Fitness Challenge – Blog

23. Juni 2017 13:29; Akt: 23.06.2017 17:12 Print

«Vor lauter Frust wollte ich mich nur noch betrinken»

Julias Gewicht stagniert, was sie härter trifft als erwartet. Den Frust hat sie mit Wein runtergespült – aber nur, bis der Kalorienzähler in ihrem Kopf ansprang.

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Das bin ich nach dem letzten Check bei Erpse: Frustriert und mit Brett vor dem Kopf, das nach Biergarten schreit (in solchen Momenten ist die Bayerin in mir besonders ausgeprägt). Ausgelöst wurde diese Reaktion durch die Werte, die die böse Fett-Mess-Zange, auch Caliper-Zange genannt, beim letzten Check anzeigte. Mit dieser packt mein Experte Nilan bei jedem Besuch bestimmte Hautfalten (aua!) und misst so die Schichtdicke des Unterhautfettgewebes. Anhand der gemessenen Millimeter-Werte und mithilfe einer bestimmten Formel wird dann der Körperfettanteil berechnet. Dieses Mal zeigte sich, dass ich in den vergangenen drei Wochen ein bereits verlorenes halbes Kilo Fett wieder zugelegt habe. Genauer gesagt zeigte die Zange an, dass ich zwar an Bauch und Hüfte noch mal minimal schmaler geworden bin, an anderen Stellen aber wieder zugelegt habe. «Typisches Zeichen für körperlichen Stress und zu wenig Erholung», meint Nilan. Für mich heisst das nun: Vorerst kein zu hartes Gruppentraining (wie Indoor-Cycling) mehr, sondern mehr Workouts daheim auf dem Crosstrainer oder draussen auf dem Velo – in meinem eigenen Tempo. Und Yoga. Zur Entspannung. Und die Ernährung? Da werde ich mich noch genauer an meinen Ernährungsplan halten. Nach meinem letzten Blog-Eintrag haben mich ja einige von euch gefragt, was denn da genau drinsteht. Deshalb habe ich ein paar Bilder von den Sachen gemacht, die ich seit Beginn der Fitness Challenge täglich in mich hineinschaufle. Aber bitte beachtet: Den Plan hat mein Ernährungsdiagnostiker individuell auf mich und die Bedürfnisse meines Körpers zugeschnitten! Ich beginne morgens mit einem riiiiiesigen Müesli. Dieses besteht aus 50 g Haferflocken, 100 g Quark, 100 g Fruchtjoghurt und 150 g Früchten. Damit ich den monströsen Teller in Ruhe aufessen kann, stehe ich inzwischen sogar eine halbe Stunde früher auf. Da ich nie der Frühstückstyp war, wurde mir anfangs immer schlecht. Heute, zwei Monate später, stehe ich jeden Morgen mit Hunger auf und freue mich darauf. Zwischen Zmorge und Zmittag gibt es einen Snack. Der besteht bei mir aus 130 g Früchten und 20 g Nüssen. Am Mittag darf ich «normal, aber mit Verstand» in der Kantine oder auch im Resti essen. Das Menü muss einfach Protein, Gemüse/Salat und Kohlenhydrate enthalten. Selbst Thai-Essen ist ab und zu okay, sagt Nilan. Kartoffeln haben übrigens viel weniger Kohlehydrate als Reis, Pasta oder Quinoa. Deshalb darf ich davon am Mittag 250 g, von allem anderen hingegen nur 50 g essen. Wenn es so heiss ist wie jetzt, esse ich mittags auch gern nur Salat. Die Kohlenhydrate decke ich dann mit Kartoffeln/Linsen oder einem Brötli ab. Aber Achtung beim Dressing: 1 Esslöffel Olivenöl hat 120 Kalorien! Am Nachmittag ist wieder Snack-Time: Da stehen 200 g Früchte, 30 g Nüsse und Eiweiss an. Das Protein kann ich zum Beispiel in Form eines Eis, 125 g Hüttenkäse oder ... ... 40 g Feta zu mir nehmen. Auch 200 g Gemüse kann ich noch dazu essen. Für mich ist diese Zwischenmahlzeit aber am schwierigsten zum Einhalten. Sowohl im Büro als auch am Wochenende vergesse ich sie meistens – und dann gibts plötzlich schon wieder Abendessen. Beim Znacht sind die Mengeangaben optional, steht im Plan. Auf gut Deutsch heisst das wohl: Wenn du keinen Hunger mehr hast, brauchst du auch nicht zu essen. Oder einfach weniger. Das ist mir aber leider erst selten passiert (wohl auch, weil ich den zweiten Snack eben immer vergesse). Sonst darf ich genau so viel Protein und Gemüse/Salat essen wie sonst. Nur die Menge der Kohlenhydrate ist am Abend weniger: Statt 250 g Kartoffeln gibts nur 150 g, von allem anderen nur 30 g. Bei wenig Hunger kann ich sie auch ganz weglassen, so wie bei diesem Salat mit Fisch. Weil Sommer ist und ich Fleisch liebe, grillieren wir abends aber meistens. Cervelat und Bratwürste sind tabu. Fleisch oder Fisch sind laut unseren Experten die gesunde Alternative. Und wie gehts mir bei all dem Gefuttere? Ich bin definitiv ausgeglichener und belastbarer als vor der Challenge. Damals habe ich über Mittag nur schnell schnell was Kleines runtergewürgt und dafür abends richtig reingehauen. Auch die bösen Gelüste und der Heisshunger am Abend sind weg. Sollte sich daran irgendwann etwas ändern, müsste ich tagsüber einfach noch mehr Früchte essen, sagt Nilan. Ich hoffe jetzt aber einfach mal, dass das nicht nötig sein wird.

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Fehler gesehen?

Servus und hoi zäme

Da bin ich wieder und möchte auch gar nicht lange um den heissen Brei herumreden: Die siebte Woche der Fitness Challenge läuft – und ich bin immer noch gleich schwer wie vor knapp einem Monat. Das enthüllte die verdammte Waage beim inzwischen dritten Check bei Erpse in Winterthur und verpasste mir so einen ordentlichen Hieb in die Magengrube.

Die Tests zeigten, dass ich sogar ein bereits verlorenes halbes Kilo Fett wieder zugelegt habe. Aber wie zum Kuckuck ist das möglich? Seit fast zwei Monaten ernähre ich mich super bewusst und komplett schoggi- und alkoholabstinent! Die empfohlenen drei Mal Sport pro Woche ziehe ich eisern durch und ich bewege mich auch sonst 300-mal mehr als vor der Challenge.

Schon gewusst? Stress ist ein A***loch!

Die von mir gefürchtete Fettfalten-Mess-Zange (Erklärung in der Bildstrecke) enthüllte den Grund. Als Nilan, mein Betreuer, meine Röllchen damit packte, sagte er nur: «Dein Alltag ist grad wieder ziemlich stressig, stimmts?» – «Mmh, ja schon», murmelte ich und starrte dabei immer noch ungläubig und beleidigt auf die Waage.

Er könne das an der Entwicklung meiner Polster sehen, redete er weiter. Während ich zwar an Bauch und Hüfte schmaler geworden sei, hätte ich unter anderem am Rücken und den Oberschenkeln wieder ein bisschen zugelegt. «Typisches Zeichen für körperlichen Stress und zu wenig Erholung», so der Profi. «Aha», war meine einzige Reaktion. Nilan erklärte mir geduldig, dass mehr Stress mehr Säure in den Zellen bedeute und das wiederum blockiere die Fettverbrennung. «Na, toll!», sagte ich. «Scheisse!», dachte ich.

Nilan sprach mir Mut zu und ging jeden Punkt in meinem Ernährungs- und Trainingsplan noch mal mit mir durch. Dabei entschieden wir zum Beispiel, dass ich vorerst nicht mehr zum Indoor-Cycling gehen solle. Das, weil das harte Gruppen-Training im Moment mehr Stress als Entlastung für mich bedeutet. Dafür gibts ab sofort mehr Workouts daheim auf dem Crosstrainer oder draussen auf dem Velo – und zwar in meinem ganz eigenen Tempo. Und Yoga. Zur Entspannung.

«Streich ja nicht die Kohlenhydrate!»

Meine Frage, ob wir nicht einfach die Kohlenhydrate vom Essensplan streichen könnten, um den Zeiger auf der Waage endlich nach unten zu bewegen, beantwortete Nilan mit einem freundlichen, aber bestimmten: «Auf keinen Fall!» Gerade in stressigen Phasen wie jetzt seien diese besonders wichtig, um mich mental zu stärken und genügend Energie für den Alltag zur Verfügung zu stellen.

Wie immer klang alles, was Nilan sagte, super plausibel. Mein Hirn erinnerte sich jedoch genau noch zwei Stunden nach dem Treffen daran. Danach hallte nur noch eins nach: «Ich habe trotz allem zugenommen!» Der Frust klebte an mir wie die verschwitzten Kleider beim Training. Einfach abziehen liess der sich aber leider nicht.

Ich hatte die Schnauze schlicht und ergreifend voll. Und da half nur eins: Ein Abend unter Freunden, mit guten Gesprächen über alles, ausser über diese doofe Fitness Challenge. Und Wein. Um ganz ehrlich zu sein, nahm ich mir vor, mich richtig volllaufen zu lassen. Ich erhoffte mir davon, wenigstens für einen Abend die ernüchternden Resultate zu vergessen.

Körper besiegt Kopf

Tja. Auch das funktionierte nicht. Bei jedem Glas dachte ich an die unnötigen Kalorien, die ich gerade in mich reinschütte. Und dabei wurde ich aus unerfindlichen Gründen noch nicht mal betrunken ... wie unbefriedigend. Nach dem vierten Mal Nachschenken lehnte ich deshalb dankend ab.

Netterweise hatte ich am nächsten Morgen keinen Kater. Dafür aber eine Erleuchtung. Die kurze Auszeit und der Abstand haben mir geholfen, mich und meine Reaktion besser zu reflektieren. Beim Grübeln wurde mir bewusst, dass mich das alles nur so nervt, weil hier mein Körper entscheidet, und nicht der Kopf.

Will heissen: Egal, wie sehr ich es will, ich kann meinen Körper nicht zwingen, Gewicht zu verlieren. Jedenfalls nicht, wenn ich mich an die Anweisungen unserer Experten halten will. Das machte mich wütend. Und irgendwie hilflos.

Und jetzt?

Jetzt mach ich weiter. Hinschmeissen ist (noch) keine Option. Ich werde einfach versuchen, den Trainings- und Ernährungsplan noch genauer zu verfolgen – also selbst an richtig stressigen Tagen den Nachmittagssnack zum Beispiel nicht zu vergessen – und mir vor allem in meiner Freizeit mehr Zeit für mich zu nehmen. Und dann werden wir ja sehen, wer den längeren Atem hat. Das Fett oder ich ;-)

Liebe Grüsse und bis bald,
Julia

(20M)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gaijin am 23.06.2017 13:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlafen!

    Beim Abnehmen wird oft vergessen, wie wichtig genügend Schlaf ist. Ich rate allen, die abnehmen wollen, wirklich mindestens 8h pro Nacht zu schlafen. Die dadurch gewonnene Erholung wirkt meist Wunder.

  • Mimy am 23.06.2017 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Naja, überrascht mich nicht.

    Liebe Julia, lies doch bei Gelegenheit das Buch "Fettlogik überwinden". Hat mir persönlich recht gut geholfen. Ich habe seit letztem Herbst 25 Kg verloren und o wunder ich kann es halten ohne mich zu irgendwas zwingen zu müssen ;-)

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  • Butterrösti am 23.06.2017 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Tapfer bleiben!

    Tapfer bleiben Julia! - das klappt dann schon. So etwa nach ein/zwei Jahren

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Die neusten Leser-Kommentare

  • M. am 23.06.2017 17:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weiter so

    Kopf hoch und halte weiter durch. Die richtige Erkenntnis hat du bereits gewonnen und wenn du nun noch durchhälst, dann wirst du bestimmt dein Ziel erreichen. Ich mache dieser challenge auch mit und bin am gleichen Punkt...

  • Felix am 23.06.2017 17:08 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz harte Antwort

    Diese Frage ist leicht zu beantworten. Weil mehr reingestopft wird als beim Sport verbrennt wird. Ich bin zu faul für Sport, habe aber das Idealgewicht, da ich halt nicht mehr esse als nötig. Wer weniger Kalorien zu sich nimmt, als verbrennt werden nimmt automatisch ab. Wer mehr isst, als der Körper verbrennt, nimmt zu. Einfache Mathematik. Natürlich gibt es Ausnahmen, nur gehören verdächtig viele zu den "Ausnahmen" die selbst nichts dafür können.

  • Firephoenix am 23.06.2017 16:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Entweder so oder so

    Find ich toll wenn jemand seinen Weg gefunden hat um abzunehmen oder das Gewicht zu halten. Das was hier beschrieben ist hat für mich nicht geklappt. Immer darauf achten von was ich genau wie viel essen darf war mir zu mühsam. Alles abwägen und immer jeden Tag die gleiche Situation. Und das solltest du dann den Rest deines Lebens so machen sonst nimmst du wieder zu. Ich möchte das essen worauf ich gerade lust habe und nicht was mir eine Liste vorschreibt. Die Konsequenz daraus ist: Ich mach 6 Tage die Woche Sport.

  • Sunshine am 23.06.2017 14:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach:

    Eigentlich alles ganz einfach: Ausgiebig frühstücken, dann 5 Std. Essenspause, "normal" zu Mittag essen (inkl. 2 Reihen schwarze Schoggi min. 70% Kakaozum Dessert), wieder 5 Std. Essenspause und am Abend KEINE Kohlenhydrate sindern vor allem Eiweiss. Und viel Trinken! Thats it :-). So habe ich in 4 Monaten 12 kg abgenommen und halte das Gewicht seit 3 Monaten. 1 x in der Woche ein Tag wo alles erlaubt ist, auch Alkohol. OHNE Sport, bin aber den ganzen Tag auf den Beinen. Abnehmen ohne Geld auszugeben oder bei irgendwelchen sinnlosen Challenges mitzumachen um nachher am Jojo-Effekt zu scheitern. Das funktioniert, ist reine Gewohnheit und beginnt im Kopf.

    • Ich bins wer denn sonst am 23.06.2017 16:29 Report Diesen Beitrag melden

      Wirklich?

      Nur weil du persönlich abgenommen hast mit 5 Stunden Essenpause, 70% Kakao, am Abend KEINE Kohlenhydrate und OHNE Sport, muss das noch lange nicht heissen, dass dieses Konzept sinnvoll und empfehlenswert ist. Du kannst nicht einfach von deiner Erfahrung als Einzelfall eine allgemeine Empfehlung für alle ableiten. Mein Grossvater war Kettenraucher und hat fast jeden Abend ein paar Bier getrunken und ist 94 geworden.....ist das jetzt das Patentrezept um ein hohes Alter zu erreichen? Gemäss deiner Logik ja.

    • Dato am 23.06.2017 16:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ich bins wer denn sonst

      Nein...aber dein Opa hatte einfach nur Glück dass er so lange gelebt hat! Grundsätzlich stimmt das mit der Empfehlung schon - ist sicher um Welten besser als jede Diät!!

    • Ich bins nochmals wer denn sonst am 23.06.2017 17:32 Report Diesen Beitrag melden

      @Dato

      Hier hat jeder das Gefühl, ein Ernährungsexperte zu sein weil er mal ein paar kg abgenommen hat, und das geht mir tierisch auf die Nerven. Das Problem ist nur, ich könnte das genaue Gegenteil davon machen, wie es "Sunshine" gemacht hat und genauso gut abnehmen. Nämlich so: am Morgen nicht essen, am Mittag viel Essen (ohne Schokolade), 2 Stunden Essenpause dann etwas mit Protein und Fett essen, und am Abend eine Mahlzeit aus hauptsächlich Kohenhydrate. Keinen Cheatday, keinen Alkohol. 5 mal pro Woche hartes Training. UND JETZT?

    • Sunshine am 23.06.2017 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ich bins wer denn sonst

      So würde ich das jetzt nicht sagen... ;-). Bin sicher nicht die Einzige, die so abgenommen hat :-). Internet sei Dank, kann man sich heute informieren, wie der Körper funktioniert. Das Buch "Schatz meine Hose rutscht" von Dr. Schweinebenz erklärt dies sehr eindrücklich (Blutzzuckerspiegel, Fettverbrennung etc.). Aber man muss natürlich abnehmen wollen und bereit sein, seine Essgewohnheiten dauerhaft zu ändern...

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  • Abnehmer am 23.06.2017 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, ja der Herr Experte

    Habe letztes Jahr 20Kg abgenommen in 6 Monaten ohne Sport. Nach chaotischen 6 Monaten Pause, bin ich jetzt wieder seit 2 Monaten auf Kurs und 6Kg leichter. Ich verstehe was vom Abnehmen und habe lange recherchiert. Es ist nicht die Säure, es sind die Stresshormone und das Insulin welche die Fettverbrennung blockieren. 50g Kohlenhydrate pro Tag, Proteine auf 1g bis 1.5g pro Kg Idealgewicht beschränken wird dich in Ketose bringen, jetzt noch Kalorien einschränken und das Abnehmen beginn. Fazit: mehr Energie und geistiger Klarheit nach ein paar Tagen down wegen niedrigem Blutzucker.

    • Greesa am 23.06.2017 16:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Abnehmer

      Der Stress sorgt ja dafür das mehr Säuren enstehen ;-)

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