Frau Unternehmerin

25. Juli 2012 10:11; Akt: 25.07.2012 11:07 Print

Wo bleiben die Firmen-Gründerinnen?

von Sabina Sturzenegger - Nur 23 Prozent der Firmengründungen in der Schweiz gehen auf das Konto von Frauen. Das Problem: Es gibt zwar viele Unternehmerinnen, oft verkaufen sie sich aber nicht als solche.

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In der Textilbranche sind die Frauen in der Schweiz als Firmengründerinnen sogar in der Mehrheit. (Bild: thinkstockphotos)

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Neue Firmen werden in der Schweiz immer noch grösstenteils von Männern gegründet. Das besagt eine Studie zu Firmenkonkursen und Gründungen von Dun & Bradstreet. Der Wirtschaftsinformationsdienst hat die knapp 28 000 Personen, die sich in der ersten Hälfte dieses Jahres als Firmengründer ins Handelsregister eintragen liessen, ausgewertet. Der Frauenanteil unter den Firmengründern beträgt gerade einmal 23 Prozent.

Umfrage
Woran liegt es, dass sich wenige Frauen in die Selbständigkeit wagen?
25 %
36 %
39 %
Insgesamt 229 Teilnehmer

Diese Zahl hat sich seit 2007 kaum verändert. Auch unter den Jungunternehmern sind die Frauen nicht zahlreicher: Gemäss dem Online-Firmengründungsportal Startups lag der Anteil der Startup-Gründerinnen im ersten Halbjahr 2012 ebenfalls nur bei 23,5 Prozent.

Wirtschaftswelt verändern

Für Monique Ryser, Zentralpräsidentin der Business and Professional Women (BPW), ist es «schade», dass Frauen nicht mehr Firmen gründen. «Dabei könnten Frauen damit einen Schritt machen, um die Wirtschaftswelt in ihrem Sinne zu verändern», sagt sie.

Für Ryser ist aber auch klar, woran es mangelt: «Frauen fehlt oft der Mut, selbst eine Firma zu gründen. Wenn sie es tun, dann sind sie vorsichtiger, überlegen lange und klotzen weniger als Männer.» Dafür würden die Frauen-Firmen länger überleben. Tatsächlich haben Unternehmen von Frauen eine deutlich grössere Chance, die ersten fünf Jahre zu überleben, als solche von Männern. Das Resultat geht aus einer Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) hervor.

Nicht alle eingetragen

Einen anderen Grund für die tiefe Zahl der Firmengründerinnen sieht Gabriella Canonica Bloch vom Netzwerk der Einfrau-Unternehmerinnen (NEFU): «Ich gehe davon aus, dass die 23 Prozent nur einen Teil der tatsächlichen Firmengründungen in der Schweiz abbilden.» Aus ihrer Erfahrung als NEFU-Geschäftsführerin weiss sie, dass viele Frauen ihr Kleinstunternehmen nicht ins Handelsregister eintragen lassen und deshalb in keiner Statistik erscheinen. «Oft hängen Frauen ihre Firmengründung nicht an die grosse Glocke und lassen nicht als Erstes Visitenkarten drucken», erklärt sie.

Zudem hätten Frauen oft einen anderen Antrieb, eine Firma zu gründen, als Männer, fügt Canonica an. Während Männer überzeugt seien, eine gute Idee oder ein gewinnbringendes Geschäft mit einer eigenen Firma aufzuziehen, würden viele Frauen «aus einer gewissen Not heraus» handeln. «Die Firmengründung geschieht bei Frauen nicht selten, weil sie sich verändern müssen», sagt Canonica. Neben Arbeitslosigkeit könne das eine Veränderung im familiären Umfeld sein, beispielsweise der Wegzug der Kinder oder des Ehepartners.

Bildungsniveau ist tiefer

In dieses Bild passt es, dass in der Schweiz die Firmengründungen von weniger gut ausgebildeten Frauen in den letzten Jahren zugenommen haben, wie die FHNW-Studie weiter zeigt. Demnach ist das Bildungsniveau von Frauen, die ein Unternehmen gründen, tiefer als jenes ihrer männlichen Kollegen.

Viele der Frauen-Firmen sind denn auch in den immer noch in Bereichen angesiedelt, die als «frauen-spezifisch» bezeichnet werden: In der Textilwirtschaft, in der Gastwirtschaft oder in den Bereichen Beratung und Coaching. In der Textil- und Bekleidungsindustrie sind die Frauen gemäss der Untersuchung von Dun & Bradstreet mit 57,8 Prozent sogar in der Mehrheit.

Im Detailhandel und im Gastgewerbe wird immerhin noch rund jede dritte Unternehmung von einer weiblichen Person gemacht. Praktisch Männerdomänen sind neu gegründete Maschinenbaufirmen, Baugeschäfte, Handwerksbetriebe und Investitionsgesellschaften mit einem Gründerinnen-Anteilen von rund zehn Prozent.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rogerio Vito am 25.07.2012 10:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aus Frauen Männer machen

    Im Unterton ist zu entnehmen, dass man am liebsten aus Frauen Männer machen will. Warum lässt man Frauen einfach nicht Frauen bleiben? Mit Ihren Stärken beleben sie die Wirtschaft. Durch den aufgesetzten Zwang der Gleichstellung wird das persönliche Glück nicht gefunden! Viele Frauen sind dem Druck nicht gewachsen und das Privatleben, Beziehung und Ehe bleibt auf der Strecke.

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  • Hubsyn am 25.07.2012 10:36 Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung ohne zwang?

    Wichtig ist doch, dass es für Frauen möglich ist eine Firma zu Gründen, das ist für mich Gleichberechtigung und es ist gut so wie es ist. Wieviel es nun umsetzen ist doch völlig egal und jedem selbst überlassen. Ich bin auch eher der Angestellte, weil ich mir in meinem Leben den ganzen Stress nicht antun will. Müssen denn wirklich 50% Unternehmer Frauen sein? Brauchen wir 50% Pilotinnen, 50% Fahrlehrerinnen, 50% Bauarbeiterinnen, 50% .... bis es für die Gleichberechtigung gut genug ist? Reicht es nicht, dass Männer und Frauen die Möglichkeit haben alles zu machen?

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  • Mann ist Mann, und Frau ist Frau am 25.07.2012 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Mann oder Frau ist ein Unterschied

    Wo sind die Frauen die als gleichberechtigung Militärdienst leisten oder Ersatzpflicht bezahlen!? Wo ist da die Frauenquote?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Claudia Uttinger am 27.07.2012 10:29 Report Diesen Beitrag melden

    Frauen in der Selbständigkeit

    Ich habe mich mit einer Büro Dienstleistungs Organisation beruflich verwirklicht und dies nicht aus "der Not heraus" sondern weil es mich drängte, selbständig aktiv zu werden. Es lagen diverse Talente brach die nicht gelebt werden durften im Angestellten Dasein - und diese will ich jetzt aktivieren. Auch betrachte ich meine Ausbildung durchaus als konkurrenzfähig für das gewählte Metier.

  • K. Ritiker am 25.07.2012 18:35 Report Diesen Beitrag melden

    Warum wohl - waseliwas?

    Heute nennt sich jede Tupperware- und Mulitlevelmarketing-Dame "Unternehmerin". Und tausende betreiben eine Minibusiness wie Putzinstitut, Hütedienst für Tiere oder irgend ein Töpfer- und Kunstatelier. Nur gründen sie deswegen keine Firma und bezahlen wohl auch oft keine Steuern! Vorteil von diesen Engagement: man kann aktiv sein, wenn man will; kann aufhören wenn es einem passt usw usf. Das geht natürlich im strengen Berufsalltag des Mannes nicht und davor scheuen sich diese Frauen. Die finanzielle Unterstützung ihres Business durch den Gatten nehmen sie aber gerne entgegen.

    • Claudia Uttinger am 27.07.2012 10:31 Report Diesen Beitrag melden

      Frauen im Business

      Herr Ritiker, ich habe noch nie im Leben auf Kosten eines Mannes gelebt - eher umgekehrt. Meine Firma ist eine offiziell gegründete GmbH auf die ich sehr stolz bin. Den steinigen Weg des bekannt werdens gehe ich gerne weil ich von meinem Geschäftsmodell überzeugt bin - ich denke, mein Ansatz unterscheidet sich stark von Ihrer geäusserten Meinung.

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  • Stefan am 25.07.2012 15:49 Report Diesen Beitrag melden

    Ironisch und wa(h)r

    Da sind bestimmt auch wir bösen bösen Männer dran Schuld, dass die armen armen Frauen nicht öfters selbstständig werden. Böse böse Männerwelt. Pfui.

  • Mann ist Mann, und Frau ist Frau am 25.07.2012 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Mann oder Frau ist ein Unterschied

    Wo sind die Frauen die als gleichberechtigung Militärdienst leisten oder Ersatzpflicht bezahlen!? Wo ist da die Frauenquote?

    • Rafael am 25.07.2012 14:37 Report Diesen Beitrag melden

      @Mann ist Mann

      Das gleicht sich aus. Dafür gehen Frauen früher in Rente und leben länger (=beziehen länger Rente). ;)

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  • Kritiker am 25.07.2012 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    *facepalm*

    warum braucht es eigentlich für jeden mist eine frauenquote?