Prämienrunde

01. Oktober 2010 09:03; Akt: 21.06.2011 17:24 Print

So stark steigen die Prämien durchschnittlich

Jetzt sind sie da, die definitiven Prämien. Der Aufschlag ist erneut happig: Für Erwachsene steigen sie im Mittel um 6,5 Prozent. Eine Übersicht.

Kanton Prämie 2010 Prämie 2011 Differenz 2010/2011
NW 255.77 282.20 10,3%
ZG 291.24 316.61 8,7%
BE 385.72 418.97 8,6%
OW 282.93 307.24 8,6%
BL 368.39 398.77 8,2%
UR 285.15 308.45 8,2%
AI 257.03 277.21 7,9%
GL 296.43 319.37 7,7%
AG 326.20 351.06 7,6%
SO 326.36 351.00 7,5%
VS 300.04 322.10 7,3%
LU 309.15 331.69 7,3%
BS 452.42 484.16 7,0%
ZH 339.60 362.77 6,8%
AR 276.80 295.22 6,7%
SG 310.69 331.39 6,7%
Schweiz 351.05 373.82 6,5%
SH 333.09 354.55 6,4%
TI 386.73 411.30 6,4%
SZ 302.10 320.44 6,1%
FR 324.95 343.73 5,8%
TG 321.95 337.58 4,9%
GR 298.83 312.67 4,6%
VD 395.49 412.83 4,4%
JU 364.76 379.84 4,1%
GE 435.36 449.50 3,2%
NE 381.86 390.00 2,1%

Für Erwachsene ab 26 Jahren mit 300 Franken Franchise steigen die Prämien der Grundversicherung um durchschnittlich 6,5 Prozent.

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Junge Menschen bekommen die steigenden Krankenkassenprämien im kommenden Jahr stärker zu spüren als Erwachsene und Kinder. Ihre Prämien steigen im Mittel um 11,8 Prozent, weil mehrere Kassen die Rabatte für 19- bis 25-Jährige ein weiteres Mal gesenkt haben.

Für Erwachsene ab 26 Jahren mit 300 Franken Franchise steigen die Prämien der Grundversicherung um durchschnittlich 6,5 Prozent. Die Kinderprämie (für bis 18-Jährige) erhöht sich um durchschnittlich 6,3 Prozent, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Freitag mitteilte.

Anstieg in der Deutschschweiz stärker

Damit sind die Aufschläge geringer als im vergangenen Jahr: Für 2010 mussten über 26-Jährige durchschnittlich 8,7 Prozent mehr Prämien bezahlen. Für junge Erwachsene stiegen die Prämien um 13,7 Prozent und für Kinder um 10 Prozent.

Dagegen liegt die jüngste Prämienerhöhung für Erwachsene leicht über dem Schnitt seit Einführung des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) im Jahr 1996. Die Unterschiede zwischen den Kantonen sind allerdings beträchtlich: Die Spannweite reicht von 2,1 Prozent im Kanton Neuenburg bis 10,3 Prozent im Kanton Nidwalden.

In der Deutschschweiz sind die Aufschläge tendenziell höher als in der Westschweiz. Das Wallis ist als einziger unter den zwölf Kantonen mit einem überdurchschnittlichen Prämienwachstum von 7,1 Prozent und mehr. Auf dieser Liste stehen ausserdem die Kantone AG, AI, BE, BL, GL, LU, NW, OW, SO, UR und ZG.

Unter dem Landesdurchschnitt liegt die Erhöhung in den Westschweizer Kantonen FR, GE, JU, NE und VD, aber auch in GR und TG. Im Mittelfeld liegen die Erhöhungen in den Kantonen AR, BS, SG, SH, SZ, TI und ZH; sie bewegen sich zwischen 6,1 und 7 Prozent.

Der Kanton mit der höchsten Erwachsenenprämie ist Basel-Stadt mit gerundeten 484 Franken. Dahinter folgen Genf mit 450 und Bern mit 419 Franken. Die tiefsten Prämien hat Appenzell-Innerrhoden mit 277 Franken. Günstig sind - trotz Aufschlag - Nidwalden mit 282 Franken und Appenzell-Ausserrhoden mit 295 Franken.

Verbände fordern Massnahmen

Politiker und Branchenverbände sind sich einig, dass dem Anstieg der Krankenkassenprämien entgegengewirkt werden muss. Jacques de Haller, Präsident der Ärztevereinigung FMH, fordert gar einen Systemwechsel, wie er am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte.

«Der Druck ist so gross, dass man bald nichts mehr anderes tun kann, als das System zu ändern», sagte de Haller. Er bezeichnete die Prämienerhöhung als «äusserst markant».

Insbesondere für Junge, Familien und Personen mit tiefem Einkommen habe der Anstieg eine «schmerzliche Grenze» erreicht, sagte Josianne Walpen von der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). Die SKS setzt bezüglich Einsparungen auf einen verfeinerten Risikoausgleich. «Krankenkassen dürfen nicht mehr Jagd auf junge, gesunde Versicherte machen».

Für die Stiftung für Patientenschutz (SPO) sind alle Beteiligten gefordert, dem Anstieg entgegenzuwirken. «Patienten dürfen nicht wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt rennen», sagte SPO-Präsidentin Margrit Kessler. Es müsse geprüft werden, ob teure Medikamente und Behandlungen aus dem Leistungskatalog gekippt werden könnten.

Burkhalter «zu passiv»

Der Preisüberwacher Stefan Meierhans dagegen sieht vor allem bei den Medikamenten Sparpotenzial. Hier müsse das Festbetragssystem eingeführt werden, das eine auf den Medikamenten-Wirkstoff bezogene Vergütung vorsieht. Die Kostenschraube sei ungenügend angezogen.

Für den Krankenversicherungs-Dachverband santésuisse führt kein Weg an kostendeckenden Prämien vorbei, wie Sprecher Felix Schneuwly sagte. Alles andere stamme aus der «Trickkiste».

Die Allianz «Gesunde Schweiz», der unter anderem die FMH, der Spitalverband H& sowie Travail.Suisse angehören, forderte dagegen eine nachhaltige Kostensenkung. Diese lasse sich nur durch Präventionsmassnahmen erreichen.

Problem nicht mehr wegzuzaubern

Bezüglich der steigenden Kosten wurde Kritik an der Politik laut. Bundesrat Didier Burkhalter sei zu passiv geblieben. «Er hätte Massnahmen ergreifen können, ohne auf das Parlament angewiesen zu sein», sagte Josianne Walpen von der SKS.

Die Gesundheitspolitik von Burkhalter sei «offensichtlich erfolglos», schreibt die SP Schweiz in einem Communiqué. Sie erinnerte an ihr Anliegen, eine Eidgenössische Volksinitiative für eine öffentliche Gesundheitskasse zu lancieren.

Dem Parlament Schelte erteilte FMH-Präsident Jacques de Haller. Er verwies auf das Scheitern des vom ehemaligen Gesundheitsminister Pascal Couchepin geschnürten Massnahmenpaketes zur Senkung der Kosten. Dieses Problem lasse sich nicht mehr wegzaubern.

(sda)