Projekt 2700 Zürich–Moskau

09. September 2017 10:57; Akt: 16.09.2017 15:12 Print

72 Gels und 120 Riegel für die Mega-Velotour

von Jürg Hösli - Eine Woche vor dem Start seiner 2700-Kilometer-Tour nach Moskau verrät Jürg Hösli in seinem Blog, was er in seine Proviant-Tasche packt.

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Der Proviant für die Velofahrt von Zürich nach Moskau ist bereit. (Bild: Jürg Hösli)

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In der letzten Woche vor einem Wettkampf kann es durch die Nervosität zu mehr Magen-Darm-Störungen kommen. Der Körper verträgt plötzlich Lebensmittel, mit denen er bisher keine Probleme hatte, schlechter. Wer das Falsche isst, muss mit Durchfall rechnen, und ohne Nährstoffaufnahme liegt keine Leistung drin.

Hier kann eine Liste für Reizdarmpatienten, die Abhilfe schaffen soll. Die sogenannte Foodmap beinhaltet Lebensmittel mit Inhaltsstoffen, die schlechter verdaulich sind. Im Fall körperlichen Stresses, wie der Nervosität vor einem Rennen, liefert die Liste sehr gute Angaben, worauf wir besser verzichten sollten. Besonders «schlimm» sind beispielsweise Blumenkohl, Knoblauch, Zwiebeln, Bohnen, Randen usw.

Flüssignahrung ist Trumpf

Da ich schon seit einiger Zeit auf all diese Punkte achte, esse ich die letzte Woche meine gewohnten Mahlzeiten. Am Morgen ein Birchermüesli, zwischendurch Baumnüsse und Früchte, mittags Thaicurry mit Reis und am Abend eine Suppe mit Meeresfrüchten, Reis oder Kartoffeln. Da mein Kalorienbedarf mit rund 3500 kcal pro Tag eher hoch ist und dadurch auch mein Darm mehr belastet, nehme ich Gemüse vor allem in Smoothie-Form ein.

Die letzten 48 Stunden vor dem Start wechsle ich dann auf eine rein flüssige Ernährung, die mich in den nächsten Tagen begleiten wird. Der Grund liegt auf der Hand. Da ich auf dem Rad rund zwölf Stunden pro Tag Rad fahre, ist meine «Sitzregion» schon sehr beansprucht. Es kann hier schnell zu Entzündungen kommen. Weniger Nahrungsfasern bedeutet automatisch weniger Stuhlgang und somit auch weniger mögliche Infekte.

Schwerverdauliches drückt auf die Leistung

Ich werde unterwegs pro Tag zwischen 8000 bis 12000 Kcal verbrauchen. Der Darm könnte diese durch eine normale Ernährung gar nicht aufnehmen. Wenn ich aber deutlich weniger essen würde, würde der Körper sehr viel körpereigenes Eiweiss abbauen. Und die bilden gerade die Basis von Säurepuffern im Blut, in der Zelle. Sie sind Bauteile von vielen Helfern im Körper und vor allem hält das Eiweiss Wasser in der Zelle.

Wer zu wenig isst, der kämpft schnell gegen Wassereinlagerungen, mehr Entzündungen – und natürlich will ich all das vermeiden.

Es gibt noch ein wichtiges Argument für Flüssignahrung: Der Darm braucht für die Verdauung und Aufnahme Energie und Sauerstoff. Diese sollten aber für die Muskulatur bereitstehen. Wer zu viel und zu viel Schwerverdauliches vor einem Training und natürlich während eines Rennens isst, der schränkt seine Leistungsfähigkeit deutlich ein.

72 Gels bis Moskau

Es wird nicht einfach, das so durchzuziehen, aber umso mehr freue ich mich auf eine leckere Mahlzeit in Moskau.

Mein Ernährungsplan für unterwegs sieht wie folgt aus:

– Pro Stunde ein Gemisch aus 90 Gramm Kohlenhydraten, 20 Gramm Eiweiss, 5 Gramm Fett in Form von Gels, isotonischen Getränken, Regenerationsprodukten und selten Riegel.

– Alle vier Stunden ein Gemisch aus Proteinbauteilen, Vitaminen und Mineralstoffen. Dieses soll mir all das liefern, was der Körper braucht, um die Leistung über die 2700 Kilometer aufrechtzuerhalten.

– Am Abend gibts einen Protein-, Gemüse- und Früchtesmoothie mit Kokosfett.

Das ergibt auf dieser Strecke rund 4,2 Kilogramm isotonisches Getränk, 120 Riegel, 72 Gels, 3,6 Kilogramm Regenerationsprodukte, 720 Gramm Molkenprotein.