Krankenkassen

29. September 2010 13:17; Akt: 29.09.2010 13:30 Print

So sparen Sie Prämien

von Othmar Bamert - 7 bis 12 Prozent steigen die Krankenkassenprämien 2011. Es lohnt sich also zu sparen. Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

storybild

Keine freie Arztwahl, jedoch persönliche Betreuung durch denselben Arzt: Mit dem Hausarzt-Modell lässt sich ebenfalls Prämie sparen. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Es wird wieder teuer: Die Krankenkassenprämien steigen für Erwachsene im nächsten Jahr um durchschnittlich 8 Prozent an. Versicherte zwischen 19 und 25 Jahren müssen mit 12 Prozent teureren Prämien rechnen, wie der Vergleichsdienst Comnparis.ch mitteilte. Noch schlimmer siehts für Versicherte mit hohen Franchisen aus: Während bei einer Franchise von 300 Franken die Prämien um 8 Prozent steigen, fallen sie bei Franchisen von 2500 Franken um 12 Prozent höher aus. Zeit, die wichtigsten Fragen rund um Prämien, Franchisen und Selbstbehalte zu beantworten.

Wie spare ich bei der Grundversicherung?

Bei der Grundversicherung bieten alle Kassen die gleichen Leistungen. Trotzdem sind sie unterschiedlich teuer. Das macht den Prämienvergleich einfach. Aber aufgepasst: Unterschiedlich ist der Service. Bei einigen Kassen müssen Rechnungen beispielsweise während des ganzen Jahres gesammelt und erst dann zur Rückforderung eingereicht werden. Auch ist der Kundendienst nicht überall gleich gut erreichbar. Oder Serviceleistungen müssen über das Internet angefordert werden. Solche Aspekte sind wichtig für Personen, die regelmässig Leistungen im Gesundheitswesen beziehen.

Welche alternative Grundversicherungsmodelle gibt es?

Bei alternativen Grundversicherungsmodellen ist man verpflichtet, als Erstes entweder den Hausarzt zu konsultieren, ein Gesundheitszentrum (HMO) aufzusuchen oder sich bei einem Telemedizindienst zu melden. Dafür gibt es bis zu 20 Prozent Rabatt. Im Gegensatz zum Standardmodell besteht also zumindest beim Hausarzt- und HMO-Modell keine unbeschränkte freie Arztwahl.

Sowohl Hausarzt- als auch das HMO-Modell (so genannte Managed-Care-Versicherungen) bieten aber auch Vorteile: Die persönliche Beziehung zum Arzt oder die Verfügbarkeit von Gesundheitszentren auch zu Randzeiten.

Eine weitere Möglichkeit sind Versicherungen mit Arzt- oder Spitallisten. Hier zahlt die Krankenkasse nur Behandlungen bei ausgewählten Leistungserbringern. Der Versicherte kann hierbei frei unter den in der Liste aufgeführten Leistungserbringern wählen. Der Prämienrabatt kann hier ebenfalls bis zu 20 Prozent betragen.

Wie viel spare ich mit der Wahlfranchise?

Die Franchise ist die Kostenschwelle, ab der die Krankenkasse Grundversicherungsleistungen wie Arzt- und Medikamentenkosten übernimmt. Höhere Franchisen werden mit einem Prämienrabatt belohnt. Die Bandbreite reicht von 300 bis 2500 Franken. Grundsätzlich gilt: Wer gesund ist, kann eine höhere Franchise riskieren, wer oft zum Arzt geht, wählt eher eine tiefe. Zu beachten gilt es: Die Maximalfranchise würde sich für dreimal mehr Personen lohnen als diese heute tatsächlich wählen. Die maximale Rabattsumme beträgt maximal 70 Prozent der zusätzlichen Kostenbeteiligung. Das sind bei der Franchise von 2500 Franken also 1540 Franken. Wer pro Jahr Grundversicherungsleistungen in Anspruch nimmt, die weniger als 1540 Franken kosten, spart somit bei der Wahl der maximalen Franchise. Für die tieferen Franchisen ist die Berechnung des Sparpotenzials schwieriger. Hier entscheidet vor allem die finanzielle Tragbarkeit.

Kann ich den Selbstbehalt wählen?

Nein, im Gegensatz zur Franchise ist der Selbstbehalt nicht wählbar. Der Selbstbehalt ist eine prozentuale Übernahme der Gesundheitskosten. Sobald diese Kosten den Betrag der Franchise erreicht haben, übernimmt der Versicherte einen Selbstbehalt von 10 Prozent (bis zu einem Betrag von maximal 700 Franken, Kindern 350 Franken pro Jahr) für Behandlung und Generika-Medikamente. 20 Prozent müssen Patienten bei der Verschreibung von Originalmedikamenten bezahlen. In der Apotheke oder beim Arzt nach Generika zu fragen, lohnt sich deshalb.

Kann ich die Unfalldeckung ablehnen?

Wer mindestens acht Stunden pro Woche bei einem Arbeitgeber angestellt ist, kann die Unfalldeckung bei der Krankenkasse ablehnen und spart damit bis zu 10 Prozent Prämie.

Wie spare ich bei der Zusatzversicherung?

Bei der Zusatzversicherung gehen vor allem die Zusatzversicherungen für einen Spitalaufenthalt ins Geld. Vor allem in grossen Kantonen lohnt sich für gesunde Personen die Spitalkostendeckung ausserhalb des Wohnkantons nicht, da Notfälle nicht unter diese Einschränkung fallen. Mit der sogenannten «Hotelversicherung» erhält man ein Spitalzimmer mit höherem Standard, ohne gleich das ganze Leistungspaket der teuren Spitalzusatzversicherung (u.a. freie Arzt- und Spitalwahl, raschere Behandlung bei Wahleingriffen) zu kaufen.

Da die Krankenversicherer bei den Zusatzversicherungen keinen Aufnahmezwang haben, sollte man sich allerdings schon als gesunde Person in jungen Jahren Gedanken darüber machen, wie man später im Krankheitsfall behandelt werden will. Denn für Personen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen sowie ab einem gewissen Alter ist es oft unmöglich, eine Spital-Zusatzversicherung abzuschliessen.

Die volle Freiheit bei der Arzt- und Spitalwahl gewähren nur «echte» Privatversicherungen. Sparen kann man aber mit dem Abschluss einer Halbprivatversicherung statt einer Privatversicherung. Damit wird man zwar in einem Zweibettzimmer untergebracht, geniesst jedoch ebenfalls eine privilegierte medizinische Behandlung.

Prämienrabatte gewähren die Versicherer auch bei der Übernahme eines höheren Selbstbehaltes. Hier muss die finanzielle Tragbarkeit gegen die Wahrscheinlichkeit eines Spitalaufenthaltes abgewogen werden. Und Achtung: Will man im Nachhinein die Höhe des Selbstbehaltes ändern, ist eine erneute Gesundheitsprüfung durch den Versicherer nötig.

Manche Versicherungen bieten zudem Privat-Spitalversicherungen, deren Prämien nicht im Laufe des Lebens ständig ansteigen, sondern plafoniert sind. Auch so lässt sich Geld sparen.

Was sind Flexversicherungen?

Bei einer Flexversicherung entscheidet man sich erst beim Spitaleintritt für die allgemeine, halbprivate oder private Abteilung. Der Versicherte bezahlt zwar tiefere Prämien als für Privat- oder Halbprivatversicherungen, muss sich aber an den Behandlungskosten beteiligen.

Wann muss ich kündigen?

Für Zusatzversicherung gelten in der Regel dreimonatige Kündigungsfristen; das heisst die Kündigung auf Jahresende muss noch im September bei der Versicherung eingetroffen und bestätigt sein.

Achtung beim Wechsel der Zusatzversicherung: Da die Kasse Versicherte ablehnen kann, ist es wichtig, bei der alten Kasse erst zu kündigen, wenn die neue Kasse die Aufnahme schriftlich bestätigt hat. Bei Zusatzversicherungen verlangen die Versicherer in der Regel eine Gesundheitsprüfung. Wer hier schummelt und später wegen einer schon bei der Aufnahme in die Versicherung bekannten Krankheit behandelt werden muss, dem drohen Kostenübernahmeverweigerung und Kündigung.

Für die Grundversicherung gilt eine Kündigungsfrist von einem Monat; die Kündigung muss bis Ende November bei der Krankenkasse eingehen.

Wo muss ich noch aufpassen?

Billigkassen gehen bisweilen sehr aggressiv auf Kundenfang. Häufig lassen sich Leute vorschnell auf einen Vertrag ein und bereuen es nachher. Wichtig ist also: Erst alle Unterlagen durchlesen und verstehen, dann erst unterschreiben.