Spielsucht

13. Dezember 2012 15:10; Akt: 13.12.2012 16:13 Print

Der einarmige Bandit lockt vor allem die Jungen

Spielsucht ist in der Schweiz ein heisses Thema. Gleich drei Studien kümmerten sich darum. Das Resultat: Jugendliche und Menschen aus dem Balkan sind besonders betroffen.

storybild

Vor allem Junge Menschen sind von der Spielsucht betroffen. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Jugendliche spielen fast doppelt so häufig wie Erwachsene. Beim Online-Spiel sind vor allem Männer gefährdet, und in Casinos werden Personen mit Migrationshintergrund besonders oft gesperrt. Dies sind die Ergebnisse dreier Studien, die im Rahmen eines interkantonalen Programms durchgeführt wurden.

Umfrage
Was tun gegen Spielsucht?
13 %
22 %
65 %
Insgesamt 458 Teilnehmer

Bisherige Untersuchungen haben unter anderem jugendliches Alter, Migrationshintergrund und das Online-Spiel als Risikofaktoren für Spielsucht identifiziert, wie die Stiftung Sucht Schweiz am Donnerstag mitteilte. Die drei Studien sollten Hinweise liefern, wie Präventionsmassnahmen für diese Risikogruppen ausgestaltet und verbreitet werden sollten.

Lotto und Toto

Jugendliche spielen fast doppelt so häufig wie Erwachsene, vor allem Lotterien und Totospiele, schreibt «Sucht Schweiz». Dies schliesst eine Forschungsgruppe der Uni Lausanne aus einer Befragung von 3272 Jugendlichen im Alter von 16 bis 17 Jahren an Gymnasien, Berufs- und Fachmittelschulen zu ihrem Spielverhalten.

Knapp ein Drittel der Teenager hatte in den letzten 12 Monaten an Geldspielen teilgenommen, während 5,6 Prozent als gefährdete oder problematische Spieler beurteilt wurden. Dies äussert sich darin, dass häufiger, länger und um immer mehr Geld gespielt wird und dass andere Aktivitäten und Verpflichtungen vernachlässigt werden.

Knaben spielen doppelt so häufig wie Mädchen, und besonders gefährdet sind männliche Lehrlinge und im Ausland geborene Jugendliche. Die Forscher empfehlen, zur Prävention auch die Eltern zu informieren. «Nur wenige Eltern betrachten das übermässige Spielen bei Jugendlichen als Risikoverhalten», schreiben sie im Schlussbericht - anders als etwa Substanzkonsum oder ungeschützten Sex.

Migration als Risikofaktor

Ein erhöhtes Risiko bei bestimmten Migrantengruppen fanden auch Forschende der Hochschule Luzern Soziale Arbeit. Sie hatten die Daten von 2497 gesperrten Spielern dreier Schweizer Casinos analysiert. Eine Spielsperre kann vom Casino auferlegt oder von Spielern freiwillig beantragt werden.

Personen aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawien waren am häufigsten vertreten (41,8 Prozent), gefolgt von Spielern aus der Türkei (16,1) und Italien (10,9). Dies ist laut den Forschenden deutlich mehr als ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung. Die meisten gesperrten Personen sind zwischen 26 und 45 Jahre alt und männlich.

Die Forschenden folgern, dass präventive Massnahmen für diese Bevölkerungsgruppen angezeigt wären. Der speziellen Lebenssituation von Migranten sei jedoch Rechnung zu tragen, da diese zu einer hohen Motivation für die vermeintliche rasche Geldvermehrung beitrage.

Das Internet als Spielhölle

Unter den Online-Glücksspielenden auf Swisslos.ch sind Männer mit 84 Prozent in der Überzahl, wie eine Studie des Forschungs- und Beratungsbüros INFRAS ergab. Vier Prozent zeigten riskantes und ein Prozent problematisches Spielverhalten, darunter am häufigsten die 18- bis 29-Jährigen. Die Forscher legen nahe, Präventionsangebote verstärkt im Internet zu platzieren, da diese Gruppe viel Zeit online verbringe.

Experten schätzen, dass in der Schweiz zwischen 80'000 und 120'000 Menschen auf problematische Weise Glücksspiele spielen - mit Folgen für die psychische und körperliche Gesundheit sowie die finanzielle und soziale Situation, heisst es im Communiqué.

Die drei Studien hat Sucht Schweiz im Rahmen des 2009 lancierten Interkantonalen Programms Glücksspielsuchtprävention Nordwest- und Innerschweiz in Auftrag gegeben. Sie wurden von den beteiligten Kantonen (AG, BE, BL, BS, LU, OW, NW, SO, UR, ZG) über die gesetzlich vorgesehene Spielsuchtpräventionsabgabe der Landeslotterien an die Kantone finanziert.

(sda)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter am 13.12.2012 17:02 Report Diesen Beitrag melden

    Spielsucht wird unterschätzt

    Es gibt sehr viele Verbote in der Schweiz die unsinnig sind, aber, dass man die Einarmigen Banditen und andere Geräte verboten hat war absolut richtig. Wenn man sieht wie sogar Rentner ihre Rente verzogen und viele Junge sich in den Ruin getrieben haben obwohl man nur Münzen reinwerfen kann. Spielsucht ist nicht zu unterschätzen.

  • Guschti am 14.12.2012 02:57 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt zum Glück immer 2 Gewinner!

    Der Eine kriegt immer das Geld, der andere gewinnt an Erfahrung! Sofern er's den merkt!

  • Erika am 14.12.2012 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sucht

    Also ich habe auch einmal miterlebt wie es aussieht wenn jemand die Spielsucht packt. Er konnte nicht mehr aufhören. Er hat gewonnen und gewonnen und alles wieder verloren und war am Boden zerstört. Total neben den Schuhen. Wir haben in den Ferien auch schon gespielt, aber immer nur für 100.- Fr. Spielsucht ist so schlimm wie jede andere Sucht auch. Die Leute brauchen Hilfe.ich kenne eine Frau die hat sich selbst sperren lassen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mila am 15.12.2012 03:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verbieten keine Lösung...

    Der Rausch auf schnelle Geld ist verlockend! Wir können die Leute nicht in Watte ein packen das sie von allem geschützt sind! Wir habe ein Kopf und leider wir der viel zuwenig gebraucht! Wir können auch nein sagen ohne das alles verboten wird! Rauchen und Alkohol wird ja auch nicht verboten und das ist viel schlimmer aber akzeptiert und gut geheißen! Wer Spielen will kann und wird immer einen weg zu spielen finden da sind die Casino 10% vom eigentliche. Problem!

  • Erika am 14.12.2012 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sucht

    Also ich habe auch einmal miterlebt wie es aussieht wenn jemand die Spielsucht packt. Er konnte nicht mehr aufhören. Er hat gewonnen und gewonnen und alles wieder verloren und war am Boden zerstört. Total neben den Schuhen. Wir haben in den Ferien auch schon gespielt, aber immer nur für 100.- Fr. Spielsucht ist so schlimm wie jede andere Sucht auch. Die Leute brauchen Hilfe.ich kenne eine Frau die hat sich selbst sperren lassen.

    • Mila am 15.12.2012 03:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Selbsthilfe!

      Das zeigt an Stärke! Jeder muss mit seinen Entscheidungen leben! Sucht ist Sucht egal ob's Spielsucht, Alkoholsucht, Drogensucht Zigarettensucht am Ende kann man nur denen helfen wo Hilfe wollen! Tut mir leid aber das ist die hässliche Wahrheit!

    einklappen einklappen
  • Reto Ganter am 14.12.2012 04:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tivolino

    Es gab mal eine firma tivolino. Dort gab es einen haufen geldspielautomaten. Ich habe jeweils meinen stiftenlohn plus gratti und was man sonst noch auftreiben konnte verzockt. Auch mit 17 schon. Wurden ja eh keine ausweise kontrolliert und sonst hatte ich ihn im auto vergessen. Als die automaten abgeschafft wurden, wurde irgendwie mein problem abgeschafft, schon komisch hä? Und wenn ich furze stikts........

  • Guschti am 14.12.2012 02:57 Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt zum Glück immer 2 Gewinner!

    Der Eine kriegt immer das Geld, der andere gewinnt an Erfahrung! Sofern er's den merkt!

  • Reisende am 13.12.2012 17:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SPIELEN. ? SUCHT. ?

    Solange man sein Spielverhalten kontrollieren kann, ist alles i.o. Nur das können Spielsüchtige eben nicht mehr. War letztes Jahr auf einer Kreuxfahrt, da gab es Menschen welche den ganzen Tag so lange wie das Kasino offen war (auf hoher See) am einarmigen Bandit und den übrigen Apparaten standen und ein heiden Geld verzockten.