», sagt MeinEinkauf-Gründer und -CEO Jan Bomholt. Amazon hat weltweit über 300 Millionen Artikel im Sortiment. Beim Grossteil davon ist der US-Konzern aber lediglich die Verkaufsplattform und nicht der eigentliche Verkäufer. Im Bild: Amazon-Chef Jeff Bezos. Laut Bomholt betrifft der Vertrag zwischen Amazon und der Post lediglich jenes Sortiment, das vom US-Handelsriesen selbst verkauft wird. «Dieses ist aber schon heute grösstenteils in die Schweiz lieferbar», sagt Bomholt. Wann genau Amazon mit seiner Schweizer Lösung startet, ist noch offen. Bei der Post heisst es auf Anfrage: «Die Testphase läuft noch. Die definitive Aufnahme der digitalen Verzollung erfolgt im ersten Halbjahr.» Die Post baue für Amazon keine spezielle Logistik-Infrastruktur auf, es handle sich um eine «normale» Kundenbeziehung und nicht um ein Kooperationsabkommen. Die Zusammenarbeit sei nicht exklusiv. Laut Schätzungen kommen derzeit täglich 3500 verzollte Amazon-Pakete in die Schweiz, hinzu kommen 15'000 bis 20'000 unverzollte Kleinsendungen. Im letzten Jahr dürfte Amazon in der Schweiz gegen 500 Millionen Franken Umsatz erzielt haben. Im Gegensatz zu Amazon kümmert sich Digitec Galaxus selbst um die Verzollung. Dazu habe das Unternehmen eine eigene Logistik- und Zollsoftware entwickelt, schreibt Digitec Galaxus. Wie schneiden Onlinehändler bei den 14- bis 25-Jährigen ab? Der Markt- und Meinungsforscher Marketagent liefert die Top Ten. Alibaba Brack Anibis Microspot Tutti Exlibris Digitec Ricardo Amazon Zalando

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Amazon goes Switzerland. So jedenfalls tönte es Ende 2017. Damals wurde bekannt, dass die Schweizer Post künftig die Verzollungen sowie einen 24-Stunden-Lieferdienst für den US-Onlinehändler übernehmen wird. Hinweise auf Amazons Schweizer Markteintritt finden sich auch im Handelsregister, wo unter anderem eine Amazon Data Services Switzerland GmbH zu finden ist.

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«Amazon ist das Schreckgespenst der Schweizer Händler», sagt MeinEinkauf-Gründer und -CEO Jan Bomholt (siehe Box). Doch fürchten sich Schweizer Anbieter zu Recht? Der Experte hat am Mittwoch an der E-Commerce-Tagung Connect zu diesem Thema referiert und sich im Vorfeld mit 20 Minuten unterhalten. «Ich kann den Schweizer Händlern die Angst nehmen. Denn ganz so schnell wird Amazons Markteintritt mit dem vollen Sortiment nicht möglich sein», erklärt Bomholt.

Amazon hat weltweit über 300 Millionen Artikel im Sortiment. Beim Grossteil davon ist der US-Konzern aber lediglich die Verkaufsplattform und nicht der eigentliche Verkäufer. Laut Bomholt betrifft der Vertrag zwischen Amazon und der Post lediglich jenes Sortiment, das vom US-Handelsriesen selbst verkauft wird. «Dieses ist aber schon heute grösstenteils in die Schweiz lieferbar», sagt Bomholt. Allein auf Amazon.de verkaufen derzeit 100'000 verschiedene Händler ihre Ware, wobei Amazon teilweise den Versand übernimmt.

Schweiz zwingt Amazon zu Zoll-Lösung

Warum spannt Amazon überhaupt mit der Schweizer Post zusammen? Hintergrund sind Änderungen im Schweizer Mehrwertsteuergesetz, die ab 2019 in Kraft treten. Neu werden ausländische Versandhändler, die mit Kleinsendungen weltweit über 100'000 Franken Umsatz pro Jahr machen, steuerpflichtig. Dies zwingt Amazon, eine eigene Zoll-Lösung zu implementieren. Der US-Gigant hat also nur noch bis Ende Jahr den Vorteil, dass Kleinsendungen bis 65 Franken Wert abgabenfrei in die Schweiz eingeführt werden können, weil Beträge von 5 Franken oder weniger von den Zollbehörden nicht erhoben werden.

«Die neuen Schweizer Mehrwertsteuer-Regeln werden viele Händler auch künftig davon abhalten, in die Schweiz zu liefern», sagt Bomholt. Der administrative Aufwand lohne sich für sie nicht. Hintergrund der Anpassungen bei den Schweizer Mehrwertsteuer-Regeln ist der Aufstand der Schweizer Versandhändler, die sich durch die abgabenfreien Kleinsendungen aus dem Ausland benachteiligt sahen.

Ebenfalls dürften Rücksendungen für Amazon eine Hürde darstellen: «Die Schweizerische Post wird nach meiner Einschätzung zunächst keine einfache Retouren-Lösung für Amazon selbst anbieten», erklärt Bomholt. Der Experte geht davon aus, dass die Schweizer Kunden das Porto bezahlen und sich selbst um die Formalitäten kümmern müssen.

20’000 unverzollte Kleinsendungen pro Tag

Wann genau Amazon mit seiner Schweizer Lösung startet, ist noch offen. Bomholt rechnet erst gegen Ende Jahr damit. Der Grund seien finanzielle Überlegungen. Bei der Post heisst es auf Anfrage: «Die Testphase läuft noch. Die definitive Aufnahme der digitalen Verzollung erfolgt im ersten Halbjahr», sagt Sprecherin Nathalie Dérobert. Die Post baue für Amazon keine spezielle Logistik-Infrastruktur auf, es handle sich um eine «normale» Kundenbeziehung und nicht um ein Kooperationsabkommen. Die Zusammenarbeit sei nicht exklusiv.

Laut Schätzungen kommen derzeit täglich 3500 verzollte Amazon-Pakete in die Schweiz, hinzu kommen 15'000 bis 20'000 unverzollte Kleinsendungen. Im letzten Jahr dürfte Amazon in der Schweiz gegen 500 Millionen Franken Umsatz erzielt haben. Zum Vergleich: In Deutschland liefert Amazon täglich eine Million Pakete aus, was einem Jahresumsatz von 20 Milliarden Euro entsprechen dürfte.

Bomholt ist überzeugt, dass es die Seite Amazon.ch mit Preisen in Franken in «absehbarer Zeit» nicht geben wird. Die wichtigen Märkte für den US-Giganten seien eher China, Indien und weitere Länder in Asien.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

ich bestelle schon auch, weils billiger ist, aber nicht nur. habe auch div. produkte, die es hier nicht gibt und die mir definitiv den Alltag erleichtern, meine hobbies spassiger machen oder meiner wohnung mehr deko verleihen. – Karl

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Herr S. am 23.05.2018 14:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    WIESO?

    Wieso muss die Schweiz immer so Probleme machen, wenn es um Online Shopping geht?

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  • jimmmy am 23.05.2018 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    Abzockerland Schweiz

    Die Schweizer Abzocke geht weiter. Ich bestelle nie was das mit der Post geliefert wird. Was da abgeht ist absolute Frechheit. Pakete lässt man wochenlang rumliegen. Bei Zollrechnungen werden fiktive Kosten dazugefügt um diese zu erhöhen. Die Liste ist sehr lang und endet nirgends.

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  • Klugi am 23.05.2018 14:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    who cares

    Wer bestellt schon bei Amazon Schweiz? Bestelle schon lange bei Amazon D und lasse es an die Grenze liefern.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Beat am 24.05.2018 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz langsam

    Und mich nervt es auch, dass Sachen, die ich in der Schweiz online bestelle sehr oft länger unterwegs sind als vom Ausland. Die Shops könnten doch zumindest beim Versand eine Auswahl anbieten, ob A oder B Paket. Zahle gerne 1 Franken mehr und warte nicht über eine Woche auf die bestellte Ware.

  • Josch. M. am 24.05.2018 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Nie zu Amazone miese Bude

    Würde nie bei Amazone bestellen, die Mitarbeiter werden absolut mies behandelt. So etwas unterstütze ich nicht und geiz ist geil ist absolut nicht mein Ding.

  • Nath am 24.05.2018 08:37 Report Diesen Beitrag melden

    Positive Effekte

    Die Ankündigung des Markteintritts von Amazon hatte bereits einen positiven Effekt. Galaxus hat sein Angebot massiv ausgebaut. Das kann ich nur begrüssen.

  • Mary-Jane Green am 23.05.2018 18:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stoppt die in Bern endlich

    Die Politik will uns Steuern was wir zu tun haben. Wo wir unser Geld ausgeben geht die überhaupt nichts an. Denkt bitte auch alle ans Geldspielgesetz denn da geht unsere Freiheit und die Selbstbestimmung kaputt. Wollen wir das?

    • leser0815 am 24.05.2018 10:44 Report Diesen Beitrag melden

      Rosinenpickerei

      Es sind die Vertreter, die DU gewählt hast!! Du willst also auch, dass jeder selbst entscheidet, ob er polnische Lastfahrer oder marrokanische Reisebusse beauftragen kann, ob beliebige Arbeitskräfte aus dem Ausland auf dem Bau oder in Hotels oder bei der Ernte angestellt werden können usw.? Willst Du all diese Freiheit?

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  • B. Friedrich am 23.05.2018 18:13 Report Diesen Beitrag melden

    Amazon Einfuhr

    Ich denke wenn der Druck von Amazon zunimmt, wird der Einfuhrzoll ab Warenwert ab Fr. 300.- (wie Grenzübergang) mit 7.8% MWSteuer belastet. Warten wird ab..

    • Jan Bomholt am 23.05.2018 20:13 Report Diesen Beitrag melden

      Ab dem ersten Franken wird Steuer fällig

      Lieber Herr Friedrich, Amazon wird ab 1.1.2019 wie alle anderen Händler, die in die Schweiz liefern ab dem ersten Franken 7.7% Mwst. zahlen müssen. Eine Freigrenze von CHF 300 wie bei Einkaufsfahrten ins Ausland wird es nicht geben.

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