Wirtschafts- und Kulturgut

24. März 2018 22:59; Akt: 24.03.2018 22:59 Print

Schweizer Gaming-Szene steht über den Vorurteilen

von R. Knecht - Der Bundesrat will Gaming als Wirtschafts- und Kulturgut fördern. Nur wenige Stereotype überleben den Aufschwung in der Gaming-Industrie.

Gaming erfreut sich eines immer besseren Rufs. (Video: 20min)

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Mit einem Bericht über die Schweizer Gaming-Szene hat der Bundesrat die Wichtigkeit von Videospielen als Kulturgut betont. Auch wirtschaftlich ist die Industrie ein Schwergewicht: Laut dem Bericht wird hierzulande der Verkaufserlös von Games 2018 auf 485 Millionen Franken steigen.

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Schätzungen der Swiss Interactive Entertainment Association zufolge gibt es in der Schweiz 1,5 Millionen aktive versierte Gamer und Gelegenheitsspieler. Laut dem Bundesamt für Statistik spielen sogar 55 Prozent der Bevölkerung zumindest ab und zu. Durchschnittlich verbringt der typische Schweizer Gamer fünf bis sechs Stunden pro Woche mit Videospielen, heisst es im Bericht des Bundesrats.

Die Zahlen zeigen: Die Zeiten, in denen Games ein Nischenprodukt waren, sind längst vorbei. Doch die Gaming-Szene wird trotzdem noch gelegentlich mit bestimmten negativen Vorurteilen konfrontiert. Welche das sind und wie sie ihnen begegnen, verraten Michael Reaney und Tobias Kopka, die Direktoren des Zürcher Game-Festivals Ludicious.

Gewaltdarstellung

Manche Menschen würden etwa erwarten, dass Games stark von Gewaltdarstellung geprägt seien, so die Experten. «Gerade in der Schweizer Gaming-Kultur ist das eher weniger der Fall», sagt Reaney zu 20 Minuten. Die erfolgreichsten Schweizer Games gehörten zur grundsätzlich gewaltfreien Franchise «Farming Simulator». Sylvain Gardel, Leiter des Schwerpunkts Kultur & Wirtschaft bei Pro Helvetia, fügt hinzu: «Die Killerspiel-Diskussion, die vor neun Jahren noch vehement geführt wurde, ist heute eigentlich vom Tisch.»

Laut den Direktoren von Ludicious kommt es zudem vor, dass Leute meinen, Game-Fans seien weniger kommunikativ oder gebildet. «Dabei ist diesen Leuten oft nicht klar, dass Games selbst ein Mittel zur Bildung und Kommunikation sind», sagt Kopka.

Veraltetes Bild

Viele Menschen hätten auch generell ein veraltetes Bild von Games und der Kultur, die dahintersteckt. «Sie stellen sich Gaming sehr einfach vor, obwohl es äusserst facettenreich ist», so die Reaney.

Die effektivste Waffe gegen Vorurteile sind für die Experten die Games selbst:«In der Regel werden negative Vorurteile gegenüber Games völlig zertrümmert, sobald man den Menschen zeigt, was die Gaming-Szene heute zu bieten hat», sagt Kopka.

Bist du Gamer und musstest dein Hobby schon einmal verteidigen?

«Die Bevölkerung ist mit Games vertraut»

Klassische Stereotype wie den Gamer, der die ganze Nacht an der Playstation verbringt, findet man immer seltener, sagt Gardel von Pro Helvetia. «Die heutigen Generationen von Jugendlichen und Eltern sind mit Gaming besser vertraut», so der Experte. Die Medienkompetenz der Bevölkerung sei in den letzten Jahren gestiegen. Der Umgang mit Games sei in vielen Familien geregelt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Renaldo am 24.03.2018 23:10 Report Diesen Beitrag melden

    ich bin froh über diese Entwicklung

    Als ich Teenie war, in den späten 90ern und frühen 2000ern, hiess es meistens Gamer seien Verlierer, hätten kein Leben, keine soziale Fähigkeiten, ungepflegt und faul, ohne Bezug zur Realität, und je nach dem was sie spielten auch zwei Tage vor dem Amoklaufen. Ich spielte gerne Shooter wie Counterstrike oder Quake, Doom, Duke Nukem etc. Eine echte Waffe habe ich selbst nie angefasst, hat mich nie interessiert. Trotzdem hiess es weil ich Ballerspiele spiele sei ich der nächste Massenmörder. Gut sind diese Zeiten vorbei.

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  • Luca gschwend am 24.03.2018 23:11 Report Diesen Beitrag melden

    Wird Zeit

    Spiele selbst seit vielen Jahren. Für mich sind Videospiele eine Kunst. Persönlich Favorit ist alles rund um Nintendo. Top, dass die Szene an Bekanntheit gewinnt

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  • Normalverbraucher am 24.03.2018 23:15 Report Diesen Beitrag melden

    Virtuelles Vergnügen

    Vielleicht sollte sich die hohe, nationale Politik wieder mal um ganz reale Probleme kümmern statt um solch virtuelles Vergnügen. Denn währenddem sich der Ständerat in corpore während der Sessionsperiode ganze Tage frei nimmt, weil "alle" Geschäfte erledigt seien, müssen sich unterdessen zig-tausende, beruflich gut qualifizierte Schweizer-Ü50 Tag und Nacht den Kopf darüber zerbrechen, wie sie überhaupt noch ihre Existenz in diesem schönen Land bestreiten sollen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • I. Clarke am 25.03.2018 18:58 Report Diesen Beitrag melden

    "Killerspiel" Debatte ist nicht vorbei

    Nachdem Konservative die Attacken eingestellt haben, haben feminist. Aktivisten und gewisse Gaming Magazine entdeckt, dass man damit auch Geld scheffeln kann und die gleichen widerlegten Argumente aufgegriffen und Gamer attackiert. Bestes Beispiel war Gamer-Gate, welches die Korruption der Gaming Medien aufdeckte und kritisierte. Inzwischen verteidigen dieselben Leute Videospiele, bloss weil die NRA und Trump die Spiele wieder attackieren und man ja nicht mit denen gleicher Meinung sein kann.

  • As am 25.03.2018 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt

    Dank CsGO kan ich jetzt relaviv gut Englisch

  • S. Ynoloquie am 25.03.2018 14:32 Report Diesen Beitrag melden

    Gaming=cool für Fans, aber...

    Wenn der Staat etwas gutheisst, dann steckt mehr dahinter. Panem et circenses nannte sich das bei den Römern, da unterdessen immer mehr Leute erwacht sind, und BigBrother+Co als geistige Defäkation erkennen, muss der Staat was anderes pushen. Hauptsache, sie können ruhing weitermachen im Sinne von "voller Bauch reklamiert nicht". Dann unbemerkt weiterhin Glyphosathöchstwerte hochschrauben... Hauptsache, ein weiterer Teil der Bevölkerung merkt nichts.

    • Wurstsalat am 25.03.2018 15:02 Report Diesen Beitrag melden

      Das läuft schon, wir sind spät dran

      Ja, es wir auch langsam Zeit, wenn man bedenkt, wie sich der chinesische Staatskonzern Tencent in der Spieleindustrie und deren Peripherie (z.B. Discord) breit macht. Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber wenn ich meine Daten sowieso gratis hergeben muss, um spielen zu können, gebe ich sie lieber der Schweiz als den Chinesen, in deren Sprache vermutlich nicht mal ein Wort für Datenschutz existiert. Der CH-Staat wird in Zukunft wohl eher eines der kleineren Probleme sein, solange wir unseren Einfluss darauf nicht verlieren...

    • KäseSänwidsch am 25.03.2018 18:42 Report Diesen Beitrag melden

      @Wurstsalat

      Daten sind nie sicher, Wurstsalat. Nirgends.

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  • Ingelbach am 25.03.2018 11:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wo die klasschische Kunst überlebte

    Man sollte sich mal die Kunst-Szene Anschauen. Nehmen Sie Dada-ismus oder Abstrakte Kunst... Es geht nicht um die klassischen Werte wie Ästhetik dort, sondern nur noch darum zu "Provozieren". Sprich man bezahlt nicht mehr das Kunsthandwerk, sondern wie sehr es Menschen nervt... Auch wenn man die Verschandelung der Lebensbereiche durch die Postmoderne Architektur anschaut... Naja.... Interessant ist, dass das klassische Kunsthandwerk, von Landschaftsmalen, Formen gestalten, Ästhetik und Design überlebt hat... Nämlich in Games und deren Spielewelten, das sind "echte" gestalterische Leistungen!!

  • Realist am 25.03.2018 10:03 Report Diesen Beitrag melden

    Spielsucht bekämpfen und dann..

    Sorry unser Bundesrat hat nun definitiv einer an der Waffel

    • Nein am 25.03.2018 11:26 Report Diesen Beitrag melden

      Hat er nicht

      Realistich gesehen seit ihr nörgelis und Besserwisser die schlimmsten, je nachdem wofür ihr ein Argument braucht, macht der Staat entweder zu viel Gesetze oder zu wenige! So könnt ihr endlos weiter nörgeln, eigentlich seit ihr nur bemitleidenswert.

    • Entwickler und Antistaatler am 25.03.2018 12:01 Report Diesen Beitrag melden

      Nein zum Innovationsfeindlichen Staat

      Der Staat ist das Problem. Vor allem seine Technikfeindliche Einstellung... Technik ist der Dritte Weg. Sozialpolitik ist grundsätzlich immer primitiv, denn man kann nur Ja oder Nein diskutieren, mit Technik kann man aber Probleme lösen... Nehmen wir die Verteilung von Gütern, man kann Sozialpolitisch endlos darüber diskutieren oder Krieg führen (z.B. WWII mit diversen Sozialismusformen)... Mit Technik kann man aber das Problem grundsätzlich lösen: = Mehr Produzieren. Technik lebt von den Fans, Digitaltechnik sind die Gamer. Maschinen die Moto-Fans..Sozialismus hatte nie Technische Innovation.

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