Strukturwandel

07. September 2017 10:39; Akt: 07.09.2017 10:39 Print

Wie die Angestellten im Detailhandel leiden

Mitarbeiter im Schweizer Detailhandel haben es schwer. Wer nicht vom Stellenabbau betroffen ist, muss mit steigendem Leistungsdruck kämpfen.

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Angestellte im Detailhandel bekommen den Strukturwandel der Branche hart zu spüren. Insbesondere aufgrund von Personalabbau und Verlängerung der Ladenöffnungszeiten werden die Arbeiter an ihre Grenzen getrieben, wie aus einem Bericht von Forschern der Universität Bern hervorgeht.

Umfrage
Was müssen Angestellte im Detailhandel tun, um die Misstände zu bekämpfen?
21 %
3 %
4 %
46 %
26 %
Insgesamt 3382 Teilnehmer

Die Forscher führten mit Angestellten im Deutschschweizer Detailhandel Interviews durch. Bereits während der Organisation leuchteten die ersten Warnzeichen auf: Viele der kontaktierten Arbeiter sagten ab, da sie sich ein Interview zeitlich nicht leisten konnten. Zudem hatten viele Angst, dass sich ihre Teilnahme negativ auf ihr Anstellungsverhältnis auswirken könnte. Es ist darum zu vermuten, dass gerade diejenigen Arbeiter, die sich in der schwierigsten Situation befinden, gar nicht in der Studie zu Wort kamen.

Überstunden trotz Eiltempo

Wenn die Belegschaft kleiner wird, während Läden gleichzeitig länger geöffnet sind, erwarte der Arbeitgeber von seinen Angestellten oft unrealistische Leistungsfähigkeit und Flexibilität. Mitarbeiter müssten in vielen Fällen unbezahlte Überzeit leisten, um die ihnen auferlegten Aufgaben erledigen zu können. Die zur Verfügung stehende Zeit reiche nicht einmal, wenn die Angestellten ihre Arbeit rennend erledigen.

Der Druck und Stress führe oft zu Erschöpfung. Schlimmer noch: psychische und physische Beeinträchtigungen als direkte Folge seien nicht ausgeschlossen.

Der Chef ist der Schlüssel

Detailhandelsangestellte seien stark von ihren Vorgesetzten abhängig. Die Chefs bestimmen das Arbeitsklima. Ist dieses schlecht, hätten Mitarbeiter kaum eine Möglichkeit, sich gegen Missstände zu wehren. Dies ist besonders gravierend, wenn das schlechte Arbeitsklima mit Belästigungen und Diskriminierungen seitens der Vorgesetzten einhergeht. Einige der Studienteilnehmer hätten von solchen Fällen berichtet. Die einzige Lösung sei in solchen Fällen oft, einen neuen Arbeitgeber zu suchen.

(rkn)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Paplo am 07.09.2017 11:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wie lange noch?

    jemand muss doch die ganze Arbeit machen.... und wer das ist? diejenigen die keine möglichkeiten haben sich zu wehren ,weil sie sich sonst um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen. Traurig aber wahr, auch hier gibt es modernste Sklaverei und nur.... damit ein paar wenige mehr haben.

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  • Ehem. Angestellter am 07.09.2017 11:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur im Detailhandel

    Ich hatte das selbe Problem in der Gastronomie. Wir belieferten als Catering Unternehmen den Flughafen Zürich. Es war jedoch garnicht möglich, angesichts des enormen Auftragsvolumen, überhaupt pünktlich fertig zu werden. 1h Überzeit lag an der Tagesordnung und 2-3h waren keine Seltenheit. Irgendwann kann man kein Personal mehr einsparen, ohne Leistungseinbusen. Von den 10 Köchen haben 7 gekündigt. Ein schlechtes Gewissen? Mitnichten...

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  • -Chriesi- am 07.09.2017 10:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hausgemacht

    Wenn keiner mehr bereit ist für ein Produkt und die entsprechende Dienstleistung einen angemessenen Preis zu bezahlen, darf man sich nicht wundern, wenn ganze Branchen und ihre Angestellten den Bach ab gehen. Taxigeschäft, Detailhandel und Gastronomie dürften wohl nur der Anfang sein. Im Endeffekt wohl ein Schuss ins eigene gesellschaftliche Knie.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Menschenfreund am 11.09.2017 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm im Pfauen

    Im Coop City ist es auch schlim. Vor allem im Pfauen ist es unglaublich, nur eine Person pro Etage. Da sind wir alle auch frustriert. Vor alem wenn es so vile unfähige Kader im Coop gibt.

  • Stefan am 10.09.2017 16:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ansonsten Boykottieren!!!

    Wenn man weiss das eine Firma ihre Angestellten schlecht behandelt und die Überstunden nicht bezahlt/frei gibt dann bin ich der Meinung das man keine Dienste von Kauf dessen Produkte beanspruchen sollte!

  • Fritz Murer am 10.09.2017 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Die Behörden schauen weg!

    Endlich wagt jemand von der Presse, etwas kritisches über die Detailhändler zu schreiben. Die schwarzen Schafe werden allerdings namentlich nicht genannt. Es sind die grossen beiden Duopolisten die den Markt beherrschen und erdrücken. Beängstigend ist das! Wer reklamiert wird an einen schlechteren Arbeitsplatz versetzt oder hinausgeekelt. Pfui!

    • bubu am 11.09.2017 17:19 Report Diesen Beitrag melden

      @Fritz Murer

      Sie haben Recht: Man wird beispielsweise von den Chefs beauftragten Mitarbeiter/innen bespitzelt. Und das solange bis man Fehler findet. Diese werden flux schriftlich festgehalten und müssen unterschrieben werden (ob der Tatbestand der Wahrheit entspricht oder nicht spielt keine Rolle) Unterschreiben, fertig! Beim 3. Mal Knallts dann - Kündigung und weg ist der langjährige Mitarbeiter der zuviel gekostet hat.

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  • Bartli am 10.09.2017 00:38 Report Diesen Beitrag melden

    Schon verrückt

    Seid anständig zu den Angestellten , denn sie haben es verdient. Frage oft um Hilfe und bedanke mich auch und zeige dass ich es sehr schätze. Also kann man das Personal wenigstens so unterstützen. Dass immer mehr Arbeit für zwei erledigen finde ich ein Unding.

  • Endzeit am 09.09.2017 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    Zeit in der die Liebe in vielen erkaltet

    Wir leben in der Zeit in der für zu viele Aktionäre und Manager und Chefs(Firmenbesitzer) die Arbeiter nur Herdenvieh sind. Es ist eine Zeit in der für viele Frauen der Mann nur noch ein Geldbeutel ist. Es ist eine Zeit in der für viele Männer die Frauen nur noch Fleischobjekte sind. Es ist eine Zeit in der für viele frische Mütter ihre Kinder in sich drin nur tötenswerte Fleischklumpen für den Abfall sind. Es ist eine Zeit in der im Menschenrechtlerzeitalter die Menschen weniger wert sind als Tiere. Eine Zeit in der die Liebe gut tönt aber selbst noch nie gefühlt wurde da Lust mit Liebe verwe

    • @Endzeit am 13.09.2017 15:24 Report Diesen Beitrag melden

      Man kanns auch übertreiben

      Anstand des Arbeitgebers gegenüber dem Arbeitnehmer und umgekehrt hat gar nichts mit Liebe zu tun, sondern mit Respekt und Wertschätzung. Zu deinen Sprüchen bezüglich den anderen Sachen äussere ich mich nicht, da das nicht mehr als völlig unreflektierte Sprüche sind.

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