Verhaltenskodex

20. Januar 2011 11:45; Akt: 21.06.2011 17:20 Print

Krankenkassen nehmen Makler an die Leine

Mit einem Verbot von Telefonwerbung und einer Obergrenze für Provisionen will santésuisse aggressive Versicherungsvermittler zurückbinden.

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Mit einem Verhaltenskodex will santésuisse den schwarzen Schafen der Maklerzunft den Wind aus den Segeln nehmen. (Bild: colourbox.com)

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Die Krankenkassen verpflichten sich, das Marketing zur Anwerbung von Grundversicherten stark einzuschränken und zu regeln. Durch den Verhaltenskodex erhoffen sich das Departement des Innern (EDI) und santésuisse Einsparungen zwischen 60 und 100 Millionen Franken.

Allgemeine Telefonwerbung - so genannte Kaltakquisition - darf laut der Vereinbarung nicht mehr aus der Grundversicherung bezahlt werden. Beratung am Telefon bleibe aber zulässig, wenn Kunden ausdrücklich damit einverstanden seien, sagte Stefan Kaufmann, Direktor von santésuisse, am Donnerstag in Bern vor den Medien.

Provision von maximal 50 Franken

Die Kassen verpflichten sich zudem, für die Grundversicherung auf telefonische Kaltakquisition zu verzichten. Vermitteln Makler oder Internetdienste in der Grundversicherung, darf die Provision pro Abschluss maximal 50 Franken betragen - sie darf der Grundversicherung belastet werden.

Zurzeit würden Provisionen von 75 bis 100 Franken bezahlt, sagte Kaufmann dazu. Schliesslich dürfen Kassen gemäss der Vereinbarung nur noch mit Maklern und Vermittlern zusammenarbeiten, die sie unter Vertrag genommen haben.

Dieser soll Rechte und Pflichten festhalten, aber auch Qualitätsanforderungen an die Vermittler. Bei Verstössen der Makler müssen die Kassen Sanktionen ergreifen. Untersagt wird «wildes» Makeln. Die Branche will damit qualitativ unbefriedigende Vermittler ausschalten.

Einsparungen von 60 bis 100 Millionen

Die Versicherten sollen vom Verhaltenskodex profitieren: santésuisse und das EDI sprechen übereinstimmend von 60 bis 100 Millionen Franken pro Jahr, die dank der Einschränkung eingespart werden können. Der genaue Betrag hänge vom Markt ab, sagte Kaufmann. Ein Kriterium sei die Anzahl Kassenwechsel.

Kassen mit 90 Prozent aller Versicherten haben den Vertrag laut santésuisse-Präsident Claude Ruey bereits unterzeichnet. Die übrigen Kassen haben nun bis Ende Januar Zeit, beizutreten.

Die Vereinbarung sei das Resultat gemeinsamer Gespräche, sagte Ruey und schrieb das EDI. Laut Ruey hätte das Innendepartement per Verordnung verbieten wollen, dass künftig Geld aus der Grundversicherung für Telefonwerbung und Makler ausgegeben wird.

«Kaltakquisition wäre damit einfach über die Zusatzversicherung finanziert worden», sagte Ruey. Und die Versicherten hätten sich weiterhin über störende Werbeanrufe ärgern müssen. Deshalb sei nach einer besseren, praktikablen Lösung gesucht worden.

EDI: Verordnung nicht mehr nötig

Das EDI will «das Inkrafttreten und die Umsetzung» der Vereinbarung aufmerksam mitverfolgen, wie es schrieb. Die vom Departement geplante Verordnung sei nun nicht mehr nötig, sagte Sprecher Jean-Marc Crevoisier auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Telefonmarketing und Maklertätigkeiten sowie mögliche Eingriffe durch die Behörden sollen laut Crevoisier auch ins geplante Aufsichtsgesetz über die Krankenkassen aufgenommen werden. Die Vernehmlassung werde voraussichtlich im Februar beginnen, sagte er.

Die Kassen interessieren sich zudem für den vom Bundesamt für Gesundheit gratis angebotenen Prämienrechner, wie das EDI feststellte. Der Rechner habe ein Sparpotenzial von 20 Millionen Franken jährlich zu Gunsten der Versicherten.

(sda)