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06. Mai 2018 19:03; Akt: 08.05.2018 09:45 Print

Auf Fettwaagen stehen lohnt sich nicht

Sie stehen in fast jedem Gym, haben aber wenig Sinn: Jürg Hösli erklärt, wieso Sie auf keine Körperfettwaagen nicht trauen sollten.

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Wir leben in einer Zeit, in der wir alles analysieren wollen. Dazu gehört auch das eigene Körperfett. Jürg Hösli erklärt, wieso das keinen Sinn ergibt.

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Wir leben in einer Zeit, in der immer mehr analysiert und strukturiert wird und machen dabei natürlich auch nicht vor unserem Körper halt. Wir wollen wissen, mit welchem Puls wir trainieren, wie lange unsere Trainings sind, und wir zeichnen sogar unsere Laufstrecker mit GPS-Daten auf. Dann ist es nur klar, dass wir auch messen wollen, ob sich all die Schinderei gelohnt hat. Und hier hat die Körperindustrie ein tolles Gerät bereit: Die Körperfettwaage, die uns nebst dem Gewicht mit spannenden Informationen darüber versorgt, wie viel Muskulatur wir haben und wie viel Körperfett. Sie steht nicht nur bei einigen von Ihnen zu Hause, sondern auch bei Ernährungsberaterinnen, Kliniken und heute in fast jedem Fitnesscenter. Doch was taugen nun diese Geräte? Zuerst muss man wissen, wie solche Geräte überhaupt funktionieren: Jedes Gewebe im Menschen hat einen Stromwiderstand. Bei unserem Körperfett ist dieser jedoch kaum messbar tief, im Gegensatz zu Muskulatur, Organen, Bändern, Faszien usw. So wird nun mittels Strom der Widerstand des Körperfetts gemessen, und je höher dieser ist, desto grösser ist die fettfreie Masse im Körper.

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Haben Sie Ihren Körperfettanteil schon einmal versucht zu messen?

Weiter können wir unsere aktiven Zellen bestimmen, bei denen die Muskulatur einen Hauptteil ausmacht. Da der Körper sich wie eine Batterie selber auflädt (Spannung auf der Zellmembran), können wir über eine Bestimmung dieser Grösse den Muskelanteil berechnen. Was auf den ersten Blick so einfach tönt, hat aber in der Realität ein paar Haken: Wir messen seit Jahren ebenfalls mit einem sogenannten Bioimpedanzgerät («hochwertige Körperfettwaage») die Werte unserer Kunden. Parallel dazu überprüfen wir diese Messung mit einem anderen Messverfahren. Nun haben wir Folgendes bemerkt. Bei einigen Kunden zeigt die Körperfettwaage plötzlich deutlich mehr Fett an, obwohl der Spiegel und das andere Verfahren etwas völlig anderes sagen und sich die Kunden besser fühlen.

Die Antwort nach der Ursache hat uns die Spiroergometrie geliefert. Hier wird der Stoffwechsel des Menschen noch genauer betrachtet und auch die Leistungsfähigkeit gemessen. Bei den erwähnten Beispielen haben sich Leistung und Stoffwechsel deutlich verbessert. Die Personen konnten den Körper im Gegensatz zu vorher endlich wieder stärker belasten, darum wurden auch die Spannung im Körper kleiner, die aktive Masse kleiner und Fett grösser ausgewiesen. Dieser Zusammenhang erklärte uns noch weitere Abweichungen: Vor allem Frauen mit einem besonders grossen Herz-Kreislauf-System, also einer grossen Energiepumpe, hatten immer deutlich weniger Muskelmasse in der Körperfettwage ausgewiesen, als dies tatsächlich der Fall war. So wurde einigen Kundinnen im Fitnesscenter gesagt, dass sie unbedingt mehr Krafttraining machen sollten, weil sie nicht genügend Muskulatur hätten. Da diese von einer falschen Annahme ausgegangen waren, führte das Krafttraining dann dazu, dass die Kundinnen einfach immer breiter statt fitter und schlanker wurden.

Auf Körperfettwaagen ist leider kein Verlass. Sie zeigen kaum je die Realität und bergen oft mehr Frust als eine Belohnung für die harte Mühe im Fitnesscenter oder beim Sport

In der Bildstrecke finden Sie ein paar Merksätze für alle, die die Waage trotzdem gebrauchen wollen.


(gss)