Aufgepasst in der Bank

01. Oktober 2011 21:17; Akt: 02.10.2011 05:24 Print

Was Ihr Anlageberater wirklich meint

von Urs P. Gasche, infosperber.ch - Vorsicht: Ihr Bankberater spielt nicht zwingend mit offenen Karten. Denn sein Lohn hängt davon ab, welche Finanzprodukte er Ihnen verkauft. Darauf müssen Sie beim Gespräch achten.

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Verkäufer von Bankprodukten nennen sich «Berater», und fast alle Medien übernehmen diese irreführende, von den Banken diktierte Bezeichnung. Als Begründung kommt manchmal das Argument «Bankberater verkaufen ja keine Banken».

Doch die Migros- oder Globus-Verkäuferinnen und -Verkäufer verkaufen weder Migros noch Globus und trotzdem nennt man sie bei ihrer Funktion. Die Kunden wissen, dass sie Verkäufer und Verkäuferinnen vor sich haben.

Dagegen gaukeln die Banken vor, im Interesse ihrer Kunden zu «beraten». Dabei sollten sich die Kunden vor Bankverkäufern viel mehr in Acht nehmen als vor Migros- oder Globusverkäuferinnen. Denn in der Migros oder im Globus erhält das Verkaufspersonal einen fixen Lohn, während der Lohn von «Bankberatern» davon abhängt, wie viele und welche Bankprodukte sie den Kunden andrehen können.

Nur Postfinance und ZKB für obligatorisches Protokoll

Entsprechend viel professioneller sind die Bankverkäufer geschult. Und entsprechend schwächer stehen die Bankkunden da. Mit Ausnahme der Postfinance und der Zürcher Kantonalbank (ZKB), ergab eine Umfrage des Kassensturz, wehren sich alle Banken gegen ein obligatorisches Protokoll des Verkaufsgesprächs, das der Kunde kontrollieren und unterschreiben kann. Nur mit einem solchen Protokoll – das in Deutschland unterdessen obligatorisch ist – könnten die Kunden später beweisen, dass sie der «Bankberater» über Risiken der empfohlenen Anlage zu wenig aufgeklärt hat, und die Bank für Verluste wenigstens teilweise haftbar machen.

«Ein vom Kunden unterschriebenes Gesprächsprotokoll würde unsere Arbeit sehr erleichtern», erklärte der Schweizer Banken-Ombudsmann Hanspeter Häni im Kassensturz.

Doch die Bankenlobby hat sich im Parlament mit ihrer ablehnenden Haltung durchgesetzt und erhielt sogar von der Bankenaufsichtskommission Finma Rückendeckung: Eine bankeninterne Dokumentationspflicht würde genügen, erklärte Finma-Mediensprecher Tobias Lux.

Was Bankverkäufer sagen und was sie wirklich meinen

In seinem neusten Buch «Cash oder Crash – Abzocker durchschauen» bietet René Zeyer, längjähriger Kommunikationsberater der Finanzbranche, für Bankkunden eine Übersetzungshilfe. Es kann sich lohnen, diese vor dem nächsten «Beratungs»- bzw. Verkaufsgespräch zu konsultieren, wie die Beispiele in der Bildstrecke oben zeigen.