Krankenkassenvermittler

05. Oktober 2010 18:16; Akt: 05.10.2010 18:20 Print

«Es gibt schwarze Schafe»

von Othmar Bamert - Selbständige Vermittler kassieren von den Krankenkassen Provisionen für Abschlüsse. Nicht alle sind dabei neutral. Wichtig für Kunden: Vollständige Transparenz verlangen.

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Berater: Hilfreiche Dienstleister, aber auch einige schwarze Schafe. (Bild: Keystone)

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Unabhängige, sogenannte «ungebundene» Versicherungsberater bieten ihren Kunden einen neutralen Vergleich aller Anbieter, bringen damit Ordnung in das Versicherungswirrwar und holen für den Kunden die für ihn finanziell und versicherungstechnisch beste Lösung heraus. Das ist der Idealfall.

Doch nicht alle unabhängige Krankenkassenberater arbeiten so unabhängig, wie sie vorgeben. Einige verkaufen ganz simpel Policen von lediglich einer Versicherung und lassen sich dafür fürstlich entlöhnen. So deckte der «K-Tipp» Ende Juni auf, dass die Versicherungsverkäufer von «Cash4media» lediglich Policen der Groupe Mutuel verkauften. Ausserdem waren die laut Eigenwerbung «unabhängigen Fachspezialisten» nur an gesunden – also für die Versicherung kostengünstigen – Menschen interessiert, wie aus einem internen Leitfaden für Beratungsgespräche hervorging. Für diese «Beratungsleistung» kassierten die Berater hohe Gagen von der Krankenkasse, so die Verbraucherschützer.

Gift für die Reputation der Broker

Moritz Kuhn vom Verband Schweizerischer Versicherungsbroker (Siba) kritisiert das Verhalten von Maklern bzw. «schwarzen Schafen», welche im Bereich der obligatorischen Krankenversicherung unnötig Policen umplatzieren: «Missbräuche sollten von den Aufsichtsbehörden - der Finma und dem BAG - geahndet werden», sonst würden einzelne dieser Berater den sonst guten Ruf der unabhängigen Versicherungsbroker tangieren, so Kuhn. Die Siba sei sehr an Transparenz interessiert. «Die Kunden sollen vom Broker eine gute Dienstleistung erhalten. Dazu gehören einerseits klare Informationen über die konsultierten Versicherungen und andererseits über Provisionen», so der Siba-Präsident weiter. Der Siba vebiete auch die Entgegennhme von volumenabhängigen Zusatzentschädigungen. Dies stehe auch im Code of Conduct des Verbandes, und wer diese nicht einhalte, könne ausgeschlossen werden.

Verbot von Maklerprovision in Vorbereitung

Den Politikern sind vor allem die Maklerprovisionen der Krankenkassen ein Dorn im Auge, denn diese verteuern die Prämien. Deshalb beschlossen National- und Ständerat bereits im Frühjahr, die Maklerprovisionen kurzerhand zu verbieten. Das Sparpotential ist allerdings umstritten; die Initianten des Verbots sehen Entlastungen des Gesundheitssystems von bis zu 200 Millionen Franken jährlich, während die Siba lediglich von Einsparungen von rund 20 Millionen ausgeht. Da die Differenzbereinigung noch nicht abgeschlossen ist, hat der Entscheid auf die Prämien von 2011 noch keinen Einfluss.

Der Krankenkassenverband santésuisse unterstützt das Maklerprovisionsverbot nach einem Mehrheitsentscheid des Verwaltungsrats am 29. April. Ausschlaggebend seien die «Qualitätsprobleme» bei einem Teil der externen Call Centers und Makler, welche zunehmend ein schlechtes Licht auf diese Art der Kundenwerbung geworfen hätten, sagte santésuisse-Sprecher Felix Schneuwly gegenüber 20 Minuten Online.

Einblick in den Deal verlangen

Die Kontrolle der Versicherungsvermittler obliegt der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht Finma. Diese führt ein Register mit eingetragenen Versicherungsvermittlern, die für einen Eintrag Kriterien wie berufliche Qualifikation, Haftpflichtschutz im Falle allfälliger Fehlberatungen oder auch persönliche Voraussetzungen (keine strafrechtlichen Einträge, etc.) erfüllen muss. Doch die Finma verfügt nicht über die Ressourcen für eine flächendeckende regelmässige Kontrolle aller 12800 im Register eingetragenen Versicherungsvermittler. Die Finma mache aber Stichproben, Vorortkontrollen und verfolge Verdachtsfälle, auf die sie z. B. aufgrund von Hinweisen gestossen ist, sagt Finma-Sprecher Tobias Lux.

So bleibt es letztendlich am Kunden hängen, den Berater direkt zu prüfen. Gemäss Finma-Sprecher müsse der Versicherungsvermittler Auskunft über eine ganze Reihe von Fragen geben, z.B. mit welchen Versicherungen er zusammenarbeitet. «Zur Auskunft über Provisionen ist er allerdings nicht verpflichtet. Fragen kann der Kunde aber trotzdem.» Und dann sei das bei den Versicherungsvermittlern wie überall, wo beraten wird: «Die Beratung und die gemachten Informationen müssen überzeugen, sonst sollte man besser keine Verträge unterschreiben», rät Lux.