Kritik am Datenschutz

20. Februar 2014 11:41; Akt: 20.02.2014 14:26 Print

WhatsApp-Deal nützt Schweizer Konkurrenz

von L. Frommberg - Facebook kauft WhatsApp. Und Kritiker sorgen sich umso mehr um die Datensicherheit. Drei Schweizer WhatsApp-Alternativen profitieren davon: Ihre Download-Zahlen steigen massiv.

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Nicht nur in der Schweiz, auch in Deutschland, England oder Hongkong ist WhatsApp die klare Nummer eins. In der Vergangenheit fiel die Messaging-App aber auch durch mangelnde Sicherheit auf. Das soll sich mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nun ändern. Alternativen zu WhatsApp gibt es viele. Aus der Schweiz kommt . Die App ermöglicht dank End-to-End-Verschlüsselung eine abhörsichere Kommunikation. Die Swisscom-App ist gratis und verfügbar für iOS und Android. Mit iO kann man mit anderen iO-Nutzern über das Internet gratis telefonieren, chatten oder Bilder austauschen. Funktioniert auf der ganzen Welt. Die Swisscom garantiert, dass die Benutzerdaten in der Schweiz gelagert werden. : Sofortnachrichten-Dienst mit integrierter Video- und Call-Funktion. Gratis verfügbar für Android und iOS. Setzt einen Google+-Account voraus. Server weltweit, auch in den USA. Google setzt nach eigenen Aussagen alles daran, für den Schutz und die Sicherheit der Daten zu sorgen. gehört zur Grundausrüstung aller Blackberry-Geräte. Für iOS und Android verfügbar und gratis. Eine Chat-Verbindung wird über das geschlossene Blackberry-Netzwerk (Hauptquartier in Kanada) aufgebaut, auf das dritte Hersteller keinen Zugriff haben. ist wie Sykpe eine App für Internettelefonie, mit der auch Textnachrichten verschickt werden können. Viber ist kostenlos. Datenschutzrechtlich ist die Software aber laut Golem.de bedenklich. Messenger ist verfügbar für Android, iOS, Blackberry, Nokia Series 40 und Windows Phone. Die App ist gratis. Zusätzlich zum Senden von Text- und Sprachnachrichten kann man Foto- und Videodateien austauschen sowie Youtube-Videos und selbstgezeichnete Bilder, sogenannte Sketches, teilen. Auch Myenigma setzt auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und wirbt mit den sicheren Schweizer Servern. Das deutsche Techportal Golem.de hat die wichtigsten WhatsApp-Alternativen aufgespürt: Der grosse Rivale mit rund 250 Millionen Usern heisst . Skype gibt es seit zwölf Jahren, ist für fast alle Betriebssysteme verfügbar und kostenlos. Nebst einfachen Textnachrichten sind Anrufe mit und ohne Videofunktion möglich. Einer für fast alle: Wer einen Multi-Messenger sucht, mit dem man andere Messenger-Dienste zusammenführen kann, sollte sich genauer anschauen. Den praktischen Kurznachrichtendienst gibt es für PC, Mac, Android, iOS und Blackberry. Einer der grössten Konkurrenten von WhatsApp ist der Samsung-eigene Instant Messenger . Der Messenger läuft auf allen Smartphones und Tablets, die Android, iOS, Blackberry und Bada nutzen. Facebook mischelte auch vor der WhatsApp-Übernahme im Messenger-Geschäft mit. Nebst der Chat-Funktion lässt sich mit dem sehen, wo sich die Freunde gerade aufhalten - sofern die Kontakte die Ortungsfunktion aktiviert haben. Die App ist für Android und iOS erschienen. Vor der WhatsApp-Ära: hiess ursprünglich Pingchat. Mit dem Messenger für Android, Blackberry und iOS können wie bei WhatsApp Textnachrichten sowie Audio- und Video-Botschaften verschickt werden. kommt ursprünglich aus Japan, hat sich inzwischen aber auch bei uns eine grosse Anhängerschaft erobert. Laut eigenen Angaben nutzen weltweit 73 Millionen Smartphone-Nutzer den Messenger, den es für Android, iOS und Windows Phone gibt.

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19 Milliarden Dollar zahlt Facebook für den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Und bei den Nutzern schrillen die Alarmglocken. Schon lange steht WhatsApp in der Kritik, es mit dem Datenschutz nicht so genau zu nehmen. Sämtliche Nachrichten, die über den Dienst verschickt werden, speichert WhatsApp auf seinen Servern – unverschlüsselt. Der Zusammenschluss mit Facebook lässt bei vielen Nutzern nun die Angst vor der Datenkrake neu aufleben.

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Davon profitieren Threema und MyEnigma. Beide sind Kurznachrichten-Apps mit einem ähnlichen Konzept wie WhatsApp, beide werben damit, deutlich sicherer zu sein als der US-Konkurrent – und beide sitzen in Zürich. «Die News über WhatsApp widerspiegeln sich schon recht deutlich in den Download-Zahlen», so Marlene Frey, Sprecherin von MyEnigma-Entwickler Qnective, zu 20 Minuten. Es seien rund zehnmal mehr Downloads als üblich zu verzeichnen. Weitere Nutzerzahlen gibt sie nicht bekannt.

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Der Dienst setzt auf die sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. «Wir können deine Nachrichten weder lesen noch entschlüsseln», werben die Entwickler der App auf ihrer Website. Denn auf dem Handy des Senders wird die Nachricht ver- und erst auf dem Gerät des Empfängers wieder entschlüsselt. Ausserdem nutze man im Gegensatz zu WhatsApp ausschliesslich die Daten der Nutzer, die auch registriert sind. WhatsApp verschafft sich Zugang auf sämtliche Adressbuchdaten, ganz egal, ob es sich um User handelt oder nicht.

Der Sitz in Zürich ist offenbar ein Pluspunkt für die Apps. «Wir haben in der Schweiz ein starkes Datenschutzgesetz und sind auch von Gesetzes wegen nicht dazu verpflichtet, Benutzerdaten automatisch herauszugeben», so Frey.
Ausserdem habe man in der Schweiz noch den Vorteil – etwa gegenüber Deutschland –, dass man nicht dazu verpflichtet sei, die Metadaten eine bestimmte Zeit aufzubewahren. «Wir löschen diese regelmässig.» MyEnigma ist für iPhone, Android und Blackberry gratis verfügbar.

Bisher vor allem in Deutschland beliebt

Schon wesentlich bekannter als MyEnigma – und kostenpflichtig – ist Threema, ebenfalls eine App made in Switzerland. Es gibt bei Threema zwei Verschlüsselungsschichten: die Ende-zu-Ende-Schicht und eine weitere Verschlüsselungsschicht, die vor dem Abhören der Verbindung zwischen App und Server schützen soll. Letztere sei nötig, um sicherzustellen, dass ein Angreifer nicht herausfinden könne, wer sich einlogge und wer wem eine Nachricht schicke, erklärt Threema. «Seit heute Morgen haben wir 55'000 neu erstellte Konten zu verzeichnen», so Martin Blatter, Android-Entwickler der App, zu 20 Minuten. «Extrapoliert auf einen ganzen Tag wären das ca. 15-mal mehr neue Benutzer als an den Vortagen.»

Threema hatte bisher vor allem in Deutschland Erfolg. Rund 120'000 Nutzer zählt dort die App bisher. Der Grund: «Dort sind die Menschen kritischer dem Staat gegenüber als in der Schweiz» sagt App-Erfinder Manuel Kasper gegenüber der «Handelszeitung». «Die Deutschen sind in Sachen möglicher Überwachung auch einiges vorsichtiger.»

Kein 100-prozentiger Schutz

Auch die Swisscom bietet eine Alternative zu WhatsApp und auch dort bemerkt man: «Die Downloads liegen heute mehrfach höher als üblich», so Swisscom-Sprecher Josef Huber. Nutzer der App können weltweit gratis Kurznachrichten versenden und kostenlos über das Internet telefonieren, sofern der Gesprächspartner ebenfalls iO nutzt.

Bieten die sicheren Alternativen denn einen hundertprozentigen Schutz? «So etwas gibt es nicht», so Frey. «Man kann es jedoch potenziellen Mitlauschern so schwierig wie möglich machen.» Etwa indem man eben verschlüsselte Messenger nutze, bei denen die Nachrichten nur vom Empfänger entschlüsselt werden können. Und indem man den Zugang zu einer solchen App und dem Telefon mit einem PIN-Code schütze.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • JOEY am 20.02.2014 12:07 Report Diesen Beitrag melden

    HAHA

    FB hat schon unsere Profile, jetzt wollen sie auch noch unsere Tel.-Nummer

    einklappen einklappen
  • Herr Pöscho am 20.02.2014 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    Threema eine Chance geben

    Ich habe Threema installiert und versucht jetzt einige unbekümmerte Whatsapp BenutzerInnen umzustimmen. Whatsapp ist für mich mit dem Facebook Deal zumindest auf die Reservebank geflogen. Wer ist denkt, dass 16/19 Milliarden für Whatsapp bezahlt worden sind und sich nichts an der Applikation/Datagathering Philosophie ändern wird, ja der soll Whatsapp nur weiter verwenden. Ich werde bei der Datensammelwut zumindest hier nicht mitmachen.

  • Snuups Bernhardiner am 20.02.2014 12:21 Report Diesen Beitrag melden

    Threema

    Threema verwende ich seit längerem. Mein kompletter Freundeskreis ist bereits umgezogen. Unverschlüsselte Messenger gibt es bei mir nicht mehr.

Die neusten Leser-Kommentare

  • infoRome am 21.02.2014 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    unterstützt kein Monopol!

    Threema kostet bei android also wird das nichts! MyEnigma erachte ich als gut das layout ist ein wenig dunkel aber an sich ganz gut nur das die meldung ist aktiv auf dem Bildschirm non stop angezeigt wird stört mich :( sonst super gratis app telegram vertraue ich nicht so ganz ich werde mitte märz whatsapp löschen! wie schon gesagt trends muss man schaffen und wir sollten auf ein einheimisches produkt setzten! MyEnigma ftw :)

  • der wisser am 21.02.2014 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    threema

    nicht lange warten; whatsapp löschen/deaktivieren und threema kaufen! es lohnt sich wirklich, ist eine super App!

  • Hacker am 20.02.2014 22:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht euer Ernst??

    Ihr wollt mir nicht allerernstens erzählen das heut zu tage noch irgendjemand der irgendwie mit dem internet verbunden ist noch eine "privatsphäre" hat??hört bitte auf zu träumen,ein Mensch der an eure Daten herankommen will,der kommt heran,egal wie ihr sie verschlüsselt!haaacker sei Dank ;)

    • priority am 21.02.2014 09:46 Report Diesen Beitrag melden

      @Hacker

      ja schon, aber es ist ein Unterscheid ob die Daten unverschlüsselt bei Whatsapp auf einem Server legen, und die ganze Menge an die NSA geht, oder ob man gezielt einzelne Handys dafür hacken muss.

    • infoRome am 21.02.2014 09:50 Report Diesen Beitrag melden

      Hacker sind das kleinste Problem

      Es geht nicht um die Hacker, die zum Teil gar nicht so böse sind wie der Name es vermuten lässt sondern um Marktforschung und Monopole.

    • Heejoo! am 21.02.2014 20:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Doch!

      Ich! ... noch nie einen Facebookaccount, noch nie einen Whatsappaccount, keine Supercard, keine Cumuluskarte...

    einklappen einklappen
  • mike am 20.02.2014 21:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Telegram

    Telegram heisst die alternative. funktioniert 100% gleich.

  • Lars am 20.02.2014 20:19 Report Diesen Beitrag melden

    Geng von Globalen-Verschlüsselungen

    Die CH braucht keine USA-Big-Brother-Überwachung.