Geldschöpfung

17. April 2018 14:30; Akt: 17.04.2018 14:51 Print

Was genau steckt hinter der Vollgeld-Initiative?

von Isabel Strassheim - Die Geldschöpfung versteht kaum einer. Dabei ist dies Thema der Vollgeld-Initiative. 20 Minuten erklärt, worum es dabei geht.

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Unser Geld beziehen wir meistens aus dem Bancomaten. Doch wer schöpft es? Die Grossbank UBS schöpft genauso wie andere Geschäftsbanken Geld aus dem Nichts. Die SNB erklärt das auf der Info-Seite Iconomix.ch wie folgt: «Die Bank schreibt dem Kreditnehmer den Kreditbetrag auf seinem Bankkonto ganz einfach in Form von Buchgeld gut. In diesem Moment wird neues Geld geschaffen.» Sie wachen einzig über das Bargeld: Das Direktorium der Schweizerischen Nationalbank (Fritz Zurbrügg, Thomas Jordan und Andrea Mächler). Sie verlangen eine vollständige Finanzierung durch Notenbankgeld: Hansruedi Weber, Präsident des Vereins Monetäre Modernisierung (MoMo, Mitte) reicht zusammen mit als Wilhelm Tell und Helvetia verkleideten Aktivisten in Bern die Vollgeld-Initiative ein. (1. Dezember 2015) Um bei der Schaffung von Geld neue Schulden zu vermeiden, würde die Nationalbank Geld ohne Gegenleistung dem Bund, den Kantonen oder den Bürgerinnen und Bürgern übertragen: Aktivisten reichen die Initiative ein. Die Schweizerische Nationalbank in Bern: Wird unser Bankensystem bald umgebaut, wie es die Vollgeld-Initiative fordert? Der Bundesrat glaubt nicht, dass das Finanzsystem dadurch sicherer wird. Finanzminister Ueli Maurer erklärt, weshalb der Bundesrat die Initiative ablehnt. (9. November 2016) Der Bundesrat warnt auch vor den Risiken, wenn die Schweiz im Alleingang eine weitgehend unerprobte Umgestaltung des Geld- und Währungssystems wagen würde. Es sei mit Verwerfungen im Finanzsektor und negativen volkswirtschaftlichen Auswirkungen zu rechnen: Ueli Maurer (r.) und Serge Gaillard, der Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung, zur Vollgeld-Initiative in Bern.

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Die Vollgeld-Initiative will die Geldschöpfung verändern: Banken sollen kein Geld mehr schaffen dürfen, sondern nur noch die Nationalbank. Das Volk wird am 10. Juni darüber abstimmen. Der Bundesrat stellt sich gegen die Vorlage. Doch worum geht das genau? 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Nur die Nationalbank schöpft Geld – stimmt das?
UBS, Credit Suisse und die anderen Geschäftsbanken schaffen selbst Geld, wie die Schweizerische Nationalbank (SNB) darlegt. Rund 90 Prozent des Geldes kommt nämlich nicht von der SNB. Diese stellt nur das Bargeld her, das aber nur rund 10 Prozent ausmacht. Das elektronische Geld, also die Guthaben auf unseren Bankkonten, existiert unabhängig von der SNB.

Die Banken seien nur Vermittler zwischen Sparern und Kreditnehmern, sagte UBS-Chef Sergio Ermotti in einer Talkshow auf Teleticino. Geben sie nur Geld weiter, das sie von anderen bekommen haben?

Diese Erklärung war bis zur Finanzkrise sehr weit verbreitet. UBS-Sprecher Mark Hengel sagt zu 20 Minuten: «Eine Bank kann keinen Franken Kredit vergeben, wenn ihr dieses Geld nicht in Form von Einlagen oder anderen Verbindlichkeiten von Sparern oder Investoren anvertraut wurde. Dabei müssen Banken gleichzeitig eine Reihe von regulatorischen Anforderungen beachten. Sie finanzieren sich daher keinesfalls aus dem Nichts.»

Er räumt aber ein, dass bei der Geldschaffung Banken im Rahmen der Kreditvergabe auch Geld herstellen. Um die Rolle der Banken transparenter zu machen, hat die SNB auf ihrer Website für den Schulunterricht Iconomix.ch extra Material für den Schulunterricht zusammengestellt. Darin heisst es: «Geschäftsbanken brauchen für die Vergabe von Krediten weder Notenbankgeld noch Spareinlagen.» Denn Banken stellen das elektronische Geld für die Kreditvergabe selbst her.

Wie soll das gehen?
«Bei der Vergabe eines neuen Kredits gibt die Bank kein physisches Geld in Form von Banknoten aus. Folglich sind auch kein physisches Notenbankgeld oder Spareinlagen nötig», heisst es auf der SNB-Site Iconomix.ch. «Die Bank schreibt dem Kreditnehmer den Kreditbetrag auf seinem Bankkonto ganz einfach in Form von Buchgeld gut. In diesem Moment wird neues Geld geschaffen.»

Wie viel Geld schaffen die Banken auf diese Weise?
Im Jahr 2014 waren es knapp 329 Milliarden Franken, besagt die Vollgeld-Initiative unter Bezug auf Daten der SNB. Fast die Hälfte davon schöpften die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse, der andere Teil kam von den Kantonalbanken, Raiffeisen- und den anderen Banken.

Im Durchschnitt erzielten die Geschäftsbanken mit dem so selbst geschöpften und als Kredit vergebenen Geld zwischen 2007 und 2015 pro Jahr 2,8 Milliarden Franken an Zinsgewinn, so eine Studie der Copenhagen Business School und der New Economics Foundation. Durch den aktuellen Negativzins jedoch entfällt dieser Gewinn.

Was würde sich durch die Vollgeld-Initiative ändern?
Das Geld würde ausschliesslich von der SNB geschaffen, auch das elektronische Geld. Die Guthaben auf unseren Konten wären vollumfänglich von der SNB gedeckt, daher der Name Vollgeld. Die Banken dürften zwar weiterhin Kredite vergeben, aber nur in der Höhe, die durch Spar- oder Anlageguthaben tatsächlich gedeckt ist.

Was sagen Nationalräte zur Vollgeld-Initiative?
Bundesrat und Ständerat haben die Initiative abgelehnt. Auch viele Nationalräte sind skeptisch: Beat Flach (GLP) warnt etwa davor, dass ohne Geldschöpfung der Banken allein die SNB über den Umfang der Kreditvergabe durch die Banken bestimmt. Sehen Sie seine Stellungnahme und diejenige anderer Nationalräte im Video.


20 Minuten hat dieses Q&A bereits am 6. Dezember 2017 publiziert. Aus aktuellem Anlass wurde der Artikel nochmals überarbeitet und die Kommentarfunktion wieder aktiviert.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wave Dancer am 06.12.2017 11:01 Report Diesen Beitrag melden

    Diebstahl am Bürger / FIAT-Geld!

    Ja die Banken geben sich selber Geld und wenn diese es verzocken bezahlt der Bürger dann den Schaden mit seinem Ersparten! Warum kriegt Ihr heute nichts mehr auf euren Sparguthaben? Weil die Banken in Massen Geld produziert haben, das Euer Erspartes direkt konkurrenziert! Zu Gunsten der Banken natürlich, die ja an all den irrsinnigen Transaktionen verdienen!

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  • Gregor Dietrich am 06.12.2017 11:03 Report Diesen Beitrag melden

    Täuschung oder Betrug?

    Das Bankengeld-System wurde ohne Wissen der Bevölkerung eingeführt und konnte sich auch nur aus diesem Grund so lange halten! Aber damit ist nun schluss!

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  • Schöschu vo Bärn am 06.12.2017 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Ich mach das jetzt auch so!

    Ab sofort bin auch ich eine Bank! Gebe jedem Kredit in jeder Höhe, solange er mir 1% Zins bezahlt. Ach ja, und die Parlamentarier finden das okay!?!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Imhof Eddy am 18.04.2018 17:26 Report Diesen Beitrag melden

    Vollgeld

    Durch die Geldschöpfung der Notenbank,soll gemäss der Inititive Bund und Kantone provitieren, und nicht von Ihnen bestimmt werden. Ausländische Private wie UBS und CS können aus nichts Geld herstellen und dafür noch Zinsen verlangen Ich staune wie unsere Nationalräte wie nichts darüber wissen!

  • despicable me am 18.04.2018 16:04 Report Diesen Beitrag melden

    +jetzt fragt euch was Cryptowährung ist

    Ich sags ja seit jeher, würde jeder das Geld gleich komplett abheben würden in einer Woche keine Banken mehr auf deren Sockel stehen. Eine Bank kann nur durch diejenigen existieren, die das Geld dort lagern und dafür Geld bezahlen. Würde jeder Bargeld akzeptieren, hätte ich schon längst kein Konto mehr. Der Witz heute machst du die Arbeit selbst (e-Banking) und die Bank will dennoch Geld sehen, weil ich ja deren Systeme nutze.. Schwachsinn aber mit den Menschen kann man das machen.

  • Reto Signorell am 18.04.2018 13:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So nicht Herr Bundesrat!

    Die SVP ist schon lange keine Volkspartei mehr, sondern eine Wirtschftspartei! Somit müsste sie eigentlich SWP heissen! Das nächste Verbrechen am Volk von U.M. ist die von ihm überarbeitete Version der Revision des Versicherunggesetzes, natürlich zu Lasten der Versicherten und zu Gunsten der Versicherungen! Nur gut, dass immer mehr Schweizer aufwachen und keine SV(W)P mehr wählen.

  • Dante Veritas am 18.04.2018 11:59 Report Diesen Beitrag melden

    Diese Abstimmung ist ZU wichtig!

    Als dass sie angenommen werden darf. Ich gehe davon aus, dass ALLES gemacht wird um die Vollgeldinitiative zu verhindern. D.h. Propaganda, Erpressung, Wahlfälschung, Nichtumsetzung. Demokratie ist nur solange ok wie es den Mächtigen dient.

  • Truther am 18.04.2018 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Seid euch dessen bewusst

    Ich möchte euch ja nicht die Hoffnung nehmen, aber eins muss klar sein : Bei einer Annahme eines Vollgeldes würden die Schweizer weltweit als einzige auf einen Schlag frei vom Schuldgeldsystem sein und der Staat würde den Bürgern somit einen Vertrauensvorschuss leisten. Das ist dermassen systemtragend, ja matchentscheidend, jene die die Geldflüsse kontrollieren werden alles unternehmen als dies je zuzulassen. Da wird auch über Leichen gegangen.

    • Reni R. am 18.04.2018 10:48 Report Diesen Beitrag melden

      Kam schon vor

      Beim letzten Mal als ein gewisses europäisches Völkchen keinen Zinseszins mehr leisten wollte, mündete das in einen Weltkrieg. Da sieht man mit was für Subjekte man es zu tun hat.

    • Toni Müller am 18.04.2018 12:32 Report Diesen Beitrag melden

      Ich glaube es nicht.

      Man wird die Annahme dieser Initiative zu verhindern wissen. Mit Sicherheit! von einer allfälligen Umsetzung ganz zu schweigen.

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