Krankenkasse

02. Oktober 2010 12:32; Akt: 02.10.2010 12:33 Print

6,5 % mehr Prämie - jetzt Kasse wechseln

von Sandro Spaeth - Erneuter Prämienschock: Die Krankenkassentarife steigen 2011 laut Bundsamt um 6,5 Prozent. Darum lohnt sich der Prämienvergleich und ein allfälliger Wechsel der Kasse. 20 Minuten Online sagt, worauf es ankommt.

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Während die Gesundheitskosten in den vergangenen Jahren im Schnitt um 5 Prozent kletterten, stiegen die Prämien der Grundversicherung nicht immer im gleichen Ausmass. Der Grund: Die Grundversicherungsprämien müssen vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) bewilligt werden. Aufs kommende Jahr steigen sie im Schnitt um 6,5 Prozent, was dem Betrag von 22.80 Franken im Monat entsprich. Diese offizielle Zahl widerspiegelt aber nur die halbe Wahrheit. Denn: Sie gilt für eine erwachsene Person ab 26 Jahren mit der Franchise von 300 Franken inklusive Unfalldeckung.

Zwar fällt der angekündigte Prämienanstieg von 6,5 Prozent aufs 2011 um 2,2 Prozentpunkte geringer aus als im Vorjahr. Die Durchschnittsprämie der «Gesundheitstechnokraten» gilt aber nur etwa für 10 Prozent der Bevölkerung. Individuelle Prämienanstiege können insbesondere bei jungen Erwachsenen mit hohen Franchisen bis zu 12 Prozent betragen. Der Grund: Das BAG hat den maximalen Rabatt für 19 bis 25-jährige Versicherte auf die Erwachsenenprämie auf 15 Prozent beschränkt.

Grundversicherung: Alle müssen aufgenommen werden

Unterschiedlich gestraft werden auch die Bewohner der einzelnen Kantone. Während Basel-Stadt mit 484 Franken pro Monat zur Prämienhölle wird, ist Appenzell-Innerrhoden mit 277 Franken das wahre Prämienparadies. Wie es um die eigene Monatsprämie steht und welcher Anbieter der günstigste ist, zeigt der 20 Minuten Prämienrechner . Hier wird sofort klar für wen es ratsam ist den Anbieter zu wechseln. Wichtig: In der Grundversicherung sind die Anbieter verpflichtet alle Antragssteller vorbehaltlos und ohne Wartefrist aufzunehmen. Der Gesundheitszustand und das Alters spielen keine Rolle. Was viele immer noch nicht wissen: Man muss Grund- und Zusatzversicherungen nicht beim selben Anbieter haben.

Teure Grundversicherungen bieten die gleichen Leistungen wie günstige

Bis Ende Oktober müssen die Krankenkassen nun ihre Versicherten einzeln über die für sie geltenden Prämien, die angebotenen Franchisen und die dabei gewährten Rabatte informieren. Wichtig ist: Eine teure Versicherung ist nicht besser als eine günstige, denn alle Anbieter müssen von Gesetzes wegen die gleichen Leistungen vergüten. Versicherte haben nun bis am 30. November (Achtung: an diesem Tag muss der Brief bei der Krankenkasse eintreffen) die Möglichkeit, per Ende Jahr zu kündigen. Aber Vorsicht: Der Kassenwechsel kann nur im Fall von bezahlter Prämien stattfinden. Ist man mit den Zahlung in Verzug, ist ein Wechsel nicht möglich.

Zusatzversicherung: Kündigungsfrist meist abgelaufen

Anders als bei der Grundversicherung ist es bei den Zusatzversicherungen. Hier kann man nicht so leicht ausstiegen. Je nach Versicherer existieren sogar Mehrjahresverträge von bis zu 5 Jahren. Wer erst durch die aktuelle Prämienankündigung des BAG vom 1. Oktober wachgerüttelt wurde, hat die Kündigungsfrist für die Zusatzversicherung verpasst. Sie ist am Vortag (30. September) abgelaufen. Einige Versicherer kennen sogar eine Kündigungsfrist von 6 Monaten bei der Zusatzversicherung für eine Vertragsauflösung per Jahresende.

Eine kleine Chance für den Wechsel der Zusatzversicherung besteht aber dennoch: Sollte der Anbieter seine Prämie erhöhen, wäre eine Kündigung innerhalb einer Frist nach Erhalt der Mitteilung über den Prämienanstieg möglich. (Details dazu finden sich in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Versicherung.) Experten gehen aber nicht davon aus, dass die Prämien der Zusatzversicherungen nach dem Anstieg von letztem Jahr erneut aufschlagen.

Heikler Wechsel der Zusatzversicherung

Der Wechsel oder die Aufnahme in eine Zusatzversicherung ist aber nicht so unproblematisch wie in der Grundversicherung. Bei den Zusatzversicherungen können Krankenkassen Vorbehalte anbringen oder gar die Aufnahme ablehnen. Antragssteller sind zudem verpflichtet, wahrheitsgetreu einen Fragebogen zur Gesundheit zu beantworten.

Zudem gilt es beim Wechsel der Zusatzversicherung zu beachten: Wer die alte Zusatzversicherung kündigt, bevor er definitiv bei der Neuen untergekommen ist, läuft Gefahr, dass die neue Kasse ihn ablehnt oder nur unter Vorbehalten aufnimmt. Ebenfalls kann eine Rückkehr zur bisherigen Zusatzversicherung verweigert werden.