Politisches Signal?

11. Juni 2018 09:15; Akt: 11.06.2018 09:15 Print

Darum erhöht PostFinance wirklich die Gebühren

von R. Knecht - Obwohl die PostFinance 2017 noch Gewinne schrieb, kündigt sie jetzt einen Stellenabbau an und erhöht die Gebühren. Warum trifft die Bank so drastische Massnahmen?

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Hansruedi Köng, CEO Postfinance, kündigte kürzlich einen Stellenabbau und höhere Gebühren bei der Bank an. Die Postfinance machte im ersten Quartal rund 40 Millionen Franken weniger Zinsgewinn als in der Vorjahresperiode und es könnte noch schlechter werden, sagte ein Sprecher zu 20 Minuten. Benjamin Manz, CEO des Vergleichsportals Moneyland.ch, glaubt, dass die PostFinance mit der frühen Ankündigung vor allem ein Signal an die Politik senden will: «Die Bank hofft schon seit Jahren, das Kreditverbot aufheben zu können», so Manz. Die PostFinance darf laut Postgesetz keine Kredite oder Hypotheken vergeben. Mit Massnahmen wie Stellenabbau und Gebührenerhöhungen kann die Bank laut Manz signalisieren, dass sie sich gegenüber anderen Banken benachteiligt fühlt. Ähnlich wie beim Stellenabbau geht es bei den Gebührenerhöhungen darum, zusätzlich rund 50 Millionen Franken zu erwirtschaften, wie CEO Köng im Interview mit dem «Tagesanzeiger» sagt. Die Gewerkschaft Syndicom hält den angekündigten Abbau für einen Teil der Salamitaktik der PostFinance. Denn bereits 2017 strich die Bank über 40 Vollzeitstellen wegen der Automatisierung. Die PostFinance dementiert. In die Schlagzeilen geraten war die Postfinance 2018 unter anderem aufgrund technischer Störungen. Im Rahmen einer Software-Umstellung waren Kunden fälschlich negative Kontostände angezeigt worden. «In unserem System waren die Kontostände aber immer richtig. Dieser Fehler ist mittlerweile behoben», heisst es bei der PostFinance. Zudem gab es Pannen bei der E-Banking-Lösung E-Finance. Das System fiel teilweise komplett aus. oder lief instabil. Anfang Mai waren grosse Teile der Post von einer Störung betroffen. Neben Automaten und dem E-Banking waren auch Intranet, E-Mail, Telefonnummern oder die Paketsortierung zeitweise offline. Die PostFinance kämpfte in diesem Frühjahr immer wieder mit Pannen. Vor allem beim E-Banking. Im Interview mit 20 Minuten nahm Dieter Bambauer Stellung zu den jüngsten Problemen mit der IT. Bambauer ist Mitglied der Geschäftsleitung und leitet Post-Logistics. In diesen Bereich fällt auch die Informatik. Im Bild: Bambauer bei der Präsentation eines selbstfahrenden Lieferroboters im August 2016. Neben Lieferrobotern testet die Post auch selbstfliegende Drohnen. Roboter und Drohnen seien aber nicht das Kerngeschäft der Post, sagt Brambauer. Auch künftig werde die Mehrheit der Pakete und Briefe von Zustellern ausgeliefert.

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Wie steht es um das Geschäft der PostFinance?
Im vergangenen Jahr hat die PostFinance ihren operativen Gewinn leicht auf rund 550 Millionen Franken steigern können. Im ersten Quartal des Jahres sei das Ergebnis allerdings stark rückläufig gewesen, moniert die PostFinance. «Wir erwarten, dass sich die Situation weiter verschlechtert», sagte ein Sprecher der Bank zu 20 Minuten.

Warum baut die Bank Stellen ab?
Die Post selbst nennt Margenerosion im Zinsgeschäft als Grund. «PostFinance ist von der Zinssituation besonders stark betroffen, weil ihr aufgrund des ihr vom Bund auferlegten Kreditverbots geringe Alternativen zur Verfügung stehen», so der Sprecher. Der Stellenabbau sei Teil von Massnahmen mit dem Ziel, die Effizienz zu steigern und Kosten zu senken. Die Personalkürzungen sollen rund 50 Millionen Franken einbringen. Benjamin Manz, CEO des Vergleichsportals Moneyland.ch, glaubt, dass die PostFinance mit der frühen Ankündigung vor allem ein Signal an die Politik senden will: «Die Bank hofft schon seit Jahren, das Kreditverbot aufheben zu können», so Manz.

Was ist das Kreditverbot?
Die PostFinance darf laut Postgesetz keine Kredite oder Hypotheken vergeben. Dies, weil sie dem Staat gehört und dieser laut National- und Ständerat aus ordnungspolitischen Gründen nicht mit einer eigenen Bank am Markt tätig sein sollte. Für die PostFinance wären Kredite allerdings ein lukratives Geschäftsfeld. Mit Massnahmen wie Stellenabbau und Gebührenerhöhungen kann die Bank laut Manz signalisieren, dass sie sich gegenüber anderen Banken benachteiligt fühlt. «Es ist fraglich, ob die Schweiz eine weitere Grossbank braucht, die Gewinnmaximierung ins Zentrum stellt», so Manz. Aus Konsumentensicht gebe es darum keinen Grund, das Kreditverbot aufzuheben.

Wird den Angestellten gekündigt?
Ja, es ist mit Kündigungen zu rechnen, wird CEO Köng in der Mitteilung der PostFinance zitiert. Mehrheitlich soll der Abbau aber über natürliche Fluktuation, auslaufende befristete Arbeitsverhältnisse und Pensionierungen erfolgen.

Warum schon wieder ein Stellenabbau?
Die Gewerkschaft Syndicom hält den angekündigten Abbau für einen Teil der Salamitaktik der PostFinance. Denn bereits 2017 strich die Bank über 40 Vollzeitstellen wegen der Automatisierung. Die PostFinance dementiert den Vorwurf: «Wir wussten damals noch nicht, was an zusätzlichen Massnahmen nötig sein würde.» Im Rahmen des Sparplans «Victoria 2020» reduziert die PostFinance laut dem «Tagesanzeiger» die Zahl der Vollzeitjobs allerdings um fast 20 Prozent.

Warum steigen die Gebühren?
Ähnlich wie beim Stellenabbau geht es auch hier darum, zusätzlich rund 50 Millionen Franken zu erwirtschaften. Das sagt der PostFinance-CEO im Interview mit dem «Tagesanzeiger». Das sind im Schnitt gegen 20 Franken pro Kunde.

Sollte ich wegen der Gebühren die Bank wechseln?
Dafür dürfte es zu früh sein, sagt Manz von Moneyland.ch. Welche Produkte genau teurer werden, ist noch nicht bekannt. Erst wenn man das weiss, könnten Kunden entscheiden, ob sich ein Wechsel lohnt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stiletto am 11.06.2018 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    klarer Fall

    die Gebühren werden erhöht um Ruoffs Abgangsentschädigung zu finanzieren.....

    einklappen einklappen
  • AlainvB am 11.06.2018 09:23 Report Diesen Beitrag melden

    Gebühren

    würde mir die Bank 20.- abheuschen, wäre am Tag der Ankündigung der Gebühr mein Konto gekündigt

    einklappen einklappen
  • splexit am 11.06.2018 09:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ewig dieses Theater

    Meine Kündigung des Kontos steht fest.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Post Kunde am 12.06.2018 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    50 Millionen Franken zu erwirtschaften?

    Ergaunern von 50 Mio. trifft's wohl eher. Mies wirtschaften, fette Löhne garnieren und dann die Kunden an die Kasse bitten. Goht's noi?!

  • Urs Höller am 12.06.2018 08:02 Report Diesen Beitrag melden

    Post längst nicht mehr was sie mal war

    Für mich steht bei diesem schlechten Service sowieso die Kündigung schon fest

  • Sabrina am 12.06.2018 07:50 Report Diesen Beitrag melden

    Geht's eigentlich noch?

    Für stinknormales E-Banking bei der Post zahle ich heute schon monatlich 12 Franken da ich keine 25'000 Franken auf dem Konto haben. Und jetzt soll ich pro Jahr nochmals 20 Franken mehr bezahlen? Schliifts?

    • A Post Man am 12.06.2018 08:31 Report Diesen Beitrag melden

      Immer diese Jammerei

      Immer diese Jammerei, mein Gott, du hast sicher schön für dümmeres Geld ausgegeben, ich habe seit einiger Zeit eine Lebensversicherung (über Postfinance) abgeschlossen und muss dafür kein Gebühren bezahlen, wie wärs mal damit, kann man nach der Pensionierung gut gebrauchen...

    • Gene Amdahl am 12.06.2018 10:21 Report Diesen Beitrag melden

      Lebensversicherung=Todesversicherung

      Wie naiv muss man immer noch sein eine Todesversicherung abzuschliessen? Bis zu deiner Pensionierung ist das Geld nicht mehr viel wert! Kauf lieber Aktien!

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  • Stefan am 12.06.2018 05:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Privatisierung für PostFinance

    Es wird langsam Zeit das PostFinance privatisiert wird. Dadurch haben Sie mehr Freiheit und ist auch nicht mehr der Vorschriften des Bundes unterstellt.

  • Markus am 12.06.2018 05:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So lustig

    Kunden müssen gemäß König ihren Beitrag leisten. Kunden müssen überhaupt nichts. Sie können sofern sie wollen. Solange die Bank Gewinn erwirtschaftet, dient die Erhöhung der Gebühren zur Sicherstellung der Gewinne. Arme Kunden.