Projekt 2700 Zürich–Moskau

02. September 2017 14:35; Akt: 08.09.2017 16:59 Print

«Der Kopf findet immer neue Gründe für Pausen»

von Jürg Hösli - Vor der 2700 Kilometer langen Radtour nach Moskau steigt bei Jürg Hösli die Spannung. Zum ersten Mal im Leben hat er sich hypnotisieren lassen.

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In dir steckt mehr, als du denkst: Mentaltrainerin und Hypnosetherapeutin Roya Saberi bereitet Ernährungsdiagnostiker Jürg Hösli auf sein Veloabenteuer vor. (Bild: Jürg Hösli)

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Noch zwei Wochen bis zum Start nach Moskau. Natürlich steigt da die Nervosität und ab und zu kommt ein Gedanke, warum ich es nicht schaffen könnte. Das Wichtigste ist, diesen dann auszublenden und mich auf meine mentale Stärke zu verlassen. Darum habe ich in den letzten Wochen in diesem Bereich versucht, all meine Kräfte zu sammeln. Dazu habe ich einen neuen Weg versucht und mich hypnotisieren lassen.

Auch wer noch so gut trainiert ist: Bei sehr langen Radfahrten zwickt es irgendwann immer mehr. Der Rücken oder die Sitzfläche tun weh. Der Kopf findet immer neue Gründe, warum jetzt dringend eine Pause folgen sollte. Doch wer stillsteht, kommt dem Ziel nicht näher. Weiterfahren ist die Devise, der Fokus aufs Tagesziel verdrängt die kleinen Wehwehchen des Körpers. Der Kopf muss stark sein. Das Tempo so angepasst, dass der Körper nicht überlastet wird. Hier kann mir Hypnose helfen.

Kein «psychologischer Spielball»

Umfrage
Haben Sie sich auch schon hypnotisieren lassen?
26 %
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62 %
Insgesamt 192 Teilnehmer

Der grösste Teil unseres Lebens findet im Unterbewusstsein statt. Mittels Hypnose können wir lernen, verborgene Kräfte zu mobilisieren, die uns regelrecht Flügel verleihen. Wir können erreichen, dass unser Unterbewusstsein nicht gegen uns arbeitet, sondern Hand in Hand mit unseren Zielen geht.

Darum habe ich mich von Roya Saberi hypnotisieren lassen. Es war spannend, denn entgegen meiner früheren Meinung wird man dabei nicht «ein psychologischer Spielball». Mir war jederzeit bewusst, was um mich geschah.

Wie eine Dampflokomotive

Zuerst haben wir Situationen erarbeitet, die für mich wohl die schwierigsten werden: kleine Schmerzen, Langeweile auf dem Rad, stets positiv bleiben, an sich jederzeit glauben, das Rad nie an den nächsten Baum stellen und sich hinsetzen wollen. Danach haben wir in der Hypnose ein positives Bild verankert, das mir in diesen Situationen viel Kraft geben soll.

Es war dies für mich das Bild einer Dampflokomotive, die stetig auf ihren Gleisen dahinfährt, voller Energie, sicher und ohne zu Wanken, in den Ohren das beruhigende Dampfgeräusch. Als ich das erste Mal auf dem Rad längere Zeit gefahren bin und mich in Selbsthypnose versetzt habe, war ich erstaunt, wie leicht plötzlich das Radfahren ging. Keine lästigen Gedanken waren in meinem Kopf, die Natur flog an mir vorbei und ich schaute in die Felder –
wie auf einer Dampflokomotive. Ich war absolut fasziniert.

Innere Reise nach Island

Ein zweites Bild, das wir verankert haben, soll mich so schnell wie möglich in Entspannung versetzen und die Regeneration ankurbeln. Hier gehe ich innerlich an einen Ort in Island (Stokksnes), der für mich besonders viel Bedeutung hat. Das Ziel ist dabei, den Körper mit Energie komplett im Unterbewusstsein aufzufüllen.

Um die Tiefenentspannung zu trainieren, testete ich mein Entspannungsbild rund eine Stunde nach einem sehr intensiven Training. Ich versetzte mich in die Selbsthypnose und war danach sehr erstaunt. Mein Herzfrequenzsensor zeigte innerhalb kurzer Zeit rund zwanzig Schläge pro Minute weniger, und ich merkte auch deutlich, dass mir diese Ruhe sehr guttat.

Natürlich ist es immer schwierig, einen solchen Effekt in Zahlen auszudrücken. Wenn ich früher die Hypnose noch etwas belächelt habe, weiss ich heute, dass sie eine grossartige Methode ist, um seinen Willen, seine Fokussierung zu stärken und das Unterbewusstsein für sich arbeiten zu lassen.