Lohnbuch 2017

14. März 2017 05:42; Akt: 14.03.2017 05:42 Print

Werden Handwerker bei den Löhnen abgestraft?

Das Thema Lohn sorgt bei den 20-Minuten-Lesern für kontroverse Diskussionen. Fachleute nehmen Stellung zu strittigen Behauptungen.

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: Der Mindestlohn für Automechaniker in der Schweiz beträgt laut GAV 4450 Franken. Sie verdienen laut dem Lohnbuch 7436 Franken, ihr Lohn stagniert. Berufsoffiziere der Armee verdienen 8142 Franken. Voraussetzung ist ein Bachelor-Abschluss. : Ab dem 6. Berufsjahr verdienen Bierbrauer laut GAV mit dem Brauereiverband 4771 Franken pro Monat. (Lohnbuch 2015) Das Salär für einen Chefarzt beträgt laut Lohnbuch 12'824 Franken, ihr Lohn stagniert. Die Mediziner kommen wie viele andere auch in den Genuss von 13 Monatslöhnen. Laut GAV für das Coiffeurgewerbe sollen Coiffeure mindestens 3800 Franken verdienen. Sie verdienen als Missionschef 13'474 Franken pro Monat. Im Bild Ex-Botschafter Tim Guldimann. : Ein Elektromonteur verdient laut GAV ab dem 2. Berufsjahr mindestens 4650 Franken pro Monat. In diesem Beruf verdient man ab dem 2. Berufsjahr 4000 Franken im Monat. Laut dem Lohnbuch verdienen Flugverkehrsleiter ab dem 15. Lizenzjahr 13'106 Franken. Sie verdienen laut dem Lohnbuch mindestens 6296 Franken. : Mitarbeiter mit Berufslehre erhalten laut GAV 4108 Franken (Lohnbuch 2015) : Ein Journalist verdient nach Lohnempfehlung ab dem 3. Berufsjahr 6440 Franken. Auf dem Bild die Redaktion des «Landboten» in Winterthur (Archivbild). : Köche verdienen 4120 Franken ab dem 1. Berufsjahr. : Lastwagenchauffeure verdienen 4500 Franken laut Astag-Vereinbarung. Lehrerinnen und Lehrer für die 1. bis 3. Klasse verdienen im Kanton Zürich laut dem Lohnbuch mindestens 6981 Franken. Ein Pensum beinhaltet 29 Wochenlektionen. Ein Captain verdient bei der Swiss auf der Langstrecke mindestens 8898 Franken. Eine Pfarrerin verdient laut dem jüngsten Lohnbuch 9084 Franken. Ihr Lohn stagniert. : Ein Polizeigefreiter verdient 5512 Franken pro Monat (Mindestansatz ab Beförderung zum Gefreiten). Die Mindestlohnempfehlung für Sozialarbeiter beträgt für Führer eines dreiköpfigen Teams 7285 Franken. (Lohnbuch 2015) Die Mindestlohnempfehlung für Tierpfleger mit fünfjähriger Erfahrung liegt bei 4000 Franken. (Lohnbuch 2015) : Detailhandelsangestellte verdienen bei Coop und Migros ungefähr 4000 Franken im Monat.

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Im fünften Jahr in Folge steigen die Saläre kaum. Dies zeigt das Lohnbuch 2017, das vom Zürcher Amt für Wirtschaft und Arbeit herausgegeben wird, und die orts- sowie branchenüblichen Löhne von gut 9000 Berufen umfasst. Über 1700 Online-Kommentare gingen dazu ein. 20 Minuten hat Experten mit einigen der beliebtesten Voten konfrontiert und in Studien nachgeschlagen.

Behauptung 1:

Stefan Giger, Generalsekretär der Gewerkschaft VPOD, ist mit dieser Aussage nicht einverstanden: «Es trifft nicht zu, dass im öffentlichen Bereich insgesamt höhere Löhne bezahlt würden. Kader werden in der Privatwirtschaft sehr oft wesentlich besser entlöhnt. Im mittleren Lohnbereich sind die Gehälter absolut vergleichbar mit jenen der Privatwirtschaft. In tiefer eingereihten Funktionen wirkt, dass es im staatlichen Bereich an vielen Orten gelungen ist, griffige Mindestlohnvorgaben umzusetzen. So kennen verschiedene öffentliche Arbeitgeber einen Mindestlohn von 4000 Franken brutto. Das ist richtig so: Der Staat wird über Steuern finanziert, und er soll Löhne bezahlen, von denen man leben kann.»

Behauptung 2:

Gemäss der Haushaltsbudget-Erhebung des Bundesamts für Statistik gibt ein durchschnittlicher Schweizer Haushalt rund 27 Prozent des monatlichen Einkommens für Steuern, Krankenkassen und Beiträge für die Sozialversicherungen wie die Pensionskasse aus. Diese obligatorischen Ausgaben sind zwischen 2006 und 2014 nur wenig gestiegen. Der Anteil erhöhte sich in diesen Jahren von 26,7 Prozent auf 27,3 Prozent.

Behauptung 3:

Dieter Kläy leitet die Ressorts Mobilität und Wirtschaftsrecht sowie Arbeitsmarkt beim Schweizerischen Gewerbeverband. Er sagt dazu: «Das ist eine Pauschalisierung. Handwerker haben nicht per se schlechte Löhne. Grundsätzlich gilt: Ein guter Handwerker, der Qualität liefert, hat auch ein gutes Gehalt. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen einzelnen Branchen oder Regionen, doch KMU im Allgemeinen und insbesondere das Gewerbe bezahlen gute Löhne.»

Behauptung 4:

«Es gibt inzwischen zahlreiche empirische Untersuchungen hierzulande, die darauf hinweisen, dass die Personenfreizügigkeit die Arbeitsmarktchancen der ansässigen, vor allem Schweizer Arbeitskräfte im Allgemeinen nicht negativ beeinflusst hat. Weder leiden die Löhne darunter noch werden ansässige Erwerbspersonen vom Arbeitsmarkt verdrängt», so George Sheldon, Professor für Arbeitsmarkt- und Industrieökonomie an der Uni Basel.

Pfarrerslohn:

Nicolas Mori, Sprecher der Reformierten Kirche des Kantons Zürich, erklärt: «Pfarrerinnen und Pfarrer verdienen etwa gleich viel wie Mittelschullehrerinnen und -lehrer. Das ist angemessen, absolvieren sie doch ein universitäres Studium. Sie tragen im Umgang mit Menschen eine grosse Verantwortung, müssen in unterschiedlichsten Themenfeldern kompetent sein und vielfältigsten Ansprüchen gerecht werden sowie Auflagen erfüllen wie beispielsweise die Wohnsitzpflicht in der Kirchgemeinde. Schliesslich kennen sie keine geregelte Arbeitszeit, was eine hohe Wochenarbeitszeit bedeutet.»

(lin)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Al Bundy am 14.03.2017 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    soso

    Ein Polizist muss zuerst eine Lehre machen dann ein Eignungstest und dann die Polizeischule...ist zwar akademisch vielleicht nicht so hochstehend wie eine Ausbildung als Primarschullehrer aber genaus so zeitaufwendig,verantwortungsvoll und auf jeden Fall gefährlicher!

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  • StanX am 14.03.2017 06:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jede Behauptung ist widerlegbar

    Die Behauptungen sind praktisch alle völlig gerechtfertigt. Dass es gegenteilige Meinungen von profitierenden Gewerkschaften und nicht betroffenen Professoren gibt, erstaunt nicht. An den Tatsachen ändert dies trotzdem nichts.

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  • rocky53 am 14.03.2017 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so ist es

    die was wirklich leisten sind immer die dummen,zahlen mit ihren steuern die sesselhocker und plauderis.zb.ein bäcker sollte besser bezahlt sein als einer der im büro rückenschmerzen bekommt, jeder der produktiv arbeitet ist im vergleich zu dem wo grosse reden schwingt wie es gehen muss unterbezahlt. der spruch der chef hat verantwortung ist schon lange überfällig ausser er packt selber an.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • PS:L am 15.03.2017 10:17 Report Diesen Beitrag melden

    Kirche -> riesen Abzocke

    Und die Firma in der ich arbeite bezahlt Kirchensteuer, damit diese auch ja kirchlich heiraten kann und auch eine Beerdigung bekommt? Dafür habe ich gar kein Verständnis, dies hat weder mit Religionsfreiheit noch mit Gerechtigkeit zu tun!

  • S4Mike am 15.03.2017 06:05 Report Diesen Beitrag melden

    Personenfreizügigkeit

    Warum sind denn die Löhne im Baselbiet tiefer als in Bern, Zug, Luzern usw.?? Ich denke schon weil man einfach billigere Leute aus dem nahen Ausland arbeiten lässt.

  • Kuno am 14.03.2017 20:01 Report Diesen Beitrag melden

    Wie kann das sein dürfen?

    Wie konnte es soweit kommen, dass der Wert einer Arbeit soweit pervertiert wurde, dass z.B. die Arbeit eines Gärtners weniger Wert zu sein scheint als diejenige eines 'Bankers', indem der Gärtner dafür um ein x-faches weniger entlohnt wird? Wie kann es dazu sein, dass oft eine Vollzeitbeschäftigung - eine 100%-Arbeitsstelle - nicht mehr ausreicht, um den Lebensunterhalt - eine Familie - zu ernähren?

    • Zekjiri Fadilj am 15.03.2017 14:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kuno

      fragst mal alle politiker die können dir dass sagen oder soll ich lieber sagen den lobbysten???

    • Peter am 15.03.2017 15:42 Report Diesen Beitrag melden

      @Kuno

      Das kam nicht soweit, Angebot und Nachfrage haben schon im tiefsten Mittelalter die Entlöhnung bestimmt. Nix neues also!

    • Kevin am 15.03.2017 16:45 Report Diesen Beitrag melden

      @Z.F.

      Ich frag den billig Arbeiter aus der dem nahen Osten... falls er meine Sprache versteht.

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  • Arbeitswelt am 14.03.2017 18:50 Report Diesen Beitrag melden

    Keiner ohne den andern

    In der Arbeitswelt herrscht eine Symbiose. Keiner kann ohne den andern. Was macht der Chef ohne Arbeiter? Der Arzt ohne Patienten? Etc. Anstatt sich gegenseitig zu bekriegen sotte es wieder mehr ein miteinander geben.

  • Folksmann am 14.03.2017 18:32 Report Diesen Beitrag melden

    Immer auf die Kleinen...

    Liebe «allwissenden und blinden» Mitbürger, ist die Personenfreizügigkeit schuld oder Politiker + Verwaltungsräte? Vielleicht sollte man besser und nachhaltiger «Recherche» betreiben «wer-wann-wo-wie» sich an den Änderungen der Lohnstrukturen und den GAVs in der Schweiz beteiligt hat. Könnte ja sein das dies weit vor der Personenfreizügigkeit geschah?! Wer profitiert am meisten davon?!

    • Superbad am 15.03.2017 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Folksmann

      Mein job wird gerade schleichend an einen 500fr pro monat günstigeren österreicher vergeben. Selbsterklärend

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