Berufsausbildung

21. Juni 2018 21:20; Akt: 21.06.2018 21:20 Print

Warum muss ein Lehrling Französisch lernen?

von Isabel Strassheim - Der Arbeitgeberverband setzt weiter auf die klassische Berufslehre. Und auf Weiterbildung, für die auch Arbeitgeber zahlen sollten.

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Klassisches Handwerk: Schweizer Schreiner bereiten sich auf die Schweizer Meisterschaften vor. «In der Wirtschaft ist nach wie vor die klassische Lehre gefragt», sagt Jürg Zellweger, der beim Schweizerischen Arbeitgeberverband den Bereich Bildung leitet. Dennoch: Nur mit einer Berufslehre ist es nicht mehr getan. Bis im Jahr 2045 werden in der Schweiz 60 Prozent einen Abschluss aus der tertiären Stufe haben, wie es im Bildungsbericht 2018 heisst. Zum tertiären Sektor gehören Abschlüsse der ETH, von Universitäten und Fachhochschulen, aber auch Berufsprüfungen oder Abschlüsse von höheren Fachschulen. Der tertiäre Sektor steht damit nicht nur Maturanden offen, sondern auch Personen mit einer Berufslehre. Sie können etwa an einer höheren Fachschule eine Weiterbildung absolvieren. Das tun immer mehr Menschen in der Schweiz. Der Grund ist laut dem Bildungsbericht der technologische Wandel, der nach immer besser ausgebildeten Menschen verlangt. «Eine Lehre allein reicht heute nicht mehr», sagt auch Stefan Wolter, Bildungsökonom und Verfasser des Bildungsberichts. Weiterbildung sei heute zentral. Der SP-Nationalrat Matthias Aebischer sagt, es sei begrüssenswert, wenn viele Menschen einen Abschluss aus dem tertiären Sektor hätten. Mehr Unterstützung brauche es für passive und lethargische Menschen, die nicht von sich aus nach Weiterbildungen suchen. Der FDP-Nationalrat Fathi Derder macht sich Sorgen um die Berufslehre: Es würden heute Berufe ausgebildet, die es nicht mehr gebe, schrieb er in einer Anfrage an den Bundesrat. Das System müsse deshalb reformiert und die Berufslehre schneller den Anforderungen der Realität angepasst werden.

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Herr Zellweger*, bald wird die Mehrheit in der Schweiz einen Abschluss einer Uni oder einer Fachhochschule oder eine höhere Berufsbildung haben, braucht es die normale Lehre nicht mehr?
Wir sind als Arbeitgeber mit der Berufslehre und dem dualen Ausbildungssystem sehr zufrieden. Es können doch nicht alle Akademiker sein, das braucht es gar nicht. In der Wirtschaft ist nach wie vor die klassische Lehre gefragt.

Das Berufswissen wird immer komplexer, es werden aber auch Fächer wie Deutsch, Französisch oder Geschichte unterrichtet, sollten die entfallen?
Wir finden diese Mischung sehr sinnvoll. Es ist klar, dass sich die jungen Leute berufliches Fachwissen aneignen müssen, das immer umfassender wird. Aber es ist auch unbestritten, dass sie Staatsbürger sind und auch dazu solides Wissen und Urteilsfähigkeit brauchen.

Nach der Lehre fängt dann der Weiterbildungsstress an?
Zuerst kann man in der Berufspraxis Erfahrungen sammeln. Aber dann sollte es weitergehen, denn es ist klar, wir brauchen Fach- und Führungskräfte. Dazu nötig ist oft eine höhere Berufsausbildung. Das heisst: Nach der Lehre müssen die Fähigkeiten ausgebaut werden. Das ist sehr wichtig.

Und wer zahlt das?
Üblicherweise ist es so, dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer darüber einigen, wie man Kosten dafür aufteilt. Und auch die Zeit für die Weiterbildung. Es ist sinnvoll, hierüber eine Vereinbarung zu treffen, auch über die Wahl der Weiterbildung. Das ist von beidseitigem Nutzen.

Wie bringe ich meinen Arbeitgeber dazu?
Das ist nicht nur eine Sache des Arbeitnehmers. Auch der Arbeitgeber sollte die Weiterbildungsmöglichkeiten ansprechen. Und zwar regelmässig. Dafür eignet sich auch das Mitarbeitergespräch.


*Jürg Zellweger ist Leiter Bildung beim Schweizerischen Arbeitgeberverband.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Silvan Rasser am 21.06.2018 21:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Französisch

    Ich musste als Polygraf nach 3 Jahren Sek in der Berufsschule im Französisch wieder bei une und un anfangen. Völliger Schwachsinn das Franz. Dann schon eher Englisch

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  • Fritz Binggeli am 21.06.2018 21:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lesen und verstehen

    Was nützt es, wenn man sich in einer Fremdsprache radebrechend verstännigen kann, dass man in den Ferien ein Bier bestellen kann, aber im Berufsalltag nicht fähig ist einfache Aufträge in deutsch zu lesen und auch zu verstehen und umzusetzen.

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  • Prof.dr.med M. Håsselbørg am 21.06.2018 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    English

    Englisch ist wichtiger, da mit kommt man weiter. Auser man will in Murten ein Rüebli kaufen ;)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Neider am 22.06.2018 19:09 Report Diesen Beitrag melden

    und die Welschen?

    Wie viele welche Schüler, welche nicht gerade an der Sprachgrenze wohnen, sprechen und verstehen den Deutsch? Wer weiss es?

  • Ueli Burri am 22.06.2018 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht jeder Lehrling kann lernen

    Unser Nachbar-Bueb, der will und kann doch kein Franz, English oder Mathe lernen. Ist in Spez-Real. Er will auf den Bau Liftschacht montieren, oder bei der Sihlpost Briefe sortieren oder vielleicht im Zoo die Kaefige reinigen.

  • English am 22.06.2018 14:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    English is the common language

    Eigentlich bedenklich aber oft erlebt, dass zwischen Deutsch-CHler und Welschen Englich gesprochen wird. So viel zu Franzoesisch und umgekehrt Deuetsch in der CH.

  • Mr. Sprachli am 22.06.2018 14:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CH Abseits

    Die CH ist fuerchterlich im Abseits mit Sprachen. Die jeweilige andere Landessprache beherrscht man eigentlich nicht und das English ist bei den meisten bedenklich schlecht (es gibt selbstverstaendlich Ausnahmen). Ich war vor 2 Jahren in Sued-Italien und war ueberrascht wie gut die Jungen Englisch sprachen.

  • frau am 22.06.2018 14:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    franzi

    habe früher als malerin gearbeitet. mein chef sagte eines tages zu mir, es komme heute ein temporär angestellter auf die baustelle, um mir zu helfen. als er da war, konnte er nur französisch. Ich kann schon etwas französisch, aber wie sagt man pinsel, zange, rollgerüst, schraubenzieher, spachtel usw auf franz?? ich konnte ihm nicht mal sahen, was er machen soll. er durfte dann wieder gehen..

    • Ueli Burri am 22.06.2018 17:24 Report Diesen Beitrag melden

      auf dem Bau ist es geil

      @Frau: Mein Nachbar Sohn will auch kein Franz. lernen. Er will auf dem Bau Liftschacht montieren. Ist es gut?

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