Wirtschaftswachstum 2018

20. Dezember 2017 07:55; Akt: 20.12.2017 07:55 Print

Bringt der erwartete Boom auch höhere Löhne?

von R. Knecht/I. Strassheim - Die Schweizer Wirtschaft dürfte nächstes Jahr auf Hochtouren laufen. Eigentlich müsste dies auch die Löhne deutlich steigen lassen.

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Die Ökonomen des Bundes sind euphorisch: Die Schweizer Wirtschaft sollte 2018 wieder in eine Boomphase kommen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) erhöhte fürs kommende Jahr seine Wachstumsprognose auf 2,3 Prozent von bislang 2,0 Prozent. Der Grund: Der weltweite Aufschwung und der schwächere Franken dürften die Schweizer Exportindustrie und den Tourismus beflügeln. Zieht die Wirtschaft deutlich an, müssten auch die Löhne wieder stärker steigen. Allerdings nicht automatisch.

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Für 2018 ist die Lohnrunde fast abgeschlossen. Die Lohnerhöhungen liegen laut Arbeitnehmer-Verband Travail Suisse zwischen 0,5 und 1,0 Prozent. Unter dem Strich bleibt jedoch trotz Wirtschaftsboom oft viel weniger im Portemonnaie. Krankenkasse oder die Teuerung fressen die Lohnerhöhung fast weg. Einem Single im Kanton Solothurn mit einem derzeitigen Monatslohn von 6000 Franken und einer nominalen Erhöhung von 0,7 Prozent bleibt nach Abzug der laufenden Kosten ein Plus von 0.14 Prozent (siehe Tabelle).

«Schluss mit extremen Managerlöhnen»

Beim Aufschwung vor der Finanzkrise 2007 hatten vor allem Topmanager von massiv steigenden Millionenlöhnen profitiert. «Solche Exzesse darf es nicht mehr geben», sagt Daniel Lampart zu 20 Minuten. Der Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) ist für breite Lohnerhöhungen: «Wenn Firmen mehr Ertrag machen, muss das auch bei den Arbeitern und Angestellten ankommen.» Lampart fordert für das kommende Jahr wieder deutlich steigende Löhne.

Entscheidend ist für Lampart aber auch der Rückgang der Arbeitslosenquote und Unterbeschäftigung. «Es liegt auf der Hand, dass die Firmen nun auch mehr Jobs schaffen müssen.»

Der Aufschwung muss allerdings nicht unbedingt beschäftigungsintensiv sein. Firmen könnten auch ihre Produktivität erhöhen, ohne mehr Leute einzustellen. Dann verharrt die Arbeitslosenquote über 3 Prozent und die Zahl der Unterbeschäftigten – Teilzeitjobber, die ein höheres Pensum suchen – bleibt hoch. Das bedeutet auch: Über den Arbeitsmarkt entsteht so kein Druck auf die Löhne.

Nicht mehr Lohn, sondern mehr Jobs?

Auch durch mehr Beschäftigung haben die Angestellten am Wirtschaftswachstum teil. «Dann nicht über Lohnerhöhungen, sondern über die steigende Jobzahl», sagt der Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin, Karsten Junius.

Die Arbeitslosenquote lag in der Schweiz im November zwar bei 3,1 Prozent. Die Zahl der Aussteuerungen, also derjenigen, die zwar arbeitslos sind, aber in der Statistik nicht mehr auftauchen, dürfte dieses Jahr einen neuen Rekord erreichen. Sie lag per Ende November mit 30'467 schon über 2016, als der höchste Stand seit zehn Jahren verzeichnet worden war.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Do Me am 20.12.2017 08:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gegen höhere Löhne

    Wir brauchen nicht noch höhere Löhne, sondern deutlich tiefere Lebensunterhaltskosten. Dann bleibt uns unter dem Strich auch mehr Geld. Höhere Löhne führt nur dazu, dass noch mehr Grenzgänger in der Schweiz Arbeit suchen. Ich wäre zB sofort bereit für 1000.- weniger pro Monat zu arbeiten, wenn meine monatlichen Fixkosten auch um min. 1000.- sinken würden.

  • Realist am 20.12.2017 08:01 Report Diesen Beitrag melden

    Höhere Löhne? Ja....

    Jedoch nicht für den Arbeiter sonden Für die obern Cheffs und die möchtegern Wirtschaftsoptimierer....

  • Marco am 20.12.2017 08:01 Report Diesen Beitrag melden

    Klar doch

    Klar bringt das höhere Löhne aber nur für Manager und Aktionäre der Rest geht leer aus.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Carla am 21.12.2017 10:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naturgesetz

    Ein Arbeiter arbeitet, ein Chef scheffelt.

  • G. Meier am 21.12.2017 10:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Allgemeinheit zahlt

    Was bei diesen Kommentaren völlig fehlt, ist die Tatsache, dass die meisten Ärzte und Apotheker von Jahr zu Jahr kräftig mehr verdienen.

  • 'Marites Kälin am 21.12.2017 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Grund

    Warum immer nur die Chefetagen echte Lohnerhöhung bekommen, liegt daran, dass nur die richtig und fleissig arbeiten. Alle andern sind einfach nicht gut genug.

  • Dieog am 21.12.2017 06:47 Report Diesen Beitrag melden

    Doe Arbeitslosenstatistik

    grenzt an Betrug.Nir bei uns in det Gemeinde sind die CH Sozialfälle um 5% gestiegen. Aber es geht ja allen super....

  • Der Arbeiter am 20.12.2017 23:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nettolohn 6000.-???

    Gutes Beispiel mit den 6000 netto Lohn. Nimmt mich schon Wunder wer hier alles auch soviel verdient. In unserer Branche (Elektronik) mir Bachelor-Abschluss, kannst froh sein wenn du +-5000 netto bekommst. Das mit 20 Jahren Berufserfahrung.

    • Roland Wegrich am 21.12.2017 10:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Der Arbeiter

      Nur 17.- Krankenkassenerhöhung? Da kann doch was nicht stimmen. Meine KK-Prämie stieg um 64.-

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