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04. November 2017 09:07; Akt: 04.11.2017 09:07 Print

Znüni-Sünden – alles Banane oder was?

von Jürg Hösli - Apfelsaft, Honigbrot und Banane sind in vielen Schulen tabu. Znüni-Verbote locken kleine Schleckmäuler aber erst recht an die Guetsli-Dose.

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Bananen gelten in mancher Schule als «Junkfood». Sind die süssen Früchtchen als Pausensnack wirklich gefährlich? (Bild: Lsophoto)

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Es war einmal eine Schule im Zürcherland, da waren Pausenbrote mit Honig unerwünscht. Sie seien Teufelswerk, die den Zähnen der Kinder schadeten, lautete das Dekret der Obrigkeit. Auch Bananen, Fruchtsäfte, Fruchtjoghurts und Dörrobst standen auf dem Index der Schrecken bringenden Lebensmitteln. Diese würden nur die Lust auf Süsses verstärken und die Kinder der ewigen Verdammnis näherbringen.

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Was halten Sie vom Bananen-Verbot an Schulen und Kindergärten?

Leider ist dieses Märchen zumindest im Kanton Zürich allgegenwärtig und man darf sich fragen, wie wir Eltern das früher in den Schulen überlebt haben, als wir noch Salamibrote in die Schule gebracht haben, einen Schokoriegel oder einen Apfelsaft.

Zwar ist es leider ein Fakt: Es gibt immer mehr übergewichtige Kinder. Natürlich soll sich dieser Trend nicht weiter fortsetzen, und das Schuldepartement wollte seinen Beitrag dazu leisten. Ein sicherlich löblicher Gedanke, aber leider wird hier weit über das Ziel hinausgeschossen. Dass ein Bananen-Verbot einen grossen Einfluss auf den Trend hat, darf angezweifelt werden. Warum aber?

Die Banane ist besser als ihr Ruf

Kinder im Lebensalter von zehn Jahren brauchen aufgrund ihres Wachstums rund 2000 Kilokalorien. Dies entspricht drei Vollmahlzeiten sowie zwei Zwischenmahlzeiten vom Umfang einer halben Vollmahlzeit! Wenn das Kind zusätzlich Sport betreibt, kann der Verbrauch noch 300 bis 600 Kalorien höher liegen. Das Kind sollte beispielsweise mit einem Zmorge von rund 70 Gramm Haferflocken, 150 Gramm Früchten, 150 Gramm Quark und einem Deziliter Milch in den Tag starten. Testen Sie dieses Frühstück einmal – Sie werden sehen, wie viel das ist.

Was passiert, wenn das Kind am Morgen, wie in den meisten Familien, deutlich weniger isst: Die Konzentrationsfähigkeit des Kindes bricht im Laufe des frühen Vormittags ein. Das Hirn braucht bekanntlich Kohlenhydrate und das mit rund 130 Gramm pro Tag nicht allzu knapp. Kein Problem, denken wir, jetzt kommt der Znüni und wir können ein paar wichtige Kohlenhydrate nachschieben. Nun sagt das Schul- und Sportdepartement des Kantons Zürich, eine Banane enthalte zu viel Zucker und sei darum schlecht für die Kinder.

Frontalangriff auf die Guetsli-Dose

Doch schauen wir etwas genauer hin: Bananen erhöhen den Blutzuckerspiegel nicht schneller als Reis. Sollte also kein Problem sein. Unser Beispiel-Kind braucht als Znüni rund 250 Kilokalorien: Das wären also eine Banane, ein Früchtejoghurt und ein Rüebli. Leider steht das alles auf der schwarzen Liste des Departements. Will das Kind genügend essen, damit es auch die nötige Energie bekommt, muss es also ein Kilo Rüebli essen oder ein halbes Kilogramm Rüebli und eine kleine Handvoll Nüsse. Das Kind hat sicherlich Freude daran.

Isst das Kind weniger, hat es in der Schule kaum Energie, um wirklich etwas zu leisten.Wenn es nach Hause kommt, hat es Heisshunger und plündert zuerst die Guetslidose, isst Chips oder Weissbrot. Wer morgens zu wenig Kohlenhydrate isst, hat später umso mehr Lust auf Süsses, Salziges oder Brot. So gesehen schiesst die Massnahme des Departements nicht nur über das Ziel hinaus, sondern ist bei näherer Betrachtung sogar äusserst fraglich.

Am Ziel vorbei

Was Kinder brauchen, ist eine Ess- und Tagesstruktur, und wir Eltern das Bewusstsein, dass ein Kind oft genauso viel essen muss wie ein Erwachsener. Isst es zu wenig, insbesondere zum Frühstück, entwickelt es – wie übrigens auch wir Erwachsenen – deutlich mehr Lust auf «Verbotenes». Da lässt die Gewichtszunahme nicht lange auf sich warten.

Je schlechter die Tagesstruktur, desto anfälliger sind die Kinder auf Süsses. Schülern die Banane zu streichen, führt zu Kopfschütteln und Verwunderung, aber keineswegs zu den Zielen, die durch die Weisung hätten erreicht werden sollen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mama am 04.11.2017 09:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geheimnis

    Mein Kind kriegt süesses wann es will! Der Süssikeitenschrank ist frei zugänglich! Aber da das Kind IMMER darf wird nie gehamstert, wird nie gestopft oder gebunkert! Es nimmt sich einfach ab und zu etwas! Gewicht normal, Zähne tip top! Zudem isst es Gemüse, Früchte usw....Das Geheimnis: von allem etwas geben und nichts verbieten!!

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  • Affentheater am 04.11.2017 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Bananen-Terror

    Wie bitte? Ein Rüebli steht auch auf der schwarzen Liste des Departements? - Oh mein Gott, in welchem Land befinden wir uns gerade?? Das Leben in der Schweiz ist wirklich kompliziert geworden... Kein Wunder, landen schon Teenager oder 20-jährige im Burn-Out. Da könnte man glatt die RS in die Primarschule integrieren, ohne dass jemand etwas davon merkt... Die Schweiz scheint ein Problem mit Überbeelterung, Überbehütung, Überpsychologisierung, Übersensibilisierung, Überbevormundung, Überbelehrung etc. zu haben, und zwar in vielen Bereichen der Gesellschaft, siehe solche Vorschriften, KESB, etc.

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  • Minnie_A am 04.11.2017 09:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bringt nix

    Solche Verbote kompensieren auch nicht die Unwissenheit mancher Eltern.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Trudi Gerster am 05.11.2017 15:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein mal Fleisch im Monat!

    Unsere Kinder (3) dürfen jeden Tag pro Kopf ein Fläschli Cola und eine ganze Schokolade zu sich nehmen. Der Rest ist aber nur Gemüse und Fleisch gibt es höchstens ein mal im Monat. Sie sind alle kerngesund!

  • Die Selbstverantwortliche am 05.11.2017 15:25 Report Diesen Beitrag melden

    Die Verantwortung der Eltern!

    Für mich ist ganz klar, dass die Schule da ist um Wissen zu vermitteln. Für die Erziehung sind die Eltern zuständig. Ich bin zum Beispiel jemand der fast nur Bananen oder Mandarinen isst, vom Rest der Früchte bekomme ich Atemnot und Ausschläge. Ich finde, wenn ein Kind nur Schoggi oder sonstige Süssigkeiten mit nimmt kann die Lehrperson beim Elterngespräch das Thema ansprechen. Interessant ist ja auch, dass die Kinder sehr gerne Znüni tauschen. Mit weniger Vorschriften wäre alles einfacher!

  • Tanzlehrer am 05.11.2017 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Witzig

    Die Lehrer essen natürlich Gepfeli und alles was sie wollen, im Lehrerzimmer. Die Schüler dürfen nicht mal eine Banane ? Was ist die Logik dahinter ?

  • Boris am 05.11.2017 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist etwas frech.

    Nicht die Schule entscheidet was unsere Kinder essen sollen. Das entscheiden die Eltern und die Kinder. So sollte das wenigstens sein.

  • Manuela am 05.11.2017 12:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Menschheit ist zu faul...

    Nicht die Lebens und Nahrungsmittel sind das Problem. Heute bewegen wir uns einfach zu wenig. Die Menschheit ist einfach faul. Faul und dumm. Aber anstelle den Fehler bei sich selber zu suchen, gibt man die Schuld weiter, ist auch viel bequemer. An dieser Stelle den verschiedenen Lebensmittel...

    • Trudi am 05.11.2017 15:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Manuela

      Ich esse jeden Tag Schokolade und trinke Cola. Trotzdem bin ich nicht dick! Ich bewege mich viel!

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