Kampf um Marktanteile

15. November 2017 17:51; Akt: 15.11.2017 17:52 Print

Wer vom Fast-Food-Trend profitiert – und wer nicht

Die Schweizer geben heute 50 Prozent mehr Geld fürs Essen ausser Haus aus als vor zehn Jahren. Beliebt sind Pizza oder Dürüm, aber auch Kantinen-Food.

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Die Schweizer verpflegen sich zunehmend ausser Haus. Innert zehn Jahren haben sich die Ausgaben fürs Essen unterwegs laut Gastro Suisse um die Hälfte gesteigert. Überdurchschnittlich stark ist die Zunahme bei der sogenannten Schnellverpflegung ausgefallen Besonders Imbiss-Stände und Take-Aways können von der Entwicklung profitieren, während klassische Fast-Food-Ketten wie McDonalds mit stagnierenden Umsätzen zu kämpfen haben. Dass der klassische Burger bei vielen nicht die erste Wahl ist, zeigt auch eine repräsentative Link-Umfrage: Pizza ist am beliebtesten, gefolgt von Dürüm oder Sandwiches. Eisgekühlte frische Säfte mit dem Coop-to-go-Logo in der neuen Filiale fotografiert anlässlich der Medienkonferenz zur Lancierung eines neuen Ladenkonzeptes für die schnelle Verpflegung am Stadelhofen Zürich am Dienstag, 18. August 2015. Immer mehr Menschen verpflegen sich unterwegs und nicht mehr zuhause oder im Restaurant. Dieser Entwicklung trägt Coop mit einem neuen Ladenkonzept für die schnelle Verpflegung Rechnung. Nun lanciert der Detailhändler mit dem Coop to go am Stadelhofen, der am 19. August eröffnet wird, den ersten Laden, der ausschliesslich Take-Away-Produkte führt. Das Angebot umfasst beispielsweise eine Müesli- und Salatbar und exklusive Take-Away-Produkte sowie hausgemachte Smoothies oder Kleinbrote. (KEYSTONE/Anthony Anex) Die Schweizer sind immer mobiler. 36,8 Kilometer legen sie pro Tag und Person zurück. Das spüren auch die Gastronomiebetriebe, die sich auf die Bedürfnisse der Pendler eingestellt haben: Die SBB etwa rechnet damit, dass der Convenience-Markt bis 2019 um acht Prozent wachsen wird. Fast ein Fünftel der Schweizer isst fünfmal in der Woche am Mittag auswärts. Davon profitieren auch die Kantinen: Sie konnten in den letzten Jahren ihren Umsatz steigern. Die SV Group, die schweizweit 314 Kantinen führt, verkaufte etwa 2016 22,6 Millionen Menüs – zwei Millionen mehr als 2014. Das vielfältige Angebot an Take-Aways und anderen Anbietern macht den Betreibern von Snack-Automaten wie etwa Selecta zu schaffen. «Auch beim Unterwegs-Essen steigen die Ansprüche», heisst es im Food-Report des GDI. Dies zeigen auch die Zahlen von Gastro Suisse: Allein zwischen 2015 und 2016 schrumpfte der Betrag, den die Schweizer pro Einkauf in einen Verpflegungsautomaten einwarfen, um 3,04 Franken auf 4,48 Franken. Die Anbieter reagieren ihrerseits mit bargeldlosen Bezahllösungen, recyclebaren Kaffeebechern oder gesunden Snacks.

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Am Morgen am Bahnhof ein Gipfeli zum Mitnehmen, am Mittag das Tagesmenü in der Kantine und am Abend noch einen Burger im McDonald's: Die Schweizer verpflegen sich zunehmend ausser Haus. Dafür gaben sie im letzten Jahr rund 15 Milliarden Franken aus. Vom wachsenden Markt will sich nun auch die Fast-Food-Kette KFC eine Scheibe abschneiden. Sie will im Dezember die erste Schweizer Filiale eröffnen.

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Welches Essen bevorzugen Sie ausser Haus?

Innert zehn Jahren haben sich die Ausgaben fürs Essen unterwegs laut Gastro Suisse um die Hälfte gesteigert. Überdurchschnittlich stark ist die Zunahme bei der sogenannten Schnellverpflegung ausgefallen: Die Ausgaben haben sich seit 2006 von 1,2 Milliarden auf 2,7 Milliarden Franken mehr als verdoppelt. Im Durchschnitt gaben Konsumenten bei der Schnellverpflegung pro Kauf 10,64 Franken aus. 20 Minuten zeigt, welche Anbieter vom Trend profitieren konnten – und welche nicht.

• Fast Food: Pizza ist Trumpf
Durch den Schnellverpflegungs-Boom konnten besonders Imbiss-Stände und Take-Aways ihre Marktanteile ausbauen, während klassische Fast-Food-Ketten wie McDonald’s mit stagnierenden Umsätzen zu kämpfen haben. Zwischen 2014 und 2015 erlitt etwa McDonalds einen Umsatzeinbruch von 33 Millionen Franken, was die Kette im letzten Jahr wieder etwas wettmachen konnte. Dass der klassische Burger bei vielen nicht die erste Wahl ist, zeigt auch eine repräsentative Link-Umfrage: Pizza ist am beliebtesten, gefolgt von Dürüm oder Sandwiches.

Gerade junge Konsumenten besuchen aber noch die klassischen Fast-Food-Läden: Laut einer Befragung von Marketagent essen 37 Prozent der 14- bis 29-Jährigen einmal pro Monat oder häufiger bei McDonalds, 28 Prozent sind es bei Burger King. Bei den über 50-Jährigen sind es nur 15 Prozent, die einmal im Monat zu McDonalds gehen.

• Bahnhofsverpflegung: Starkes Wachstum erwartet
Die Schweizer sind immer mobiler. 36,8 Kilometer legen sie pro Tag und Person zurück. Das sind 1,5 Kilometer mehr als noch vor zehn Jahren. Das spüren auch die Gastronomiebetriebe, die sich auf die Bedürfnisse der Pendler eingestellt haben: Die SBB etwa rechnet damit, dass der Convenience-Markt bis 2019 um acht Prozent wachsen wird.

Bereits heute sind 57 Prozent der Produkte, die an den Bahnhöfen angeboten werden, für den Sofortverzehr konzipiert. Laut einer Studie des Büros Fuhrer & Hotz werden Shops wie etwa Coop to go an den Bahnhöfen bis 2019 ihren Umsatz um ganze 27 Prozent steigern können. Im Food-Report des Gottlieb-Duttweiler-Instituts (GDI) heisst es: «Viele Reisende sind schon lange nicht mehr zufrieden mit dem klassischen Fast-Food-Angebot und verlangen nach frischen, gesunden und doch praktischen Esslösungen.»

• Kantinen: Günstiges Essen sorgt für mehr Umsatz
Fast ein Fünftel der Schweizer isst fünfmal in der Woche am Mittag auswärts. Davon profitieren auch die Kantinen: Sie konnten in den letzten Jahren ihren Umsatz steigern. Die SV Group, die schweizweit 314 Kantinen führt, verkaufte etwa 2016 22,6 Millionen Menüs – zwei Millionen mehr als 2014.

Laut Gastro Suisse liegt dies auch daran, dass das Essen vergleichsweise günstig ist. Durchschnittlich gaben Kantinen-Esser 6,89 Franken pro Mahlzeit aus. Laut der GDI-Studie könnte dies in Zukunft aber nicht mehr reichen: Denkbar sei etwa, dass die Kantinen auch Abendessen, das die Angestellten nach Hause nehmen könnten, anbieten.

• Snack-Automaten: Drastischer Einbruch
Das vielfältige Angebot an Take-Aways und anderen Anbietern macht den Betreibern von Snack-Automaten wie etwa Selecta zu schaffen. «Auch beim Unterwegs-Essen steigen die Ansprüche», heisst es im Food-Report des GDI. Dies zeigen auch die Zahlen von Gastro Suisse: Allein zwischen 2015 und 2016 schrumpfte der Betrag, den die Schweizer pro Einkauf in einen Verpflegungsautomaten einwarfen, um 3,04 Franken auf 4,48 Franken. Die Anbieter reagieren ihrerseits mit bargeldlosen Bezahllösungen, recyclebaren Kaffeebechern oder gesunden Snacks.

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Laura am 15.11.2017 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu teuer

    Die Produkte im Selecta sind einfach zu teuer. Das Redbull war jetzt jahrelang für 4.- erhältlich, nun haben sie es geschafft auf 3.50 zu senken. Im Coop bezahl ich 1.70 und im Pronto bis Mitternacht 2.50. wieso sollte ich es beim selectaautomat holen?

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  • Sam am 15.11.2017 18:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fast-Food

    Wenn ich schon auswärts essen gehe, dann gediegen und sicher nicht Fast-Food Mist!

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  • D.T. am 15.11.2017 17:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gegenteil

    Ausser Haus? Da schwimm ich wohl gegen den Strom

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Am besten isst man da - am 16.11.2017 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    wo man wie Zuhause isst

    Lang lang ists her. In unserem Lieblingsrestaurant am Eschnerberg/FL bei unserem STARkoch Helmut waren wir auch mit unseren Kindern gern gesehene Gäste. Den Spruch auf einer Wandtafel vergessen wir nie: Am besten isst man da - wo man wie Zuhause isst! und das war bei Helmut und Willy immer ein Festmahl. Danke, Ihr seid unvergessen!

  • Bruce am 16.11.2017 06:20 Report Diesen Beitrag melden

    Auswärts Essen ?

    Ich habe überhaupt keinen schlecht bezahlten Job. Aber wir können gar nicht mehr als einmal im Monat auswärts essen gehen, das ist doch hier in der Schweiz viel zu teuer.

  • M.G. am 16.11.2017 04:12 Report Diesen Beitrag melden

    Kochsendung in Berlin

    Dort stellten sich Profiköche dem Lieferservice für Essen aller Art: Die Familie entschied nach Katalog, der Koch ging dann auf dem Markt einkaufen. Wieder bei der Familie wurde das Essen bestellt und der Koch begann das gleiche Essen in ihrer Küche zuzubereiten. Meistens war der Koch fertig wenn das Essen geliefert wurde. Bei der Blindverkostung schmeckte das vom Profi zubereitete Essen immer besser als das angelieferte und der Marktpreis war etwa gleich dem des Lieferservice. Die meisten Familien bestellten beim Lieferservice weil keiner von ihnen kochen konnte.

  • Ein Sparer am 16.11.2017 03:13 Report Diesen Beitrag melden

    Da ich stets sparen muss...

    esse ich das gleiche Menü immer 2 mal!

    • Mama Leone am 16.11.2017 20:20 Report Diesen Beitrag melden

      Sparen macht Freude

      Sie wissen was Sache ist und sind der Nachhaltigkeit verPflichtet. Nicht mehr alle wissen das, dafür likes! Vieles wird angebissen, auch fast food, schmeckt nicht, weg damit, auf due grüne Wiese? Und unsere braven Mannen von der Stadt oder Gemeinde müssen es entsorgen weil der Hunger eben doch nicht so gross war.

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  • Foodporn am 16.11.2017 00:36 Report Diesen Beitrag melden

    Was bedeutet Fast Food?

    Pizza ist kein Fast Food im Sinn wie dieses Wort verstanden wird und Kebap auch nicht. Da dreht der Spiess ziemlich lange, bevor man eine Schicht runterschaben kann. Spanferkel wird auch nicht als Fast Food bezeichnet, denn wenn das Schwein mal durch ist, kann man jedem Vorbeigehenden in Sekundenschnelle eine Portion runterschneiden. Fast Food sind vorgefertigte Produkte, welche dann innert Rekordzeit zu einem Hamburger oder was aehnlichem zusammengebaut werden. Ein richtiger Hamburger braucht auch seine Zeit und kann nicht innerhalb von Minuten serviert werden.