Handelsstreit

13. März 2018 09:31; Akt: 13.03.2018 09:31 Print

Erhebt Trump Strafzölle auch auf Mercedes-Autos?

von Isabel Strassheim - Eine weitere Eskalation des US-Handelsstreits könnte auch die Schweiz treffen. 20 Minuten klärt die wichtigsten Fragen.

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Warum führt US-Präsident Donald Trump Strafzölle ein?
Er will damit die US-Wirtschaft vor günstigen Importen schützen und erhebt auf Stahl 25 Prozent und auf Aluminium 10 Prozent Strafzoll. Diese Strafzölle müssen aber die Amerikaner selbst zahlen und nicht die ausländischen Lieferanten. Für die USA werden zum Beispiel Cola- oder Bierdosen aus Aluminium sowie der Stahl für die US-Autoindustrie zunächst teurer. Trump setzt aber darauf, dass die USA mittelfristig selbst mehr Stahl und Aluminium produzieren und so mehr heimische Jobs entstehen.

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Kann das funktionieren?
Schon viele US-Präsidenten haben zu diesem Mittel gegriffen. Zuletzt Barack Obama, der 2009 Strafzölle auf Pneus aus China erhob und damit laut einer Studie rund 1200 US-Jobs in der Pneuindustrie rettete. Allerdings mussten dafür die US-Konsumenten für ihre Pneus mehr bezahlen und hatten weniger Geld für andere Ausgaben, was zulasten von Jobs in anderen Branchen ging.

Warum sind die US-Strafzölle eine Gefahr für die Weltwirtschaft?
Weil sie die Weltwirtschaft aus den Fugen und den aktuellen Aufschwung ins Stottern bringen können. «Kurzfristig treffen sie zwar nur die Exporteure, aber mittelfristig alle Beteiligten», warnt Janwillem Acket, Chefökonom der Bank Julius Bär.
Bislang waren China, Brasilien und Südkorea die Hauptlieferanten von Stahl und Aluminium in die USA. Nun könnten sie ihr Metall günstig in die EU liefern, was dann die europäischen Produzenten und den EU-Arbeitsmarkt unter Druck bringt. «Strafzölle können eine Kettenreaktion in Gang setzen», warnt Acket.

Ist das schon ein Handelskrieg?
Von einem Handelskrieg spricht man erst, wenn die Europäische Union (EU) oder andere Staaten tatsächlich mit eigenen Strafzöllen zurückschlagen und sich das Ganze weiter hochschaukelt. Für die Weltwirtschaft ist das die grösste Sorge, denn davon könnten viele Branchen betroffen sein und die Konjunktur könnte lahmen. Bislang hat die EU aber nur angedroht, Erdnussbutter, Bourbon Whisky und rund 200 andere US-Produktgruppen mit Strafzöllen zu belegen. Dennoch: Trump seinerseits hat schon jetzt gewarnt, dass er dann Autos aus der EU mit 25 Prozent besteuern würde. Dabei fielen ihm vor allem die deutschen Limousinen von Mercedes und BMW ein.

Wann trifft es die Schweiz?
Brenzlig für die Schweizer Wirtschaft wird es, wenn der Streit eskaliert. Bislang treffen sie die Strafzölle auf Stahl und Aluminium kaum – nur 2,7 Prozent der Stahl- und Aluminiumexporte von Schweizer Firmen gehen überhaupt in die USA, wie Economiesuisse mitteilt. Der mit Abstand generell wichtigste Handelspartner der Schweiz ist Deutschland. Aber wenn deutsche Autobauer wie BMW wegen neuer Strafzölle weniger in den USA verkaufen und die Produktion sinkt, dann leiden auch die rund 300 Schweizer Zuliefererfirmen mit ihren 24'000 Mitarbeitenden.

Wie geht es jetzt weiter?
Die Strafzölle zwingen die Staaten zu Gesprächen. «Wir gehen davon aus, dass betroffene Länder zuerst den Verhandlungsweg wählen, bevor sie Gegenmassnahmen ergreifen», schreiben die Analysten der Zürcher Kantonalbank. Trump dürfte mit den Strafzöllen und seinen Drohungen darauf abzielen, seine Ausgangsposition zu stärken. Die ZKB wie auch viele andere Analysten schätzen die Gefahr eines Handelskrieges als gering ein. Julius Bär beziffert sie mit 20 Prozent.

Welche Rolle spielen Zölle generell noch?
Sie haben trotz der Welthandelsorganisation WTO weltweit einen starken Einfluss und verzerren den Wettbewerb zum Teil stark. Die EU etwa erhebt auf Autoimporte einen Zoll von 10 Prozent, die USA dagegen nur von 2,5 Prozent. Abgesehen von Zöllen wirken sich aber auch Subventionen stark auf den Welthandel aus. Mit ihren Zuschüssen unterstützen viele Staaten heimische Produkte, die so günstig auf dem Weltmarkt verkauft werden können. «Hier ist keiner ohne Sünde», sagt Chefökonom Acket. Versteckte Massnahmen wie Subventionen scheinen zwar nicht so aggressiv wie Trumps Strafzölle. «Aber sie wirken auch preisverzerrend.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • AmericanPatriot am 13.03.2018 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Eins muss man dem Polteri lassen:

    Er prügelt seine Wahlkampfversprechen durch. Von daher ist er konsequenter und ehrlicher als andere.

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  • Wissender am 13.03.2018 09:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    US Bashing

    Die EU erhebt schon lange, viel massivere Importzölle auf US-Autos, als umgekehrt. Denn, sie wollen die europäische Autoindustrie schützen. Das sollte einfach mal ehrlich geschrieben werden, anstatt mit dem Finger auf Trump zu zeigen!

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  • Dr. Stolte am 13.03.2018 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Die Stunde der Wahrheit

    Nun ist sie da, die Stunde der Wahrheit wo die EU zeigen kann ob sie wirklich Zähne hat oder nur ein loses Mundwerk. Lasse mich von Jean-Claude Juncker und Co. gerne überraschen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 17.03.2018 19:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freude herrscht...

    Strafzölle auf Mercedes, was für eine Frage... Selbst wenn MB Montagewerke in die USA besitzt, werden sämtlichen Import Fahrzeuge betroffen. Das betrifft auch die ganze Palette was die USA, importiert, nicht nur Fahrzeuge!!

  • Martial2 am 17.03.2018 19:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sand in den Augen gestreut...

    Strafzölle wird Mr. President selbstverständlich durchs Band ansetzen. Die Importe in die USA, werden blockiert oder massiv versteuert. Die ausländische Firmen in den Staaten werden früh oder später schliessen: Autoindustrie, Pharma, Lebensmitteln, Bekleidung und mehr. Das alles um soi-disant den US-Markt zu schützen und mehr Arbeitsstellen zu kreieren. Wer glaubt, dass es funktioniert ist naiv, der Erste: Mr. Trump!!

  • Ruedi am 15.03.2018 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Prügelknaben

    Trump wird sich durchsetzen... die Prügelknaben der EU sind eben zurecht die Prügelknaben!

  • TommyM am 14.03.2018 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne USA

    Können wir die Amis einfach auslassen und mit den Asiaten Handel treiben?

    • John F. Kennedy am 14.03.2018 21:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @TommyM

      Asien, China, Südostasien, Kanada, Südamerika und die EU sind wirtschaftlich gesehen zusammen stärker als die USA!

    • Tiziano am 14.03.2018 22:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @John F. Kennedy

      Nein, ohne USA Markt zerfallen diese in alle Einzelteile. Sowieso wenn Trump auch apple zwingt in der USA für den USA Markt zu produzieren. Hingenen die USA wegen Harley und Jack Daniels sicher nie wirklich die anderen Märkte braucht. Harley und Jack kaufe ich auch noch wenn da zusätzlich 20% strafzölle drauf sind. Was nützen mir Milliarden von Einwohner wenn 99,9999% sich nie ein Harley leisten können? Made in USA treffe ich nur aüssert selten an. Oder?

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  • René Rihm am 14.03.2018 17:22 Report Diesen Beitrag melden

    Strafzölle auf US Industriegüter

    Es ist ja ganz einfach: Erheben die Amerikaner Strafzölle auf ausseramerikanische Produkte, dann kann man als Gegenmassnahme 20 % auf ALLE amerikanischen Industrieprodukte (Flugzeuge/Schiffe/Fahrzeuge usw.)erheben. Europa kommt ohne Ami-Produkte gut aus.

    • Rimé Rehm am 14.03.2018 17:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @René Rihm

      Selbstverständlich wolltest du auch die Apple Produkte erwähnen.

    • Marc am 14.03.2018 17:50 Report Diesen Beitrag melden

      Guter Punkt, aber...

      da gilt wohl eher das Ursprungsland. Und das sind nicht die USA.

    • Bürger am 17.03.2018 10:03 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht blenden lassen

      Die EU erhebt seit Jahren höhere Einfuhrzölle in diversen Sparten der Wirtschaft. Trump reagiert. Nicht er ist es, der ein falsches Spiel treibt. Junker will mehr Zölle, um mehr Steuereinnahmen zu generieren. Die EU interessiert sich nicht für den kleinen Verbraucher. Die wollen nur Mehreinnahmen durch Zölle, die direkt in ihren Haushalt fliessen. Eine Räuberbande und Lügenmaschine... EU hat den Mist begonnen. Freihandel mit gleichen Zöllen hat die EU nie gehabt.

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