Fitness

Wir bringen Sie in Form.
Hier erfahren Sie alles rund um Training, Ernährung und einen sportlichen Lifestyle.

Projekt 2700 Zürich–Moskau

22. Oktober 2017 13:02; Akt: 22.10.2017 13:02 Print

«Ich hatte Muskelkater – aber vom Sightseeing!»

von Jürg Hösli - Endlose Strassen, Adrenalinrausch und Todesängste hat er bei seiner 2700-Kilometer-Velofahrt erlebt. Ein Rückblick auf Nachwehen und Gefühlsrausch.

storybild

Kolumnist Jürg Hösli blickt auf seine 2700-Kilometer-Fahrt nach Moskau zurück. (Bild: Jürg Hösli)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Es sind nun ein paar Wochen seit meiner Ankunft in Moskau vergangen, und wenn ich zurückblicke, würde ich das Projekt, ohne zu zögern, wieder in Angriff nehmen. Es war eine Reise voller Emotionen und Eindrücke.

Die grössten Extreme warteten am Schluss auf mich: Todesangst im Moskauer Verkehr, acht Spuren breite Strassen, von links und rechts überholt werden. Zeitweise war ich panisch mit 50 km/h unterwegs, weil ich das Ziel so schnell wie möglich erreichen wollte. Ich spürte mich und die Müdigkeit von 2700 Kilometern nicht mehr.

Ein unbeschreiblich intimer Moment

Danach erwartete mich das Ziel: der Rote Platz. Ich wurde oft gefragt, was ich tun werde, wenn ich dort stehe. Würde ich in Tränen ausbrechen oder laut schreien? Als der Moment gekommen war, ergriff mich die grösste Ruhe, die ich, abgesehen von der Geburt meiner Tochter, je erlebt habe.

Es war ein unglaublich intimer Moment voller Zufriedenheit, Ruhe und Verbundenheit zu den Menschen, die mich begleitet haben, im Frieden mit einem Jahr Vorbereitung. Alles war aufgegangen wie geplant.

Muskelkater von 20'000 Schritten

Körperlich und mental war ich nie wirklich an meine Grenzen gegangen. Nach der Ankunft hatte ich kaum körperliche Beschwerden. Weder der Rücken noch die Knie oder Schultern taten weh. Auch die Sitzfläche war nicht wirklich in Mitleidenschaft gezogen worden.

Das erste Mal ein Problem hatte ich nach dem Sightseeing in Moskau. Ich hatte Muskelkater von den 20'000 gemachten Schritten und eine Blase an den Füssen von den neuen Schuhen.

Es stand nie infrage, ob ich es schaffen würde, und das erwartete ich auch persönlich von mir. Denn wer sich ein Jahr akribisch vorbereiten kann, der sollte sein Ziel auch erreichen. Natürlich gab es Momente, in denen man eine grosse Erschöpfung verspürt. Aber immer war die Freude auf das lockende Ziel deutlich grösser.

Intermezzo mit der russischen Polizei

Es waren 2700 Kilometer voller spannender Geschichten – wie der Moment, als uns die russische Polizei mit Blaulicht überholte, rund einen Kilometer vor uns anhielt und ausstieg. Ich und der Fahrer des Followcar mit Drehlichtern auf dem Dach rechneten schon mit dem Schlimmsten. Als wir auf ihrer Höhe waren, hoben sie nur den Daumen nach oben und schmunzelten.

Wie waren wir doch auf den Grenzübertritt von der EU nach Russland gespannt. Wir hatten im Internet Schauermärchen gehört, wie lange man warten müsse und wie kompliziert doch alles sei. Nichts von dem können wir bestätigen. Die russischen Zöllner waren unglaublich hilfsbereit, und eine fehlende Bestätigung für den Wohnwagen konnten wir per Whatsapp-Bild nachreichen. Es war eine Reise in die Gastfreundschaft des Ostens mit tollen Menschen, bei denen die Uhren noch etwas langsamer ticken als bei uns.

Ein Traum mit Termin

Das Projekt 2700 ist beendet. Mir bleiben wunderschöne Erinnerungen, und mit ihnen hat sich mein Bewusstsein gefestigt, einen anderen Alltagsrhythmus als früher zu leben. Natürlich sitze ich weniger auf dem Rad, doch der Sport bleibt ein Teil meines Lebens. Die Herausforderung Moskau habe ich wieder mit der Herausforderung Alltag getauscht – und diese kann genauso spannende und grossartige Aufgaben bereithalten.

Ich möchte mich ganz herzlich bei meinem Team bedanken, das während der Fahrt die ganzen Beiträge erstellt hat. Ohne sie wäre die ganze Übertragung nicht möglich gewesen. Wir wollten Ihnen etwas Motivation schenken, um manchmal auch etwas, was auf den ersten Blick etwas unmöglich erscheint, anzugehen. Denn ein Ziel ist zuerst ein Traum mit Termin.