Fabrice Zumbrunnen

16. März 2017 16:30; Akt: 16.03.2017 22:40 Print

Vom Coop-Filialleiter zum obersten Chef der Migros

von S. Spaeth - Er ist der Kopf hinter der Expansion in den Gesundheitsmarkt und der oberste Migros-Personalchef: Fabrice Zumbrunnen. 2018 besteigt der Romand den Migros-Thron.

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Es ist der Aussenseiter von zwei internen Kandidaten, der sich durchgesetzt hat: Fabrice Zumbrunnen wird ab 2018 der Konzernchef der Migros. Als Topfavorit galt im Vorfeld der Migros-Zürich-Chef Jörg Blunschi. Dass ein Interner auf den Chefsesssel steigen würde, war abzusehen. Es gilt als ungeschriebenes Gesetz, dass ein Migros-Konzernchef von innen kommen muss. So sagte der abtretende Migros-Chef Herbert Bolliger kürzlich in einer Interview mit dem «Tages-Anzeiger», dass es für den Chefposten mindestens fünf bis zehn Jahre Migros-Erfahrung brauche.

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Die geforderte Migros-Erfahrung, um Bolliger zu beerben, bringt der 47-jährige Romand mit. Seit fünf Jahren sitzt Zumbrunnen in der Generaldirektion des Genossenschaftsbundes und leitet das Departement mit dem etwas sperrigen Namen «HR, Kulturelles & Soziales, Freizeit», wozu auch die Klubschule zählt. Zuvor arbeitete der fliessend deutsch und französisch sprechende Neuenburger während 16 Jahren für die Migros-Genossenschaft Neuenburg-Freiburg. Weil die Genossenschaft, in der Zumbrunnen einen Grossteil seines Berufslebens verbrachte, mit gegen 800 Millionen Franken Umsatz eher klein ist, wurden dem umtriebigen Jörg Blunschi von der Migros Zürich – er fädelte u. a. den Deal mit dem deutschen Bio-Händler Tegut ein – bessere Chancen auf den Topmanagerposten eingeräumt.

Gesundheitsmarkt als Meisterstück

Zumbrunnen, der bald Chef von rund 100'000 Mitarbeitern und der jüngste Migros-Konzernchef in der Geschichte wird, kennt den Detailhandel auch von ganz unten her. Angefangen hat der Neuenburger aber bei der Konkurrenz. Den ersten Job nach seinem Studium in Betriebswirtschaft und Soziologie hatte der heute 47-Jährige als Filialleiter des Coop in La-Chaux-de-Fonds. Später zog es Zumbrunnen als Salesmanager zu einer Medizinaltechnikfirma im Kanton Zug. 1996 stiess der damals 27-Jährige als Ausbildner im Bereich Verkauf bei der Migros Neuenburg-Freiburg ein und schaffte es rasch vom Verkaufschef bis zum obersten Geschäftsleiter.

Das Meisterstück des zweisprachigen Zumbrunen ist das Engagement der Migros im Gesundheitsbereich: Unter ihm investierte die Migros in Fitnesscenter, Arztpraxen und Gesundheitsplattformen. Der Vorteil: Niederlassungen von Medbase und Santémed bringen viel höhere Margen als klassische Migros-Filialen. Das von Zumbrunnen herausgegebene Ziel lautete deshalb, mit Medbase in der gesamten Schweiz vertreten zu sein. Für die digitale Transformation der Migros sei er genau der Richtige, sagt ein Migros-Kadermann, der den Romand kennt und ihn als sehr dynamisch, smart und gut vernetzt beschreibt.

«Es ist nicht nötig, die Migros auf Personen zu reduzieren

Zumbrunnen wird von Migros-Insidern als angenehm im Umgang und kultiviert beschrieben. «Er ist ein zugänglicher, offener Typ und kann gut zuhören», sagt ein Manager, der ihn aus Strategiesitzungen und Verhandlungen kennt. Zumbrunnen sei aber auch ein «Schnelldenker und Schnellentscheider». Neben dem Detailhandel interessiert sich der Romand, der in Zürich lediglich Wochenaufenthalter ist und mit seiner Familie in La Chaux-de-Fonds lebt, auch für die schönen Dinge im Leben: Der Vater zweier Kinder mag Musik, Kunst und Literatur. Er ist mit einer Musikerin verheiratet und treibt gern Sport.

Bis anhin gab sich Zumbrunnen in der Öffentlichkeit betont bescheiden. In einem Interview gab der Romand nach seinem ersten Jahr als oberster Migros-Personalchef zu Protokoll: «Die Migros-Idee ist wichtiger als einzelne Personen, die sie vertreten. Es ist gar nicht nötig, die Migros partout auf Personen zu reduzieren, wir brauchen diesen Hang zum Personenkult nicht.» Ist Zumbrunnen wirklich so bescheiden? Er versuche, sich nie in den Vordergrund zu drängen, sagt ein Migros-Manager und beschreibt den Stil des neuen Migros-Chefs so: «Er versteht es, seine eigenen Leistungen zu präsentieren und dennoch den anderen die Lorbeeren zu lassen, wenn sie sie verdient haben.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roman Nussbaumer am 16.03.2017 17:04 Report Diesen Beitrag melden

    Viel Glück

    Als langjähriger Mitarbeiter kann ich zwar bestätigen, dass der Umsatz unter Bolliger stark anstieg. Doch der Umgang mit dem Personal stark sank. Ich bin froh, dass Bolliger geht, denn jemand der seine eigenen Mitarbeiter beleidigt hat keinen Respekt verdient. Ich hoffe unter dem Neuen wird es besser. Ich wünsche ihm viel Glück.

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  • Martial2 am 16.03.2017 16:46 Report Diesen Beitrag melden

    Les Romands sont sympa...

    Gut so, seit Monsieur Arnold wieder einen welscher Manager. Er wirkt sehr sympathisch!

  • Tom / Tom am 16.03.2017 18:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr gut

    Gutes Vorbild, es würde mancher Firma in der Schweiz gut tun, ihre Chefs von innen mit einer mind. Erfahrung zu rekrutieren.

Die neusten Leser-Kommentare

  • fritz am 18.03.2017 10:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    super

    einfach die Preise in der Migrosi nicht erhöhen,Coop ist furchbar teuer.und wir jetzigen Rentner bekommen nicht mehr AHV.

  • Frau Bolliger am 18.03.2017 09:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CHANCE

    Okay, dann werde ich ihn einarbeiten. Als erstes Pension wieder runter auf 62. Dann wieder die 41 Std Woche einführen. Wurde alles mit einer ganz ganz kleiner Kompensation vergütet. Gibt Leute die von Diebstahl reden, damit die Oberen noch mehr absahnen können.

  • Bin fast sicher.. am 17.03.2017 21:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Botz iz fägts..

    Im Moment noch Büezernah...aber wenn er bleiben will,muss Er dem Rat und Rätlis folgen..sonst fliegt er wieder hochkant...

  • CHerin am 17.03.2017 19:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CEO von Grund auf

    Endlich wieder ein "normaler" CEO, von Grund auf hoch gearbeitet, deshalb weiss er auch wie ein Detailhandel funktioniert. Leider ist das in letzter Zeit komplett vergessen gegangen.

  • Fritz am 17.03.2017 10:13 Report Diesen Beitrag melden

    wer hat's erfunden?

    Und wer hat den Medbase-Kauf denn eingefädelt? Sicher nicht Zumbrunnen. Er erntet nur ;-) Das wissen alle in Zürich ...