Projekt 2700 Zürich–Moskau

28. August 2017 19:06; Akt: 01.09.2017 11:34 Print

«Ein harter Sattel ist besser für das Gesäss»

von Jürg Hösli - Bald startet Jürg Hösli nach Moskau. Die Tour dauert 11 Tage oder rund 120 Stunden im Sattel. So motzen er und sein Team das Velo auf.

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Auf dem Carbonbike nimmt Ernährungsdiagnostiker Jürg Hösli 2700 Kilometer bis nach Moskau unter die Räder. (Bild: Alice Das Neves)

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In knapp drei Wochen beginnt die Fahrt nach Moskau. Ich werde in den 11 Tagen 2700 Kilometer und rund 120 Stunden im Sattel verbringen. Es gibt ein paar wichtige Punkte, die bei der Auswahl und Zusammenstellung des Fahrrades beachtet werden müssen. Ultracycler Daniel Schmidheiny unterstützt mich im Aufbau meines Rennrades und lässt sich im Interview in die Karten blicken.

Daniel, was muss ein Rad können, das sich für lange Distanzen eignet?
Es muss absolut zuverlässig und bequem sein, aber auch wenig Luftwiderstand bieten. Das leichteste High-End-Fahrrad ist nicht immer das Beste. Geht hier unterwegs etwas kaputt, sind Ersatzteile oft schwierig zu beschaffen.

Sind Aerodynamik und Komfort nicht eigentlich Gegensätze?
Doch. Der Komfort ist jedoch bei längeren Fahrten immer im Zentrum. Wenn jemand schon nach 50 Kilometern Schmerzen hat, macht Radfahren keinen Spass, darum verwenden wir im Projekt 2700 auch kein Triathlonrad. Es wäre zwar aerodynamisch besser, aber durch die sehr tiefe Position und harte Federung würden schnell Probleme im Rücken und Nacken entstehen.

Was gibt es für Möglichkeiten, den Komfort zu verbessern?
Bei der Auswahl des Rades würde ich nach speziellen Carbonrahmen fragen, die für längere Distanzen entwickelt wurden. Diese Rahmen haben in gewissen Partien erhöhte dämpfende Eigenschaften, so dass auch schlechtere Strassen durch den Fahrer gut gemeistert werden können. Zusätzlich würde ich 28-mm- statt 23-mm-Pneus auswählen und ein dickes Lenkerband zum Schutz der Handgelenke.

Wie bestimme ich meine Sitzposition?
Die ist absolut zentral und sollte auch von jedem ambitionierten Hobbysportler bei einer Fachperson überprüft werden. Wer lange genug kleine Fehlbewegungen macht, der hat schliesslich auch eine grosse Verletzung. Besonders gefährdete Punkte sind hier Knie, Rücken, Schultern, Nacken und Handgelenke. Schon wenige Millimeter der Sattelposition können entscheiden, ob Kniebeschwerden entstehen oder wieder verschwinden.

Wie wichtig ist die Aerodynamik?
Eigentlich sehr wichtig. Je tiefer ein Sportler auf dem Rad längere Zeit fahren kann, desto weniger Kraft braucht er. Es ist wie beim Auto: Wenn wir die Skiträger montiert haben, verbrauchen wir bis zu 20 Prozent mehr Benzin. Das Gleiche ist beim Radfahrer der Fall, nur dass seine Energie irgendwann zu Ende geht. Mit dem Aerolenker und speziellen Laufrädern mit einer Felgenhöhe von 50 bis 60 mm können wir den Luftwiderstand zusätzlich verringern, ebenso mit sehr eng anliegender Kleidung. Bei dir, Jürg, haben wir eine elektronische Schaltung auf dem Aerolenker angebracht, damit er beim Schalten nicht aus der Grundposition muss.

Viele können sich kaum vorstellen, so lange auf einem Velo zu sitzen. Gibt es den bequemen Sattel?
Was von aussen unbequem und zu hart aussieht, ist oft deutlich besser für das Gesäss als ein weicher Sattel. Dieser produziert mehr Auflagefläche und somit mehr Reibung. Das Resultat sind mehr Scheuerstellen. Auch hier würde ich eine Fachperson zurate ziehen und vor allem viel testen. Eine gute Sitzcreme und eine gute Radhose helfen ebenfalls, Verletzungen zu vermeiden.

Radfahren sollte Spass machen, und das Fahren von weiten Distanzen umso mehr. Darum gilt es, das richtige Material auszuwählen, damit man nicht am eigenen Rad scheitert, sondern gesund mit einem Hochgefühl an sein Ziel gelangt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pokarcirkelen am 28.08.2017 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spüren tut mans immer

    Ein breiter Sattel ist noch besser, das Gewicht lagert auf den Beckenknochen und nicht auf den Weichteilen. Ich weiss wovon ich rede, ich war 2011 mit dem Rad am Nordkap, allerdings nicht ganz so schnell dafür mit Ballast. Ist noch 1500km und 200 Hundert Stunden weiter als Moskau.

    einklappen einklappen
  • Mr. Tune KommVor+ am 28.08.2017 19:32 Report Diesen Beitrag melden

    Der den sie Sattel nannten

    Das mit dem Sattel kann ich nur bestätigen. Nach ca. 30 Jahren Gümmelen bin ich bei einem hochwertigen Vollcarbonsattel (Modell Fakir) angelangt, es ist weitaus der bequemeste...:-)

  • Jankibo am 29.08.2017 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    Visum

    Reise-Visum nicht vergessen! Ohne Visum kommt man nicht nach Russland

Die neusten Leser-Kommentare

  • KevinWinter am 30.08.2017 16:56 Report Diesen Beitrag melden

    Nope

    Ich wette 100 Stutz das es Herr Hösli nicht schafft.

  • Jankibo am 29.08.2017 14:14 Report Diesen Beitrag melden

    Visum

    Reise-Visum nicht vergessen! Ohne Visum kommt man nicht nach Russland

  • Anonymus am 29.08.2017 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Mal schauen

    Hoffe nur nicht das Herr Hösli seine Rückenprobleme am Schluss auf sein schlechtes Fahrrad abschiebt... wenn er seine Tour abrechen muss.... Mit isometrischem Rumpftraining wird er nicht weit kommen..:

  • Thomas am 29.08.2017 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Geht auch ohne!

    Es gibt auch Frauen die fahren ganz ohne Sattel. Sei anscheinend ein ganz speziell intensives Fahrvergnügen.

  • Romano am 29.08.2017 00:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Velo

    Zwei Inhaber für ein Velo? Haben die nicht genug Geld für ein eigenes Velo?