Projekt 2700 Zürich–Moskau

22. September 2017 09:44; Akt: 22.09.2017 09:44 Print

6000 Kalorien pro Tag – so kommt die Energie

von Jürg Hösli - Vor Jürg Hösli liegen nun noch knapp 1000 Kilometer bis ins Ziel. Bei einem solchen Projekt ist ein ausgefeilter Ernährungsplan notwendig.

7500 Kalorien verbraucht Jürg Hösli täglich während seiner Fahrt nach Moskau. So entsteht täglich ein grosses Energiedefizit, denn mehr als 6000 Kalorien kann er nicht zurückgeben. (Video Demateo).
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Wenn Jürg Hösli auf dem Rad sitzt, verbraucht er zwischen 750 und 850 Kalorien – pro Stunde. Da er täglich rund zehn Stunden und länger die Pedalen drückt, summiert sich der Kalorienverbrauch auf mindestens 7500. Um den Bedarf decken zu können, spielt die Ernährung eine entscheidende Rolle für den Erfolg des Projekts.

Mit dem Thema ist der Ernährungsdiagnostiker Jürg Hösli bestens vertraut. So nimmt er bereits während der Fahrt rund 5000 Kalorien zu sich. Der Rest folgt abends, sodass er sich insgesamt rund 6000 zuführt. Mehr ist kaum möglich. Wenn zu viele Kalorien aufgenommen werden, wird der Magen-Darm-Trakt zu stark belastet. Dies wirkt sich negativ auf die Leistung und die Regenerationsprozesse aus.

Die Intensität macht es aus
Trotz der maximalen Kalorienzahl, die der Körper verkraftet, entsteht täglich ein grösseres Kalorien-Defizit. Dies hat jedoch keine Auswirkungen, wenn man wie Hösli darauf achtet, in der optimalen Intensitätszone zu fahren, in der die Fettverbrennung am höchsten ist. Um die Werte zu kennen und bestimmen zu können, wurde vor der Abfahrt eine Spiroergometrie durchgeführt. Dass die Energieversorgung so durch eine bewusste, erhöhte Fettverbrennung funktionieren kann, ist durch die lange Vorbereitungszeit möglich. Ein Körper, der diesen Belastungen ausgesetzt ist, kann sich somit sukzessive darauf einstellen, auf die Fettreserven zuzugreifen und den Stoffwechsel im Griff zu haben.

Auch wenn die Fettverbrennung hoch ist – wir sprechen von rund 60 Prozent Fettverbrennung während der Fahrt – sind die Kohlenhydrate sehr wichtig, um die nötige Power für diese Leistung liefern zu können und den Proteinabbau im Muskel zu verhindern.

Menü Surprise ohne Überraschungen
Deshalb hat sich der Ernährungsdiagnostiker einen konkreten Plan zurechtgelegt: Pro Stunde auf dem Velo nimmt er 500 Kalorien zu sich. Da die Flüssigkeitszufuhr wichtig ist, trinkt Hösli einen grosszügig angerichteten Bidon mit einem isotonischen Getränk und isst einen Energie-Riegel mit Proteinen. Alle vier Stunden kommt zusätzlich ein Regenerations-Shake dazu, der die Kohlenhydrat- und Proteinspeicher wieder auffüllt. All das wird vom Team überwacht, notiert und kontrolliert, um bei Bedarf schnell reagieren zu können.

Den Regenerations-Shake mischt das Team abends mit Milch und je nach Wetter auch warm an und bringt dem Mann auf dem Sattel sein Menü Surprise. Damit wird eine wichtige Grundlage für das kalorienreiche Abendessen geschaffen, das auch eine flüssige Form hat. Zusammen mit den Shakes und den Riegeln führt Hösli seinem Körper täglich rund 150 bis 200 Gramm Eiweiss zu und erreicht damit die Maximalgrenze. Das Ganze wird mit einem leckeren, alkoholfreien Weissbier abgerundet, um den erfolgreichen Tag mit dem Team kurz ausklingen zu lassen. Danach geht es umgehend ins Bett, um dem Körper die nötige Zeit für die Regeneration zu geben.

Nach über 1700 Kilometern auf dem Rennrad hat sich bestätigt, dass die gewählte Strategie und das Ernährungskonzept erfolgreich sind. Andernfalls wäre Hösli nach sechs Tagen nicht bereits in Vilnius, der Hauptstadt Litauens. Nach wie vor gibt es weder Anzeichen von Energiemangel, was sich vor allem auf die Psyche auswirken würde, noch sind grössere Wassereinlagerungen sichtbar. Diese würden für Probleme mit der Sitzfläche sorgen, was ein wichtiges Indiz dafür ist, dass die Proteinversorgung gut funktioniert. So freuen wir uns Tag für Tag mehr, unser Ziel zu erreichen – den Roten Platz in Moskau.