Produkt-Piraterie

15. Dezember 2012 21:03; Akt: 15.12.2012 21:03 Print

Zwei von drei kaufen gefälschte Ware

von Alex Hämmerli - Ob Kunst, Handwerk oder Markenartikel: Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass zwei Drittel der Konsumenten schon einmal ein Plagiat gekauft haben. Besonders Junge greifen bewusst zur Fälschung.

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Bei Fälschern beliebt: Louis-Vuitton-Täschchen. (Bild: Keystone)

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Erfolgreiche Produkte sind seit jeher Zielscheibe von Kopierern. Mit der Globalisierung des Handels haben Fälschungen und Produktpiraterie aber mittlerweile besorgniserregende Ausmasse angenommen: Die Schweizer Wirtschaft alleine erlitt dieses Jahr einen Schaden von zwei Milliarden Franken, schätzt die Bundesplattform gegen Fälschung und Piraterie Stop Piracy. Der weltweite ökonomische Schaden wird auf mehrere hundert Millionen Franken pro Jahr geschätzt.

Umfrage
Haben Sie schon einmal gefälschte Produkte gekauft?
11 %
58 %
24 %
7 %
Insgesamt 2804 Teilnehmer

Wie verbreitet Plagiate im Alltag der westlichen Gesellschaft mittlerweile sind, zeigt nun eine aktuelle Umfrage des Beratungsunternehmens Ernst & Young in Deutschland: Demnach haben 65 Prozent der Konsumenten schon mindestens einmal eine Produktfälschung gekauft – fast ein Drittel sogar ganz bewusst.

Den Jungen fehlt das Unrechtsbewusstsein

Die Zahl dürfte weiter zunehmen, warnen die Experten bei Ernst & Young. Denn besonders junge Verbraucher hätten wenig Bedenken, Fälschungen zu kaufen: Von den 18- bis 25-Jährigen würden nämlich bereits 43 Prozent bewusst Plagiate kaufen. «Insbesondere den Jungen fehlt das Unrechtsbewusstsein», so Rüdiger Stihl, vom deutschen Aktionskreises gegen Produkt- und Markenpiraterie und Mitautor der Studie.

Ausschlaggebend sei auch der grosse Preisunterschied zwischen Markenware und deren Fälschungen. «Viele Konsumenten halten Fälschungen für harmlos und freuen sich über das vermeintliche Schnäppchen», so Stihl. Doch dabei würden sowohl die Menschenrechtsverletzungen vergessen – denn die Fälscher setzten beispielsweise häufig auf Kinderarbeit – als auch ihre eigene Gesundheit und Sicherheit.

Das bestätigen auch die Experten bei Stop Piracy: Gefährlich seien gefälschte Waren besonders bei Medikamenten, bei mechanischen und computergesteuerten Ersatzteilen, z.B. Autozubehör, bei Genuss- und Lebensmitteln, bei Kinderspielzeug, das z.B. überdurchschnittlich mit Chemikalien belastet sei sowie bei Parfum, Kosmetika und Pflegeprodukten, die z.B. zu Hautirritationen führten.

Handtaschen sind am beliebtesten

Laut Erhebungen der eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) wurden in der Schweiz 2011 besonders viele gefälschte Handtaschen, Reisetaschen und Portemonnaies beschlagnahmt, gefolgt von Kleidern und Schuhen. «Grundsätzlich bleibt aber kein Wirtschaftszweig verschont», heisst es bei Stop Piracy. «Alles wird gefälscht oder unerlaubt kopiert, insbesondere bei leichter Verfügbarkeit über das Internet.»

Was die Herkunft der Plagiate anbelangt, so hat China mit grossem Abstand die Nase vorn: Das Reich der Mitte war laut EZV 2011 für fast 90 Prozent der Fälschungen verantwortlich, die in der Schweiz konfisziert wurden.

Fast perfekt gefälschte Luxusuhren

Und die Fälschungen aus China werden immer besser: Im Sommer dieses Jahres hat der Uhrenindustrieverband erstmals gefälschte Uhren mit mit komplexen Uhrwerken aus Fernost beschlagnahmt. Die Kopien seien auf den ersten Blick sogar für Experten schwierig zu entlarven, hiess es damals: «Die Fälscher beherrschen nunmehr die Herstellung von ultra-komplizierten Uhrwerken», sagte Michel Arnoux zu swsissinfo.ch. Arnoux ist Chef der Antifälschungs-Abteilung des Verbandes der Schweizerischen Uhrenindustrie.

«Der Schaden, der durch Fälschungen unserer Produkte verursacht wird, ist beträchtlich», klagt denn auch Béatrice Howald, Sprecherin der Swatch Gruppe im Gespräch mit 20 Minuten Online. Besonders Swatch-Marken aus dem höherpreisigen Segment würden oft kopiert oder gefälscht, beispielsweise diejenigen von Omega, Rado Longines, Blancpain oder Glashütte. Zudem entstünde nicht nur ein direkter Schaden, weil Kunden Fälschungen und nicht das Orignal kaufen: «Fälschungen beeinträchtigen das Image der Marke in Bezug auf Qualität, Zuverlässigkeit und Exklusivität.» Swatch-Group-Chef Nick Hayek nimmt in diesem Zusammenhang kein Blatt vor den Mund: «Die Fälschungen kosten die Uhrenindustrie jährlich Milliarden von Franken», schätzte er Anfang Jahr im Interview mit 20 Minuten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vernunft.CH am 15.12.2012 21:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Entweder oder

    Entweder habe ich das Geld für das Original oder ich lass es sein. Kopien schaden nicht nur der betroffenen Firma sondern können auch sehr gefährliche Stoffe enthalten. Berichte vom Zoll zeigen es immer wieder! Der also hier aktiv mitmacht, sollte wie in alten Zeiten ein paar hinter die Löffel bekommen. Punkt

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  • Tocodeti am 15.12.2012 22:27 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Umsatzverlust, sondern Werbung

    Coco Chanel Zitat: "Es macht mir nichts aus, wenn meine Taschen imitiert werden.Ich sehe es viel mehr als Anerkennung meiner Arbeit an." 1. wer sich das Orginal leisten kann wird es auch kaufen. 2.Jeder der ein Plagiat kauft ist somit kein verlorener Umsatzerbringer sondern ein Werbeträger ;-) 3. in den meissten Fällen lässt die Qualität zu wünschen übrig (wenn nicht Punkt 4 zutrifft) 4. und was wenige wissen ist, dass viele grosse Firmen die "Plagiate" selber produzieren lassen ;-) Solange ich in autorisierten Stores keins angeboten bekomme ist es ok ;-)

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  • Insider am 15.12.2012 21:39 Report Diesen Beitrag melden

    Fälschung

    Nachahmung und Fälschung ist nicht dasselbe, relevant ist die (Nicht)Verwendung des Original-Markenlogos.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sabrina am 17.12.2012 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Name wird bezahlt

    In der Regel ist die Billigkopie qualitativ besser als das teure Nameprodukt.

  • Pirat am 17.12.2012 12:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Qualität?

    Solange man besonders im Textilbereich für den achso hippen Namen anstelle der Qualität bezahlt wird es immer Produktepiraterie geben...

  • J.D. am 17.12.2012 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    Komlexe deshalb Kopien

    Die Jungen strotzen wohl vor Komplexen. So hätten sie es nicht nötig gefälsche Marken zu tragen. Wer es sich nicht leisten kann muss halt verzichten. ich würde nie eine Kopie tragen. Wie wäre es mit sparen wenn es einem sooo viel bedeutet teure Marken zu tragen?

  • Marco F. am 17.12.2012 10:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer etwas von sich hält...

    kauft kein Plagiat. Thema Uhren: Als Liebhaber exklusiver Uhren käme es mir nie in den Sinn ein Plagiat zu kaufen. Lieber eine original IWC vom Konzessionär weder 10 Plagiate von Ebay, Ricardo usw.

  • Der Spanier am 17.12.2012 09:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so soll es sein?

    wir verschieben die Produktion unsere Firmen nach Asien, zeigen wie es gemacht wird.u.s.w. ... mir überrascht es nicht, dass es danach kopiert wird Die Assiaten sind günstiger (Salär) aber nicht dumm!

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