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«In der Tat!»
19. November 2012 15:29; Akt: 19.11.2012 16:55 Print
Zu Besuch beim Winkelried der Haarwurzel
von Sandro Spaeth - Kein TV-Abend vergeht ohne Dr. Klenk. Doch die Zuschauer mögen den Alpecin-Laborchef nicht. Die Werbung fürs Haar-Doping nervt. Zu Gast beim Antihelden im weissen Kittel.
Dr. Best, der Zahnarzt, der mit seiner Zahnbürste die Tomaten malträtierte, war ein «Casting-Produkt». Betty Bossi, hinter der wir im Kindesalter die Spitzenköchin vermuteten, ist eine Marketing-Idee. Was ist mit Dr. Klenk? Schauspieler, Wissenschaftler oder Quacksalber?
Das Alpecin-Fahrzeug in der Wagenkolonne der Deutschland-Rundfahrt von 1949.
Infografik
Doping im RadsportDoping
Alpecin im Radsport
Die Dr. Wolf Gmbh hat eine lange Tradition im Sport-Sponsoring. In den Fünfzigerjahren war die Firma mit dabei im Tross bei der Deutschland Rundfahrt. Später gabs sogar einen eigenen Rennstall. Heute ist unter anderem der Ex-Radporfi und TDF-Sieger Jan Ulrich ein Werbepartner von Alpecin. Der in der Schweiz wohnhafte Deutsche geriet während seiner Karriere mehrmals ins Netz der Dopingfahnder. Seit 2012 hegt Alpecin Pläne für eine Profimannschaft in der obersten Liga, welche aber noch nicht umgesetzt wurden. 2012 führte das Untenehmen die Alpecin Days durch, eine Radsport-Veranstaltung für Jedermann. (sas)
In der Kantine der Dr.-Wolf-Gruppe in Bielefeld kennt jeder der rund 500 Mitarbeiter den knapp 60-jährigen Adolf Klenk, Doktor der Lebensmittelchemie. Ob er denn der berühmteste Mitarbeiter sei? «In der Tat», sagt eine Angestellte in Klenks typischem Schwaben-Akzent und lacht. Bekannter als der Geschäftsführer sei Klenk – und gelegentlich werde er auch für diesen gehalten.
Seit 2010 flimmert der Spot mit dem etwas steif scheinenden Doktor über den Bildschirm. Klenk zeigt darin anhand einer simplen Computergrafik auf, warum sein Koffein-Mittelchen dazu beiträgt, dass die Haarwachstumsphasen wieder länger werden. Auf YouTube ist Klenk ein Star – in echt und als Parodie.
Herr Dr. Klenk, haben Sie damit gerechnet, dass Ihre Werbung ein so grosses Echo auslöst?
Nein, überhaupt nicht. Ich dachte, jetzt nehmen sie so einen Laiendarsteller wie mich. Wahrscheinlich macht aber genau dieses Unperfekte in der sonst glatten Werbewelt den Erfolg aus. In Forscherkreisen erhalte ich Anerkennung für den Umstand, dass ich mich überhaupt getraut habe, in der Werbung aufzutreten. Die Forscher sind ja sonst eher in ihren Labors zuhause.
Der Mann im Werbespot, ist das der echte Dr. Klenk?
Ja, so bin ich. Der Spruch «in der Tat» war allerdings ursprünglich nicht in meinem Wortschatz. Wir suchten mit der Produktionsfirma nach einem Claim, der die Botschaft ‹nicht reden, sondern tun› verdichtet. Mittlerweile habe ich mir den Satz aber zueigen gemacht – und ich höre ihn auch ständig bei Politikern.
In echt ist Klenk dynamischer und witziger als im Werbefilm. Er lacht oft, spricht so, dass ihn auch Laien verstehen. Statt des weissen Kittels trägt er einen dunklen Anzug.
Sein Reich ist der dritte Stock des Produktionsgebäudes, sein Büro befindet sich am Anfang eines langen Korridors. Die Front ist aus Glas. Auf seinem Bürotisch liegen grössere Mengen Papier, an der Wand hängt ein Flipchart mit handgeschriebenen Formeln. Woran er forscht? Aus Angst vor der Konkurrenz sagt Klenk nichts Genaues. «Trotz riesiger Forschungsbudgets haben die Grosskonzerne keine eigenen Ideen», sagt er. Im Bereich grauer oder weisser Haare sei noch längst nicht alles erfunden.
Wie in einem Aquarium muss sich Klenk gefühlt haben, als Besucher auf Führungen ständig hineinstarrten und ihm die Hand schütteln wollten. Irgendwann war ihm das zu viel. Er teilte den Verantwortlichen mit, dass er diesen Klamauk nicht schätze. «Ich will als Forscher ernstgenommen werden», betont er. Von Autogrammkarten – Wünsche treffen bei der Pressestelle ständig ein – will Klenk nichts wissen: «Irgendwann muss der Personenkult ein Ende haben.»
Herr Dr. Klenk, sind Sie ein eitler Mensch?
Ja, vermutlich schon. Wer da nein sagt, traut sich nicht, es zuzugeben.
Ihr Haaransatz war auch schon weiter vorne – hilft Alpecin nicht?
Eine breitere Koffeinforschung gibt es erst seit dem Jahr 2000. Die Wirksamkeit ist zudem immer in Relation zum genetisch Möglichen zu setzen. Mein Bruder war schon mit Mitte zwanzig kahl.
Dass Klenk 1989 mit Koffein zu experimentieren begann, verdankt er seiner Intuition. Er habe zum Entwickler gesagt: «Bau auch Koffein ins Rezept ein. Ich weiss zwar nicht genau was, bin mir aber sicher, dass es etwas bewirkt.» Dann forcierte er die Koffein-Forschung. Bis zum wissenschaftlichen Nachweis, dass der Muntermacher auch den Haar-Wachstumszyklus verlängert, dauerte es Jahre.
2004 kam das Alpecin-Koffein-Shampoo auf den Markt. Fast gleichzeitig strich die internationale Anti-Dopingagentur Wada den Stoff von der Dopingliste. Trotzdem steht auf der Packung «Hinweis für Leistungssportler: Alpecin-Coffein kann im Haarfollikel nachgewiesen werden». Nötig wäre diese Warnung nicht mehr, sie hält aber Alpecin im Gespräch. Ein ähnlicher Effekt wie beim Energy-Drink Red Bull, von dem es hiess, sein Inhaltsstoff Taurin stamme aus Stierhoden.
Die Kommentare im Web über Dr. Klenk sind nicht eben schmeichelhaft: Bei Stupidedia, der sinnfreien Enzyklopädie, steht beispielsweise über Doktor Adolf «Charlatanius» Klenk: Er sei ein notariell beglaubigter Quacksalber oder er habe an der Universität Bestnoten in professionellem Geschwafel erzielt. Bei seinen Videos stehen Bemerkungen wie «der beschissenste Spot, den ich je gesehen hab» oder «der Kerl macht mir Angst».
Dr. Klenk, kennen Sie die Beleidigungen?
Ich kenne nicht alle. Aber als Werbeperson muss man damit leben. Das Internet ist brutal. Doch wenn ich auf YouTube einen Film sperren lassen würde, wären morgen vier neue da. Zum Glück sind die Darstellungen meist nicht bösartig. Wenn eine Parodie gut gemacht ist, finde ich das in Ordnung. Das hilft sogar unser Produkt zu verbreiten.
Stören Sie die negativen Kommentare oder die geklauten Facebook-Profile?
Teilweise ist es unverschämt, wie die Leute mit der Integrität von anderen umgehen. Keines der Doktor-Klenk-Facebook-Profile ist echt. Es gibt aber auch positive Rückmeldungen: Ein junger Mann hat mir mal mitgeteilt, er habe nur für mich einen «In der Tat»-Rap gebastelt, den er nicht auf YouTube stellen würde. Er war gut gemacht – ich habe mich aber schon gefragt, wofür die Leute Zeit haben.
Derzeit läuft Klenks Werbung neben dem deutschsprachigen Raum auch im Holland und Grossbritannien – wobei es statt «in der Tat» auf Englisch «indeed» heisst. Der Claim «Doping für die Haare» – stammt übrigens weder von Klenk noch von einem Marketing-Guru. Ein Journalist hatte das so über das Koffein-Haarwaschmittel geschrieben – und das Unternehmen machte sich den Spruch zu eigen.
Der Slogan rief 2009 die weltweite Anti-Doping-Agentur Wada auf den Plan. Die Behörde befand den Spruch für problematisch, da er Doping fördern würde. Ein Witz? Nein, es war in der Tat so.
Dr. Klenk im Original
Eine der zahlreichen Parodien
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In der Tat
ich mag ihn.
Grafik.....
In der Tat ist nicht der Spruch das Problem sondern die sensationelle Grafik mit ungeheurer Aussagekraft.....
Shampoo noooo
Head and shoulders gehört auch auf die Black list... :-)