Steuerstreit mit Amerika

01. Februar 2012 10:45; Akt: 01.02.2012 21:38 Print

Welche Bank steht als nächste am US-Pranger?Welche Bank steht als nächste am US-Pranger?

von Sandro Spaeth - Wegelin ist von den USA bereits in die Knie gezwungen worden. Wen knöpfen sich die Amerikaner nun vor? Eine Kantonalbank? Damit würde der Steuerstreit erneut zur Staatsaffäre.

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Die älteste Privatbank der Schweiz wurde am 27. Januar 2012 zu Grabe getragen. In den Wochen zuvor hatte sich die Schlinge um den Hals der St. Galler Bank immer enger zugezogen. Die Teilhaber sahen sich gezwungen, den Grossteil der Kunden in die Notenstein-Bank zu transferieren, welche im Besitz von Raiffeisen ist. Die Bad-Bank» Wegelin wird nun die Auseinandersetzungen mit den US-Behörden führen. Im Visier der USA steht auch die Credit Suisse. Sie hat um Rechtstreitigkeiten mit unversteuerten Vermögen mit der USA zu regeln, im vergangenen November bereits 295 Millionen Franken auf die hohe Kante gelegt. Die CS kooperiert mit den USA: Im Sommer 2011 hat die Grossbank den Behörden die Namen von gut einem Dutzend Offshore-Bankern ausgehändigt. Sie sollen US-Bürgern Beihilfe zu Steuerdelikten geleistet haben. Für die USA ist es laut Beobachtern sinnvoll, eine Kantonalbank «anzugreifen». Das würde den Druck auf die Schweiz massiv erhöhen. «Noch wissen wir nicht einmal, was uns die USA konkret vorwerfen», sagt ZKB Sprecher Urs Ackermann. Die ZKB hat in den USA wohl nie aktiv nach Kunden gesucht. Trotzdem dürften Amerikaner, denen ihr Konto bei der UBS zu heiss geworden war, zu Kantonalbanken gewechselt haben. Noch gibt es keine Anklage gegen die Basler Kantonalbank. Angeblich soll ein Kronzeuge die US-Behörden aber mit Beweismaterial versorgt haben. Die Bank gibt sich in dieser Sache zugeknöpft und betont: Das US-Geschäft sei stets marginal gewesen und man habe keine gezielte Akquistion von US-Kundschaft betrieben. Unter Beschuss der USA steht auch Julius Bär: Im Oktober 2011 hatte ein Gericht in New York zwei Kundenberater wegen «Verschwörung» zur Steuerhinterziehung angeklagt. Sie sollen mehr als 600 Millionen US-Dollar von US-Steuerzahlern auf nicht deklarierten Konten versteckt haben. Trotzdem rechnen die «Bären» nicht mit einer existenzgefährdenden Entwicklung des Streits: Man habe genug Reserven für eine Busse und habe sich von den US-Kunden getrennt. Auch die Neue Zürcher Bank (NZB) soll US-Steuersündern beim Verstecken von Vermögen geholfen haben. Ihr Geschäft kann der Druck der USA nicht mehr gefährden. Die NZB - die mit der Bank Sarasin verbunden war - hat ihre Banklizenz im vergangenen Frühling abgegeben und befindet sich in Liquidation. Die NZB war im Zusammenhang mit verdeckten Beteiligung am Sulzer-Konzern ins Visier der Finma geraten. Im Steuerstreit mit den USA sind auch die Namen des Schweizer Ablegers der britischen Bank HSBC sowie jener der Schweizer Tochtergesellschaft der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) aufgetaucht. HSBC-Schweiz war in der Vergangenheit die Heimat vieler Steuersünder gewesen. 2009 hatte ein Mitarbeiter in Genf die Daten von 24 000 Kunden gestohlen. Unter den Banken im Visier der USA sind auch die Schweizer Ableger der traditionsreichen israelischen Banken Leumi, Hapoalim und Mizrahi. Sie gelten als äusserst diskret. Leumi ist in der Schweiz seit 1953 vertreten, Hapoalim - Israels grösste Bank - seit 1975. Als erste Schweizer Bank ist die UBS unter Druck der USA geraten. Mittlerweile hat sich die Schlinge um den Hals der Bank aber gelockert: Um das Finanzinstitut vor noch grösserem Unheil zu bewahren, hat der Bundesrat 2009 das Bankgeheimnis zurechtgebogen und in mehreren Tranchen rund 4000 Datensätze von Steuersündern an die USA geliefert. Zudem akzeptierte die Grossbank eine Busse von 780 Millionen Franken.

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Die Grossen werden geschützt – die Kleinen geopfert. In der Steueraffäre der UBS mit den USA hat die Schweiz noch Hand zu einer Lösung geboten. Die USA drohten der Grossbank 2009 mit Entzug der Banklizenz. Dies hätte die UBS in existenzielle Schwierigkeiten gebracht und den Schweizer Finanzplatz in einen Abwärtsstrudel gerissen. Also gab man den Amerikanern, was sie haben wollten: Daten über Steuersünder. Und eine Menge Geld. Die UBS akzeptierte eine Busse von 780 Millionen Dollar.

Seither ist es in Sachen Steuerstreit ruhiger geworden um die UBS. Im Fokus sind nun andere: Auf der Liste der US-Behörden stehen elf Schweizer Banken (siehe Bildstrecke). Vergangenen Freitag konnten die Amerikaner hinter den ersten Namen – die Bank Wegelin – ihr Häkchen setzen. Die älteste Schweizer Privatbank hat unter Druck der USA ihre Segel gestrichen. Die «ehrlichen Kunden» wurden in die neugegründete Notensteinbank überführt. Die US-Kunden verbleiben bei der «Bad Bank»-Wegelin.

Die Attacke gegen Wegelin hat laut Beobachtern aber nur symbolische Bedeutung. Für den Schweizer Finanzplatz ist sie ein kleiner Fisch, für die Amerikaner sowieso. Interessant sind für die USA die Kantonalbanken. Falls die Amerikaner den Druck auf den Staat Schweiz erhöhen wollen – auch um bei künftigen Verhandlungen bessere Karten zu haben – dürften sie gegen kantonale Institute vorgehen. Treffen dürfte es die Zürcher- und die Basler Kantonalbank, die bereits im Visier der USA sind. Hinter diesen beiden Banken stehen Schweizer Steuerzahler – darum dürfte der Bundesrat für sie letztlich die Kohlen aus dem Feuer holen – und im Notfall Daten ausliefern.

Bank Bär: Genug Reserve für Busse

Während in den USA drei Wegelin-Angestellte unter Anklage stehen, sind die beiden Kantonalbanken noch nicht direkt im US-Visier. «Noch wissen wir nicht einmal, was uns die USA konkret vorwerfen», sagte ZKB Sprecher Urs Ackermann gegenüber 20 Minuten Online. Ähnlich ist es im Fall der Basler. «Weder gegen die Bank selbst noch gegen einzelne Mitarbeitende ist bislang formell Anklage erhoben worden», sagt BKB-Sprecher Urs Buess. Das US-Geschäft sei stets marginal gewesen. Zudem will die Bank nie beim Verstecken von Schwarzgeld geholfen haben.

Kunden mit unversteuerten Vermögen angenommen hat die Bank Julius Bär. Im Frühjahr 2011 hatten sich die Zürcher mit einer Zahlung von 50 Millionen Euro von Ermittlungen der deutschen Steuerbehörden freigekauft. Mit den USA ist die Sache womöglich aber erst am Anfang. Im vergangenen Oktober wurden in New York zwei Bär-Kundenberater angeklagt. Trotzdem rechnen die «Bären» nicht mit einer existenzgefährdenden Entwicklung des Streits: Man habe genug Reserven für eine Busse und habe sich ferner von den US-Kunden getrennt, sagte Sprecher Jan Vonder Mühll.

Die Frage der Entschädigung

Die grösste Bank im Fokus der USA ist die Credit Suisse: Sie hat, um Rechtsstreitigkeiten mit unversteuerten Vermögen mit der USA zu regeln, im vergangenen November bereits 295 Millionen Franken auf die hohe Kante gelegt. Ob der Betrag allerdings hoch genug ist, ist eine andere Frage. Günstig wird ein allfälliger Ablasshandel für die grossen Player nicht. Dem Vernehmen nach sollen die USA zur Einigung im Steuerstreit von den elf Banken total 10 Milliarden Franken gefordert haben. Zudem sollen die Institute alle ihre Kundendaten seit dem Jahr 2000 offenlegen. Die USA wollen jeden einzelnen US-Steuersünder aufspüren. Und bestrafen.

Die Schweizer Banken haben sich vor Jahren schon mal günstiger von den US-Behörden freigekauft: So einigte man sich, den Streit um die nachrichtenlosen Vermögen nach einer Zahlung von 1,2 Milliarden Franken endgültig beizulegen.

Wie hoch die Ablasszahlung im Steuerstreit mit den USA auch immer ausfallen wird: Es gilt zu bedenken, dass andere Staaten auch auf eine ähnliche Lösung drängen könnten.


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  • Walter Aschwanden Zollikon am 03.02.2012 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    Bankgeheimnis in die Verfassung

    Wenn die Regierung in Bern Karakter zeigt hat keine Bank etwas zu befürchten! Die sollen doch die Schweiz auf Ihre schwarze Liste nehmen, eine bessere Werbung für die Schweiz und erst noch kostenlos könnte es gar nicht geben. ( Das wäre eine Idee, die ich jederzeit unterstützen könnte. )

  • David am 02.02.2012 08:42 Report Diesen Beitrag melden

    UBS und CS ruhig fallen lassen.

    Lasst die Banken ruhig hops gehen. Der freie Markt wird schon wieder neue Geldinstitute hervorbringen. Bezahlt vorher einfach noch die Guthaben der kleine, sparenden Leute aus.

  • Sascha Wintsch am 01.02.2012 23:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem der Wirtschaft sondern der Politik

    Jeder Schweizer der eine Bank anprangert soll sich selbst einmal überlegen wieso die Schweiz ein sehr reiches Land ist. Das Problem der Politik ist das sämtliche Verfassungsgesetzte über Verordnungen des Bundesrates umgehen werden können. Der Bundesrat selbst sitzt die Sache lieber Sprichwörtlich aus als er die Probleme angeht. Schätzungen sprechen von mehr als 300 Mrd. Fremdvermögen die in der Schweiz parkiert sind. Unser grösstes Druckmittel und wir geben klein bei.

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