Nach der Megafusion

20. November 2012 18:47; Akt: 20.11.2012 18:47 Print

Wird «Glenstrata» der bessere Rohstoffkonzern?

von Sabina Sturzenegger - Die Fusion zwischen Rohstoff-Gigant Glencore und Minenkonzern Xstrata ist beschlossene Sache. Zum Mega-Deal auf Schweizer Boden stellen sich aber noch ein paar Fragen.

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Wann wird die Fusion Tatsache?
Die Aktionäre von Glencore und Xstrata haben am Dienstag der Fusion zugestimmt. Bereits am Donnerstag kann die EU-Kommission – die Wettbewerbsbehörde der Europäischen Union – entscheiden, ob die Fusion rechtmässig ist. Wettbewerbsrechtler wie auch Analysten gehen davon aus, dass dem Deal unter gewissen Voraussetzungen zugestimmt wird.

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Was ist der Vorteil der Fusion?
In der Rohstoffbranche gilt: Je grösser der Konzern, desto erfolgreicher. Der neue Konzern mit dem Namen «Glencore Xstrata plc» wird breit aufgestellt und diversifiziert sein. «Dadurch hat er auch eine grössere Preismacht», sagt Analyst Daniel Benz von der ZKB. Bei der Förderung und im Handel von Kraftwerkskohle, Zink und Chrom wird er die weltweite Nummer eins. Gemeinsam können die beiden Unternehmen rund 700 Millionen Dollar Kosten einsparen.

Ist die Fusion auch besser für die Umwelt?
Auch hier könnte Glencore von Xstrata imagemässig profitieren: Der kleinere Fusions-Partner verfüge «immerhin über Personal, das von einem Nachhaltigkeitsbericht etwas versteht», sagt Andreas Missbach von der globalisierungskritischen Organisation Erklärung von Bern (EvB). Bei Glencore hingegen sei der Nachhaltigkeitsbericht bis anhin eine «Lachnummer» gewesen.

Was bedeutet die Fusion für die Minenarbeiter?
Xstrata gilt als weniger aggressiv und rücksichtslos als Glencore im Umgang mit der lokalen Bevölkerung. Die Bilanz der Todesfälle könnte sich verbessern – wenn auch nur leicht. Laut EvB kamen zwischen 2008 und 2011 in Relation zum Umsatz bei Xstrata zwar doppelt so viele Mitarbeitende ums Leben wie etwa beim Konkurrenten BHP Billiton. «Bei Glencore waren es allerdings sage und schreibe 16 mal mehr», schreibt die EvB. ZKB-Analyst Benz sagt: «Durch die Fusion wird der Anteil an heiklen Ländern im Portfolio von Glencore reduziert.»

Wird der Mega-Konzern transparenter?
Da muss man sich keine Illusionen machen. «Hinsichtlich Transparenz dürfte sich auch in der neuen Struktur nichts Wesentliches ändern», sagt Benz. Für Missbach ist der Fall auch klar: «Eine Transformation hin zu mehr Transparenz im neuen Unternehmen wäre eine Überraschung.» Nur schon die Tatsache, dass Glencore-Chef Ivan Glasenberg künftig das Ruder übernehme, zeige, dass sich die Kultur der Verschwiegenheit im fusionierte Haus durchsetzen werde.

Was bedeutet die Fusion für die Schweiz?
«Die Schweiz wird den gleichen Reputationsschaden erleiden wie bei der Steuerhinterziehung», fürchtet Andreas Missbach. Während die EU und die USA ihre Regeln verschärften, und die Rohstoffkonzerne verpflichteten, ihre Zahlungen an Länder offenzulegen, bleibe die Schweiz untätig. Zudem würden die Regelungen die Zahlungen im Rohstoffhandel nicht abdecken. Unser Land stehe aber als globale Drehscheibe in grosser Verantwortung, schreibt die EvB.

Wer kann den Fusions-Entscheid noch stoppen?
Die EU-Kommission. Gemäss Wettbewerbsrechtlern gibt es für den Entscheid am Donnerstag drei Szenarien: In Szenario 1 entscheidet die EU-Kommission, den Deal ohne Einschränkung abzusegnen. In Szenario 2 stimmt die EU-Behörde dem Deal nur unter Bedingungen zu. In Szenario 3 untersagt die EU den Deal vorerst. In einer zweiten Phase prüft sie die Fusion vertieft, die Parteien können neue Zugeständnisse machen.

Welches ist das wahrscheinlichste Szenario?
Szenario 2: Glencore hat bereits angekündigt, Verträge im europäischen Zinkmarkt zu kündigen sowie eine deutsche Zinkschmelze abzustossen. Das sind Hinweise darauf, dass die EU diese Zugeständnisse verlangt. Szenario 1 gilt laut dem Experten als unwahrscheinlich, Szenario 3 sei aber immer noch möglich.

Was sagt die Wettbewerbskommission in der Schweiz (Weko) dazu?
Es ist nicht sicher, dass die Weko die Fusion durchleuchten wird. Eine Prüfung gibt es nur dann, wenn beide Fusionspartner in der Schweiz jeweils einen Umsatz von mindestens 100 Millionen Franken erzielen. Glencore und Xstrata haben zwar ihre Sitze in Baar und Zug, den grössten Teil ihrer Umsätze erzielen sie jedoch im Ausland.

Gibt es andere Behörden, die den Deal stoppen können?
Es gibt Verfahren in China und Südafrika. Grundsätzlich müssen die Wettbewerbsbehörden aller Länder, in denen die beiden Unternehmen tätig sind, zustimmen. Laut dem Wettbewerbs-Experten haben diese Behörden sich aber bereits abgesprochen; ein widersprüchliches Urteil zur EU aus einem anderen Land ist unwahrscheinlich.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Antonia W. am 20.11.2012 21:02 Report Diesen Beitrag melden

    Ein guter Schritt

    Eine feine Sache. Nun hat die Schweiz ein weiteres, grosses Unternehmen mit "Swissness". Dies wird in den anderen Ländern hoch geschätzt. Auch in den Förderländern dürfte das, im Gegensatz zu den amerikanern sogar ohne Gewalt, die demokratie in besagten Förderregionen stärken.

  • Massimo am 20.11.2012 20:28 Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz ist mitschuldig...

    Die einten werden gnadenlos ausgenutzt, damit sich die anderen im Reichtum suhlen können. Die Schweiz unterstützt mit der hiesigen Gesetzgebung diesen Umstand.

  • tobi am 21.11.2012 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    konzerne

    wir im westen leben in den meisten ländern sowieso bereit in konzerndiktaturen. noch mächtigere und grössere konzerne können für unsniemals gut sein.

Die neusten Leser-Kommentare

  • tobi am 21.11.2012 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    konzerne

    wir im westen leben in den meisten ländern sowieso bereit in konzerndiktaturen. noch mächtigere und grössere konzerne können für unsniemals gut sein.

  • träne am 21.11.2012 01:23 Report Diesen Beitrag melden

    Arme Erde

    Schöner blauer Planet warum hast du den Zugersee nicht grösser gemacht, es würde dir so viel besser gehen.

  • Thomas A. Anderson am 20.11.2012 22:23 Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdige EvB

    Unverständlich bleibt mir jedoch, warum die "Erklärung von Bern" hier zu Wort kommt. Dies nachdem EvB nachweislich Nonsens und Unwahrheiten über Glencore verbreitete. EvB ist definitiv keine moralische Instanz, sie ist bloss eine politische Organisation. Eine von vielen, die durch Moralin und Hyperventilation um Aufmerksamkeit buhlen.

  • Antonia W. am 20.11.2012 21:02 Report Diesen Beitrag melden

    Ein guter Schritt

    Eine feine Sache. Nun hat die Schweiz ein weiteres, grosses Unternehmen mit "Swissness". Dies wird in den anderen Ländern hoch geschätzt. Auch in den Förderländern dürfte das, im Gegensatz zu den amerikanern sogar ohne Gewalt, die demokratie in besagten Förderregionen stärken.

  • Massimo am 20.11.2012 20:28 Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz ist mitschuldig...

    Die einten werden gnadenlos ausgenutzt, damit sich die anderen im Reichtum suhlen können. Die Schweiz unterstützt mit der hiesigen Gesetzgebung diesen Umstand.