CSS

22. Mai 2016 22:25; Akt: 24.05.2016 15:24 Print

Wer gesund lebt, soll weniger zahlen

CSS-Chefin Philomena Colatrella will Kunden, die sich gesund ernähren, mit Rabatten belohnen. Sie fordert zudem ein Vetorecht bei Medikamentenpreisen.

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Wer viel Sport treibt und sich gesund ernährt, ist aus Sicht der Krankenkassen ein Traumkunde. Der Krankenversicherer CSS hat deshalb letztes Jahr ein Produkt getestet, das Kunden einer Zusatzversicherung mit einem Rabatt von 12 Franken belohnt, wenn sie täglich 10'000 Schritte gehen. Längerfristiges Ziel: die Kosten bei den Prämien senken. Das Rabattmodell werde im Sommer nun definitiv eingeführt, so die neue CSS-Chefin Philomena Colatrella im Interview mit der «SonntagsZeitung».

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Die studierte Juristin erklärt: «Wir wollen das Angebot auf weitere Bewegungsarten wie Velofahren und Schwimmen ausweiten. Wir können uns auch vorstellen, ein Rabattangebot für Kunden einzuführen, die sich nachweislich gesund ernähren.» Wie genau eine Überprüfung der Ernährung der Kunden stattfinden würde, sagte Colatrella im Interview nicht. Da das Experiment mit dem Schrittezählen ein grosser Erfolg gewesen sei, gehe sie aber davon aus, dass dies auch beim Essen gut klappen würde.

Studie mit Universitäten

Für ihr Rabattexperiment beim Schrittezählen arbeitete die CSS mit der Universität St. Gallen und der ETH Zürich zusammen. Das Pilotprojekt wurde von der CSS selbst technisch implementiert. Dazu mussten die Kunden gegenüber den verschiedenen Herstellern der Fitnessarmbänder einwilligen, dass ihre Daten an die CSS übermittelt werden. Die Versicherung wertete die Daten schliesslich aus und erstellte in Kooperation mit den beteiligten Universitäten einen Bericht. Der Datenschutz sei dabei immer eingehalten worden, so eine Sprecherin.

Nicht nur zu Prämienrabatten, auch zu Medikamentenpreisen äusserte sich die neue CSS-Chefin. Die Krankenkassen müssen ihrer Ansicht nach für Medikamente bezahlen, die nicht mehr wirtschaftlich sind. Sie fordert den Bund daher auf, den Leistungskatalog mit neuen Tests und häufiger zu überprüfen. Heute schreibe das Gesetz zwar vor, dass Leistungen wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich sein müssten, um vergütet zu werden. «Aber eine wirkliche Überprüfung der Leistungen und der Preise findet heute nicht statt», sagte sie.

Wissenschaftliche Tests

Deshalb fordert Colatrella: «Wir wollen, dass in der Schweiz für alle Leistungen, die von der Grundversicherung bezahlt werden, wissenschaftliche Wirksamkeitstests durchgeführt werden.» Erste Schritte des Bundesrats begrüsse sie sehr. «Je mehr Zeit verstreicht, desto mehr Kosten werden uns belastet.» Zudem kritisiert sie, dass Pharma und Krankenversicherer heute bei den Medikamentenpreisen mit «ungleichen Spiessen» kämpften. «Pharmahersteller können Beschwerde einreichen, wenn sie mit der Preisgestaltung nicht einverstanden sind.» Die Versicherer hätten dagegen kein Vetorecht, wenn ein aus ihrer Sicht unwirtschaftliches Medikament in die Grundversicherung kommt.

Mit Material der Agentur SDA.

(kwo)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marko am 22.05.2016 22:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie bitte?

    Tolle Idee! Ich Lebe mein Leben wie ich möchte, und nicht wie es mir eine KK vorschreibt! Rechnet lieber mit euren Ärzten richtig ab, nicht das Geld dan bei uns einholen wollen.

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  • Mr. Knox am 22.05.2016 22:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja

    Ein Grund, nie zur CSS zu gehen...

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  • ST am 22.05.2016 23:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Shame

    Hier wird nur von Krankheiten infolge Rauchen, Trinken usw. geredet. Was ist mit den vielen Erkrankungen, für die man absolut nichts kann wie Rheuma, Immunkrankheiten, MS, Bluterkrankungen und und..? Was soll das? Jeder Kranke wäre liebend gerne gesund, niemand sucht sich eine Krankheit aus. Genau solche Ideen sind zutiefst unmenschlich, Schande!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fair und sachlich am 24.05.2016 00:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lösung ist relativ einfach

    Lösung: 1. Endlich die Tabaksteuer nucht mehr der AHV gutschreiben, sondern dort wo der Eauer wirklich kosten verursacht, nämlich im gesundheitswesen. zudem bezieht ein durschnittsraucher ja bekanntlich weniger AHV, da er gemäss Statistik 7 Jahre weniger lang lebt. 2. Wie in San Francisco auf Fastfood, wie bspw. Hamburger eine zusätzliche Steuer über 4.5% einführen. Schon wird die Krankenkasse wieder tragbar. Für die AHV ist eine andere faire Lösung zu finden, wie bspw. weniger oder keine AHV für sehr vermögende Pensionäre mit überdurchschnittlicher Pensionskasse. Differenz: MWST rauf.

  • Makler am 23.05.2016 22:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Provisionen als Kostentreiber

    Besser mal publizieren wievoele Millionen an Provisionen jedes Jahr an Makler und an Mitarbeiter geht, dann weiss die Bevölkerung endlich wohin das ganze Geld geht

  • Carmali am 23.05.2016 21:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Darum bin ich ich

    Also ich kannte eine...sie trieb viel Sport, rauchte nicht, ernährte sich gesund...und starb dann mit 48 an Krebs.:/ das perfekte Gesund gibt es nicht hab ich das Gefühl, leider...

  • Bertb am 23.05.2016 20:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wer entscheidet???

    wer gesund isst oder fit ist oder sport betreibt. nicht jeder sport ist gesund und es spielt auch eine rolle wie man ihn ausführt. beim essen gilt das selbe. so eine idee bringt nur mehr willkür und fehler für die versicherungen um sich vor zahlungen an den versicherten zu drücken oder rauszuzögern.

  • ist durchsichtig am 23.05.2016 20:01 Report Diesen Beitrag melden

    Profilneurose

    die Ideeen sind nur gut für den Medienhype ( Hallo ich bin die Chefin) die weiss genau das sie nur heisse luft produziert. Lass sie reden.