Projekt 2700 Zürich–Moskau

24. September 2017 16:50; Akt: 24.09.2017 18:33 Print

Kritisch wird's, wenn der Körper unterkühlt

von Jürg Hösli - Auf den letzten Kilometern bis Moskau radelt Jürg Hösli gegen Wind und Wetter an. Seinen Energiereserven geht's ans Eingemachte.

Auf den letzten Kilometern seiner 2700-Kilometer-Velofahrt nach Moskau fährt Ernährungsdiagnostiker und Kolumnist Jürg Hösli gegen Wind und Wetter an.
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Der siebte Tag war der erste richtige Regentag. Fast 1750 Kilometer lang waren Jürg Hösli und seine Crew von sonnigem trockenem Wetter verwöhnt, bei angenehmen 15 bis 20 Grad tagsüber.

Physisch hat das Projekt ab Vilnius, der Hauptstadt Litauens, erst richtig begonnen. Die Belastung des Körper durch die sportliche Leistung wird immer spürbarer. Nun kommen auch Wetter und (Gegen-)Wind bis zu 40 Stundenkilometer hinzu.

Kritisch: Wenn der Körper unterkühlt

Kälte und Nässe im Doppelpack kühlen Hösli schnell aus. Es sind die Momente, die entscheiden können, ob das Projekt erfolgreich endet oder scheitert. Kritisch wird's, wenn der Körper unterkühlt. Die Muskulatur ist nicht mehr richtig mit Blut versorgt. Es entstehen Probleme bei der Energieversorgung.

Deshalb braucht der Körper zusätzliche Energie zur Thermoregulierung. Er muss Bewegung wie auch die Temperatur ausreichend hoch halten. Friert der Körper benötigt er für den gleichen Krafteinsatz viel mehr Energie.

Wetterfest von Kopf bis Fuss

Die Bekleidung spielt nun eine zentrale Rolle. Hösli kleidet sich im Schichtenprinzip. Er setzt auf funktionelle Bekleidung, welche die Temperaturregulation gewährleisten. Auch bei Kälte gibt der Körper in Bewegung Wärme und Schweiss ab. Sportkleider leiten diese nach aussen an die Oberfläche. Die äusserste Schicht hingegen weisst Nässe und Wind ab.

Hösli trägt ganz nach dem Zwiebelprinzip Kompressionsunterwäsche- und Socken. Sie sollen den Gewebestress in den Beinen minimieren und dadurch die Regeneration fördern. Wetterabhängig trägt er ein weiteres Langarmshirt und das Velotrikot, eine Mid-Layer-Jacke bei Kälte, eine Windstopper-Jacke oder bei Nässe eine Regenjacke.

Sein weiteres Outfit: Kniehohe Socken, eine leicht gefütterte und windabweisende Hose, gute Handschuhe, Kopfbedeckung für unter den Helm und wasserdichte Schuhüberzieher, welche die Füsse windgeschützt und trocken halten.

Fast wie eine Ovi

Unter den aktuellen Umständen ist es fast unmöglich, Höslis Energiebedarf zu decken. Mit der Kälte verringert sich auch die Lust auf Getränke und Nahrung. Die Bidons sind durch die Gischt der vorbeifahrenden Lastwagen zu sehr mit Bakterien verschmutzt, um daraus zu trinken.

Hösli achtet nun noch akribischer darauf, dass sein Energiespeicher so gut wie möglich gefüllt wird. Seine Ernährung hat er auf hochkalorische Regenerations-Shakes umgestellt. Mit heissem Wasser zubereitet schmecken sie fast wie eine warme Ovi. Davon gibt’s alle zwei Stunden einen. Sie wärmen Körper und Gemüt. Die Pausen hält die Crew knapp, dass sich Hösli nicht zu stark auskühlt. Er fährt nun weniger schnell, um seinen Körper weniger zu belasten.

Aktuell sind Hösli und sein Team schon auf russischem Boden. Die Grenze haben sie zwar mit langer Wartezeit, aber erfolgreich passiert. Nun geht alles gerade aus auf der Schnellspur bis nach Moskau.