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AA-Bonität
08. August 2011 23:29; Akt: 08.08.2011 23:30 Print
Wall Street mit massiven Verlusten
Die New Yorker Börse verlor am ersten Handelstag nach dem Verlust der Topnote AAA für die Kreditwürdigkeit der USA 5,6 Prozent. Der Franken ist zum Euro erstmals unter 1,07 Fr. gefallen.
Nach dem Absturz der Aktienkurse in New York haben viele Anleger am Montagabend die Nerven verloren. Nach einem Handelstag voller Schwankungen purzelten am Ende weltweit die Kurse. Während der SMI unter 5000 Punkte fiel, flüchteten wieder mehr Anleger in den Franken.
Infografik Die schlimmsten BörsencrashsDer Franken in Euro und DollarDevisenkurseAlle drei grossen US-Indizes der New Yorker Börse verloren am ersten Handelstag nach dem Verlust der Topnote AAA für die Kreditwürdigkeit der USA um mehr als 5 Prozent. Der Dow-Jones-Index sank unter die psychologisch wichtige Marke von 11'000 Punkten und schloss um 5,6 Prozent tiefer bei 10'809 Punkten.
Der breiter gefasste S&P 500 sackte um 6,7 Prozent auf 1119 Zähler ab - der grösste Verlust nach Prozenten seit Dezember 2008. Der Index der Technologiebörse Nasdaq lag 6,9 Prozent im Minus bei 2357 Stellen. Bereits vergangene Woche hatte der Dow schon fast 6 Prozent verloren.
In den USA kamen insbesondere Bankentitel unter Verkaufsdruck. Bank of America-Aktien rutschten um 20,3 Prozent ab, allerdings auch wegen einer Milliardenklage von AIG. Der Kurs von Citigroup-Papieren fiel um 16,4 Prozent. Auch Energiewerte mussten kräftig Federn lassen: Halliburton- Aktien büssten 9,9 Prozent ein, die von Exxon Mobil gaben um rund 6,2 Prozent nach. U.S.-Steel-Papiere verloren 13,0 Prozent.
Obamas Rede half nicht
Auch eine Rede von US-Präsident Barack Obama half nichts. Obama sagte am Abend mitteleuropäischer Zeit, die Probleme der USA seien «lösbar».
«Egal, was eine Ratingagentur meint, wir waren immer und werden immer ein AAA-Land sein», betonte er. Es gebe eine ganze Reihe von Ideen, wie die Krise gelöst werden könne.
Doch an der Wall Street in New York flüchteten die Anleger regelrecht aus Aktien. Dafür wurde auch eine Abstufung von Kreditgebern verantwortlich gemacht, die mit der US-Regierung in Verbindung stehen. Demnach hat die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die beiden mit staatlichen Geldern geretteten Baufinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac herabgestuft.
SMI unter Druck
In der Schweiz kam der SMI nach Eröffnung der US-Börsen unter starken Druck. Nachdem der Index der Grosskonzerne am Vormittag zeitweise im Plus gelegen hatte, schloss er am Abend bei 4968 Punkten knapp 4 Prozent im Minus - ein Tiefstwert, der zuletzt im April 2009 gesehen wurde.
Eine ähnliche Berg- und Talfahrt vollführten auch die Leitindizes in Frankfurt und London. So verlor der Frankfurter DAX über 5 Prozent und war so tief wie im September 2010 nicht mehr. In Griechenland verbot die Börsenaufsicht am Abend gar für zwei Monate Leerverkäufe. An der Börse in Athen waren zuvor die Kurse auf den tiefsten Stand seit 14 Jahren gefallen.
Börsen in Asien und Lateinamerika im Minus
Vor dem Einbruch in Europa hatte es auch in Asien grosse Verkäufe gegeben. Der japanische Leitindex verlor 2,2 Prozent, der chinesische 3,8 Prozent. Der Hang-Seng-Index in Hongkong schloss über 2 Prozent im Minus.
In Lateinamerika haben die drei Hauptbörsen am Montag einheitlich sehr starke Verluste verzeichnet. Im brasilianischen São Paulo sank der Index der Bovespa-Börse (Ibovespa) um 4280,93 Punkte oder 8,09 Prozent auf 48 668,29 Zähler. Dies stellt den grössten Tagesverlust seit der internationalen Finanzkrise im November 2008 dar. Der IPC-Index in Mexiko-Stadt gab um 1982,09 Punkte (5,88 Prozent) auf einen Endstand von 31 715,78 Zählern nach. Mit einer Talfahrt endete auch der Börsenhandel in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires. Dort verlor der Merval-Index 329,20 Punkte und sank um 10,73 Prozent auf 2738,41 Zähler.
Franken wieder stärker
Der Euro befand sich mit einem Kurs zum Franken unter 1.08 am Montag nahe am Rekordtief vom vergangenen Freitag. Laut der Zürcher Kantonalbank werden die Märkte die Parität Euro-Franken austesten. Solange Europas Politiker fast täglich zu einem Sondergipfel riefen, leide das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung, hiess es.
Auch der Dollar bewegte sich in den Gefilden eines Rekordtiefs. Der tiefste Stand des Tages lag beim Wert von 0.7528. Dagegen schoss der Goldpreis in die Höhe. Der Preis für eine Feinunze (etwa 31 Gramm) Gold überstieg erstmals die Marke von 1700 US-Dollar auf ein neues Rekordhoch bei 1715,01 Dollar.
EZB kauft Anleihen
Die Herabstufung der AAA-Spitzenbonität der USA auf AA durch S&P am Freitag kam für viele Börsianer nicht unerwartet. Die USA verloren die Topnote zum ersten Mal in der Geschichte, was Ängste vor einem neuen Börsencrash auslöste.
Führende Wirtschaftsmächte und die Europäische Zentralbank (EZB) versuchen seit Sonntagabend, die Anleger zu beruhigen. Die EZB will erneut für Milliarden Staatsanleihen aus der Eurozone kaufen - vor allem Staatspapiere der Krisenländer Italien und Spanien.
Das Vorgehen ist umstritten und ihre Wirksamkeit gegen die Krise wird von einigen Wissenschaftlern in Abrede gestellt. Nach der EZB- Ankündigung sanken am Montag indessen die Zinsen für Anleihen der beiden Länder, was ein Zeichen der Beruhigung ist.
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet verteidigte die Anleihen-Käufe. Er sagte dem deutschen Sender ZDF laut dessen Übersetzung: «Wir haben beobachtet, dass unsere Entscheide in der Euro-Zone nicht angekommen sind. Deshalb haben wir entschieden, von unseren Regeln in der Geldpolitik abzuweichen.»
Derweil kamen Zweifel an der Kreditwürdigkeit Frankreichs auf. Die Grande Nation gilt als das schwächste Land im Club der Wirtschaftsnationen mit AAA-Rating und steht laut Analysten an der Schwelle zur Herabstufung.
Sarkozy und Merkel mit Erklärung
Italien und Spanien erhielten Mahnungen von der EZB, Sparpakete zügig umzusetzen. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel richteten ähnliche Worte an Rom und Madrid.
Der Eurokrisenfonds EFSF solle ab Oktober Anleihen von Krisenstaaten kaufen können, sagten die beiden Politiker. Für Verunsicherung sorgten aber Äusserungen aus Berlin, der Fonds solle nicht ausgeweitet werden. Ein vereintes Vorgehen gegen extreme Kursschwankungen beschlossen derweil die grössten westlichen Industrienationen und Japan G7.
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(sda)

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