Projekt 2700 Zürich–Moskau

17. September 2017 12:56; Akt: 18.09.2017 12:41 Print

Wer nach Bauchgefühl fährt, übernimmt sich

von Jürg Hösli - Noch über 2000 Kilometer Velofahrt sind es bis nach Moskau. Jetzt muss Jürg Hösli die Kräfte richtig einteilen.

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Wer zu viel will, kann schnell scheitern. Je länger der Weg, den ein Sportler zurücklegen will, desto wichtiger wird die Wahl der richtigen Intensität. Ein entscheidendes Thema beim Projekt 2700 von Ernährungsdiagnostiker und Kolumnist Jürg Hösli. Wer es zu schnell angeht, der riskiert mehr Entzündungen und somit auch mehr Probleme. Bei einer Belastung von 250 bis 300 Kilometer Radfahren pro Tag kann dies schnell zum Abbruch führen.

Wir alle kennen dies vom Sport. Joggen wir zum Beispiel sehr schnell, sind wir schon nach kurzer Zeit platt. Wandern können wir hingegen ohne Weiteres mehrere Stunden am Stück und ohne gross zu ermüden. Doch woran liegt das? Je höher die Intensität, desto mehr Energie verbrennt der Körper, und desto höher wird der sogenannte oxidative Stress.

Angetrieben von zu viel Euphorie

Der Körper gerät in eine Sauerstoffschuld und als Resultat ergeben sich mehr Entzündungen. Wer mehrere Stunden pro Tag unterwegs sein möchte, der muss sehr genau darauf achten, dass er es nicht – durch die Euphorie angetrieben – zu schnell angeht. Wenn sich schon zu Beginn Entzündungen vermehren, machen Probleme in Knien, Rücken oder Sitzfläche zu schaffen.

Deshalb hat Hösli kurz vor seinem Start eine Spiroergometrie gemacht: Sie zeigte ihm die klaren Bereiche (unter anderem die Intensitätsstufe), in welchen er ohne weiteres bis zu 12 Stunden pro Tag fahren kann. Hösli misst auf seiner Reise sowohl die Herzfrequenz, als auch die Leistung in Watt. Das Ziel ist eine Durchschnittsleistung von rund 175 bis 190 Watt zu erbringen in den ersten vier Tagen.

Durchschnittspuls von 129

Der Puls sollte dabei zwischen 133 und rund 138 liegen. Steigt er immer mehr bei gleichbleibender Wattzahl, ist das ein Zeichen, dass der Körper mehr «Abfallstoffe» des Stoffwechsels aus dem System schaffen sollte. Und dies wiederum ist ein Anzeichen von Überlastung. So kann das Tempo sinnvoll geplant und wenn nötig angepasst werden.

Wie bereits am ersten Tag, konnte Hösli sich auch auf der zweiten Etappe gut an die Vorgaben halten und perfekt in den Bereichen halten – mit 178 durchschnittlicher Wattleistung (normalized Power). Bei einem Durchschnittspuls von 129 ist er 261 Kilometer vorangekommen. Die Herzfrequenz liegt trotz gleichbleibender Leistung im Vergleich zum Vortag sogar noch tiefer.

Das ist ein gutes Zeichen: Die Anpassungsprozesse im Körper laufen tiptop. Somit sind bereits 620 km zurückgelegt und es fehlen «nur» noch 2080 km bis zum Roten Platz in Moskau.