Booking.com & Co.

12. Dezember 2012 15:36; Akt: 12.12.2012 16:43 Print

Weko ermittelt – die Hoteliers freuts

von S. Spaeth - Für Hotelgäste sind Buchungsplattformen ein Segen. Für die Hoteliers sind sie ein Albtraum – die Kommissionen sind horrend, die Verträge diktatorisch. Nun ermittelt die Weko.

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Buchungsplattformen haben in der Schweiz bereits einen Marktanteil von 16 Prozent. Sie kassieren massive Gebühren. (Bild: Keystone)

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662 Euro kostet eine Übernachtung von heute Mittwoch auf morgen Donnerstag in einem Doppelzimmer des Zürcher Nobelhotels Dolder Grand. Am anderen Ende der Preisskala bei der Buchungsplattform HRS.com befindet sich das Ibis-Hotel am Zürcher Flughafen: Das günstigste verfügbare Doppelzimmer schlägt hier mit 132 Euro zu Buche.

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Klar ist: Der moderne Kunde strebt nach Preistransparenz – und findet sie bei internationalen Buchungsplattformen wie Booking.com, Expedia oder HRS. Buchungsplattformen haben in der Schweiz bereits einen Marktanteil von 16 Prozent, Tendenz steigend. Dem Hotelier tut der Gast mit dieser Art von Buchung aber keinen Gefallen. Die Portale berechnen hohe Gebühren. Booking.com, Branchenführer in der Schweiz, kassiert bis zu 12 Prozent – rekordverdächtige 25 Prozent sind es laut «Gastro Journal» bei Marktleader Expedia.

Illegale Bestpreisgarantie?

Beim Branchenverband Hotellerie Suisse spricht man von Kommissionssätzen von bis zu 20 Prozent. Zudem stören sich die Hoteliers an diktatorischen Vertragsklauseln. «Die Hotels sollten ihre Preise frei gestalten können und sich nicht dem Diktat von Onlineportalen unterordnen müssen», sagt Hotellierie-Suisse-Präsident Guglielmo Brentel. Zudem nützen Expedia & Co. laut Hotellerie Suisse ihre marktbeherrschende Stellung aus.

Die Machenschaften der Buchungsplattformen werden nun von der Schweizer Wettbewerbskommission (Weko) durchleuchtet. Die Behörde hat am Mittwochmorgen mitgeteilt, dass gegen Booking.com, Expedia und HRS eine Untersuchung eingeleitet worden sei. Es bestünden Anhaltspunkte, dass gewisse Vertragsklauseln den Wettbewerb zwischen den Buchungsplattformen beeinträchtigen könnten. Insbesondere stört sich die Weko an der Bestpreisgarantie. Diese verbietet dem Hotelier, einem interessierten Passanten einen tieferen Preis zu gewähren als auf der Online-Plattform.

In den USA Kommissionen bis 50 Prozent

«Wir werden die Vertragsbedingungen prüfen und gegebenenfalls die Konsequenzen ziehen», sagt Weko-Direktor Rafael Corazza zu 20 Minuten Online. Womöglich sind in Zukunft gewisse Vertragsbedingungen verboten oder müssen abgeändert werden. Laut Corazza sind Geldsanktionen nicht ausgeschlossen. Diese würden sich nach Umsatz und Schwere des Gesetzesverstosses richten. Dass die Plattformen nicht darben müssen, zeigt eine im Frühjahr von der «Hotelrevue» zitierte Studie: Demnach kassieren die Buchungsportale in Deutschland, der Schweiz und Österreich jährlich 594 Millionen Euro.

Bei den Hoteliers begrüsst man das Verfahren der Wettbewerbshüterin und fühlt sich bestätigt: «Wir haben vor anderthalb Jahren bei der Weko interveniert. Gestützt darauf hat die Weko eine Marktbeobachtung und eine Voruntersuchung eingeleitet», sagt Hotellerie-Suisse-Geschäftleitungsmitglied Marc Kaufmann.

Die Untersuchung will man aber nicht als Sieg über die Buchungsplattformen verstanden wissen. Man hält HRS, Booking.com und Co. für wichtige Partner. «Leider gehen sie in letzter Zeit nicht mehr fair mit uns um», so Kaufmann. Er sorgt sich um die weiter steigenden Kommissionen – und fürchtet sich vor Zuständen wie in den USA, wo die Hoteliers bereits Kommissionen von bis zu 50 Prozent bezahlen.

Mitarbeit: Leo Hug

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • jimmysmalia am 13.12.2012 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    hotel anrufen.

    Rufen sie mal das Hotel direkt. Die Parität an preisen wird bis zu 90% von allen Hotels gehalten. Das heisst online preise gelten auch direkt in Hotel. (Best Available Rate) ist momentan was laüft. Verlangen sie eine kleine Rabatt wenn sie direkt mit hotel buchen. Hotels sind froh wenn die mit ein Rabatt von 5% noch 10%-15% sparen können.

  • Der Hotelier am 12.12.2012 16:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach....

    Einfach Hotel anrufen, beste Rate fragen und handeln! Jedes Hotel mit freien Zimmern hat Spielraum. Beste Lösung: am Abend an die Rezeption und um den Preis handeln. Lieber kassiere ich 50% nebenbei am Abend als nichts.... Ps: die Portale machen einen guten Job und bis 20% ist akzeptabel. 10% - 15% wäre fair.

  • Georges Dubi am 12.12.2012 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    Positive Erfahrungen

    Ich reise geschäftlich sehr oft und buche meine Hotels meist über Booking.com. Dies spart mir sehr viel Zeit. Auch kann ich notfalls problemlos annullieren und sollte es mit dem Hotel Probleme geben, nimmt sich Booking.com dieser an. Ich mache nur positive Erfahrungen. Wo ich oft und regelmässig übenachte, vereinbare ich direkt mit den jeweiligen Hotels den Zimmerpreis.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Olaf.Th am 14.12.2012 07:23 Report Diesen Beitrag melden

    selbst ist der Mann

    Was heult die Hotellerie hier nur rum, sie haben die Zimmervermittlung doch selbst an fremde Buchungsportale ausgelagert. Die Hotels einer Stadt oder Region brauchen sich nur zusammen tun und ein eigenes Internetportal eröffnen, schon können sie selber festlegen wo es lang geht. So etwas ist natürlich mit Arbeit verbunden, aber wer ein volles Haus haben möchte muss auch etwas dafür tun.

    • stef am 14.12.2012 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ...nachdenken...

      das tourismus büro unserer region kassiert je nach buchung mind. 10% des betrages. und ohne online portale kann ein haus kaum mehr überleben. ....und unsere branche ist mit sehr viel arbeit und einer hohen präsenzzeit verbunden.... denken sie doch noch einmal über ihren beitrag nach.... ein schönes wochenende....

    einklappen einklappen
  • jimmysmalia am 13.12.2012 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    hotel anrufen.

    Rufen sie mal das Hotel direkt. Die Parität an preisen wird bis zu 90% von allen Hotels gehalten. Das heisst online preise gelten auch direkt in Hotel. (Best Available Rate) ist momentan was laüft. Verlangen sie eine kleine Rabatt wenn sie direkt mit hotel buchen. Hotels sind froh wenn die mit ein Rabatt von 5% noch 10%-15% sparen können.

  • Der Hotelier am 12.12.2012 16:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach....

    Einfach Hotel anrufen, beste Rate fragen und handeln! Jedes Hotel mit freien Zimmern hat Spielraum. Beste Lösung: am Abend an die Rezeption und um den Preis handeln. Lieber kassiere ich 50% nebenbei am Abend als nichts.... Ps: die Portale machen einen guten Job und bis 20% ist akzeptabel. 10% - 15% wäre fair.

  • Dani am 12.12.2012 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    eigene Plattform?

    erinnert mich so stark an die Musikindustrie. Man hat selber verpasst eine Plattform auf die Beine zu stellen und kritisiert jetzt Plattformen welche aus dem Nichts aufgebaut wurden. Mich würde zudem interessieren was ein Hotel im Schnitt ausgibt für eine Neukunden-Gewinnung und ob diese Kosten wirklich tiefer sind als die Gebühren der Plattformen... ich denke NEIN. Und danach ist es am Hotel den Kunden zum "Wiederholungstäter" zu machen... dann sind wir wieder bei den alten Themen wie Gastfreundschaft, Service, Sauberkeit, Gastronomie, Spezialangebote für treue Kunden usw.

  • KuA am 12.12.2012 16:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Niemand wird gezwungen

    Ich bestelle nur über Platformen (2x im Monat). Wenn eine Platform den Hotels zu teuer ist, sollen sie ein eigenes effektives Marketing aufbauen. Ob das billiger ist, ist allerdings fraglich. Geld und Weggli geht eben nicht.