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Arme Schweiz
21. Oktober 2008 09:11; Akt: 21.10.2008 10:14 Print
Working Poor: Bittere Realität auch in der Schweiz
Die Haushaltseinkommen in der Schweiz sind deutlich gleichmässiger verteilt als im Durchschnitt der OECD-Länder. Relativ weit verbreitet ist aber die Armut trotz Arbeit. Und auch die Rentner haben schwer zu kauen.
Das gab die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Dienstag bekannt. Abgesehen von Frankreich, Spanien, Irland, Griechenland und der Türkei hat die Einkommensungleichheit zwischen 1985 und 2005 in allen OECD-Ländern zugenommen. Insgesamt sind die Haushaltseinkommen in der Schweiz deutlich gleichmässiger verteilt als im Schnitt und die Einkommensspreizung ist um etwa einen Viertel geringer. Die Schweiz liegt im Vergleich auf dem zehnten Platz; Dänemark weist die geringste Einkommensungleichheit auf und Mexiko die höchste. Und auch die Armutsquote in der Schweiz liegt zwar im Vergleich etwas höher, aber immer noch unter dem OECD-Schnitt.
Relativ weit verbreitet sei in der Schweiz aber die Armut trotz Arbeit. So ist in 80 Prozent der Haushalte, die nur über weniger als die Hälfte des Medianeinkommens verfügen, mindestens eine Person erwerbstätig. Im OECD-Mittel gelten nur etwas mehr als 60 Prozent der Haushalte als Working Poor. Gar den Spitzenrang nimmt die Schweiz beim Anteil armer Haushalte ein, in denen zwei Menschen erwerbstätig sind. Wesentlich grösser als im OECD-Schnitt ist mit 18 Prozent auch der Anteil der armen Rentner in der Schweiz. Dieser beträgt im Durchschnitt der 30 OECD-Länder 13 Prozent.
Wie in den meisten anderen OECD-Ländern ist in der Schweiz in Haushalten mit Kindern und besonders bei Alleinerziehenden das Armutsrisiko grösser als in kinderlosen Haushalten. Allerdings ist die Armutsquote bei Kindern mit neun Prozent deutlich geringer als im OECD-Schnitt. Eine geringere Kinderarmut weisen nur die nordischen Länder und Österreich auf.
Anders als vielfach behauptet sei dies keine Voraussetzung oder auch nur hilfreich für Wachstum, schreibt die OECD. «Eine höhere Einkommensungleichheit behindert die Aufstiegschancen über die Generationen hinweg», wird OECD-Generalsekretär Angel Gurria in der Mitteilung zur Studie «Mehr Ungleichheit trotz Wachstum?» zitiert. Sie mache es für talentierte und hart arbeitende Menschen schwerer den Lohn zu erhalten, den sie verdienen. Diese mangelnde soziale Mobilität beeinträchtige die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit insgesamt.
(dapd)


























