Projekt 2700 Zürich–Moskau

22. Juli 2017 16:45; Akt: 12.08.2017 15:27 Print

Ein Sportsüchtiger kommt nicht nach Moskau

von Jürg Hösli - Warum seine 2700-Kilometer-Fahrt nach Moskau nichts mit Sportsucht zu tun hat – Kolumnist Jürg Hösli packt aus.

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Trotz ambitioniertem Trainingsziel hat sich Ernährungsdiagnostiker Jürg Hösli nur aufs Rad gesetzt, wenn er Lust hatte. (Bild: Alice Das Neves)

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Während der Vorbereitung zu meinem Projekt bin ich oft gefragt worden, ob ich nicht eine Arbeitssucht durch eine Sportsucht eingetauscht hätte. Wir alle müssen manchmal mehr arbeiten als wir eigentlich wollen. Wir sind unter Druck und können nicht einfach alles hinter uns lassen. Dies hat oft weniger mit Sucht zu tun, als mit ökonomischem Überleben.

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Glauben Sie, Sie sind sportsüchtig?
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Insgesamt 385 Teilnehmer

In solchen Zeiten leidet der Körper mit. Wir spüren kaum mehr unsere Bedürfnisse, unsere Achtsamkeit ist durch Alltagsdruck überlagert. Die rationale Seite verliert so den Zugang zum Körper. Wir stecken mitten in einer Kommunikationskrise der beiden.

Heisshunger auf Kohlenhydrate

Wir essen plötzlich zu wenig oder das Falsche über den Tag, kompensieren am Abend, wenn der Körper mit Heisshunger und Lust auf schnell verfügbare Kohlenhydrate sein vermeintliches Recht einfordert. Wir haben dadurch immer weniger Energie und vor allem auch weniger Kraft, etwas zu ändern. Wer keinen Hechtsprung aus dem Hamsterrad versucht, erleidet sein Leben, aber erlebt es nicht.

Das wollte ich nicht mehr. Nach der Neugründung meiner Firma bot sich mir die Chance, mein Leben neu zu organisieren – und das tat ich auch. Ich wollte wieder fit werden und meinen Körper so spüren, wie ich mich früher fühlte – darum auch Moskau. Wer ein solches Unterfangen in Angriff nimmt, muss sich erst bewusst werden, dass er es nur MIT seinem Körper schafft, diesen aber nicht versklaven kann. Wir vergessen oft, dass der Geist nur Untermieter des Körpers ist und der körperlichen Erschöpfung auch bald eine mentale folgt.

Nie aufs Rad ohne Lust

Ich habe mich vor rund einem Jahr das erste Mal in meinem Leben auf ein Rennrad gesetzt. Ich wusste, dass ich Regeneration vor Training stellen muss, Freude vor Zwang, Genuss vor reinen Verzicht. Sonst würde ich alles, wofür ich einstehe, mit Füssen treten und meinem Körper Schlechtes tun.

Ich habe durchschnittlich dreimal pro Woche trainiert. Nach einer intensiven Woche tauschte ich mein Training für einem Waldspaziergang ein. Ich habe mich nie aufs Rad gesetzt, wenn ich innerlich keine Lust dazu hatte. Letzte Woche habe ich ein Trainingslager schon nach dem ersten Tag abgebrochen, weil ich mental nach einer intensiven Arbeitswoche nicht bereit war. Ich habe mir viel Freizeit gegönnt. Sieht so Sucht aus?

Den eigenen Körper verstehen

Mein Körper wurde in diesem Jahr wieder zum respektierten Begleiter meines Kopfes. Sonst würden bald Verletzungen folgen und Moskau wäre für mich als Nicht-Profisportler unerreichbar.

Ich habe folgende Grundsätze für mich aufgestellt, um meine Achtsamkeit zu schulen und die Sprache meines Körpers wieder zu verstehen:

- Trainiere intensiv, aber sobald Schmerzen da sind oder du in irgendeiner Weise angeschlagen bist, pausiere oder spaziere.

- Ist der Kopf nicht bereit, ist es auch der Körper nicht. Wir haben nicht nur einen inneren Schweinehund, sondern auch einen inneren Labrador, der uns hilft ein «zu viel» zu vermeiden. Wenn du beim Trainieren merkst, dass du keine Energie hast, brich ab.

- Trainiere nie so lange, dass du am Ende keine Lust mehr auf das nächste Training hast.

- Beobachte die Ruheherzfrequenz oder überprüfe mit einer Polar-Uhr regelmässig den Fitnesscheck. Beides sind Indikatoren für deine Erholung und können dir helfen, deine Regeneration besser zu verstehen.

- Wenn du über den Tag mit deinem Kopf in Projekten steckst, halte trotzdem eine Mahlzeitenstruktur ein. Hast du am Abend zu viel Hunger, hast du über den Tag zu wenig gegessen, begleitet sich die Lust auf Süsses, esse am nächsten Tag mehr Früchte.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Um Lei Tung am 22.07.2017 17:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sucht????

    Was hat denn das mit "Sucht" zu tun? Die ganzen Sommertouristen, die nur faul am Strand, der Badi oder an der Beachbar rumhängen würde ich eher als Süchtige bezeichnen. Süchtig nach Bequemlichkeit und ungesundem Lebenswandel. Da ist mir einer, der mal seine Leistungsfähigkeit testen will, 100x lieber.

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  • Tom Brenner am 22.07.2017 17:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Polar?

    Es muss nicht immer eine Polar-Uhr sein. Mitbewerber haben mindestens so gute Watches im Sortiment.

  • Gambler76 am 22.07.2017 17:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bescheidenheit tut gut

    Ich glaube, die ganze Geschichte interessiert so ziemlich niemand......der soll nach Moskau fahre, speziell ist das nicht und das Abenteuer für sich alleine geniessen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Walter am 22.07.2017 19:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bin ich jetzt "sportsüchtig..."

    Ich bin in 6 Wochen von Dover nach Landsend und dann bis Woolbridge GELAUFEN... das dürften einiges über 1000 km sein. Es gab Tage, da bin ich 14-16 Std gelaufen. So zwischen 30 - 60 km /Tag. Das hat mit Sucht nichts zu tun, aber mit MOTIVATION. Da kann man völlig über sich hinauswachsen und ist zu Leistungen fähig, die man selber nicht für möglich hält. Übrigens ich bin 71, habe sowas noch nie gemacht und auch nie trainiert... und bin leicht übergewichtig (gewesen;-))

  • Gambler76 am 22.07.2017 17:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bescheidenheit tut gut

    Ich glaube, die ganze Geschichte interessiert so ziemlich niemand......der soll nach Moskau fahre, speziell ist das nicht und das Abenteuer für sich alleine geniessen.

  • SAUDERLI am 22.07.2017 17:19 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehe nur Bahnhof

    Dem ist das Studieren über den Kopf gewachsen ich werde es nicht mehr erleben aber sollte Er gesund 100 Jahre alt werden werde ich mich aus dem Jenseits für mein Aussage entschuldigen.

  • Tom Brenner am 22.07.2017 17:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Polar?

    Es muss nicht immer eine Polar-Uhr sein. Mitbewerber haben mindestens so gute Watches im Sortiment.

  • Um Lei Tung am 22.07.2017 17:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sucht????

    Was hat denn das mit "Sucht" zu tun? Die ganzen Sommertouristen, die nur faul am Strand, der Badi oder an der Beachbar rumhängen würde ich eher als Süchtige bezeichnen. Süchtig nach Bequemlichkeit und ungesundem Lebenswandel. Da ist mir einer, der mal seine Leistungsfähigkeit testen will, 100x lieber.

    • Hs am 22.07.2017 17:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Um Lei Tung

      Wenn am Schluss nichts mehr anderes vorkommt, nicht die Familie, Freunde etc, ist es tatsächlich ein Suchtverhalten. Oft ein Grund für Scheidungen.

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