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Familiensache
04. November 2011 09:30; Akt: 02.11.2011 20:25 Print
Hunger! Hunger!
von Marco Rüegg - Hans-Jakob Mühlethaler geht für die Kunst auch mal untendurch. Sein Bruder bewundert das – und eifert ihm nach.

«Ich will auch mal selbst was auf die Beine stellen»: Karl-Ludwig und Hans-Jakob (l.). (Bild: Thomas Stöckli)
Hans-Jakob, 29, Kreativmonster
«Als Diplomatenkinder sind mein Bruder und ich in Ottawa zur Welt gekommen und haben in Saudiarabien, Prag und Deutschland gelebt, bis wir im Berner Mittelland Zwischenstation machten. Durch das viele Reisen haben wir Kinder gelernt, offen auf andere zuzugehen. Ich fand schnell Freunde und wollte diese nicht verlassen, als meine Familie nach Südkorea weiterzog. Ich war damals 17, der Kontakt zu Karl-Ludwig flachte völlig ab. Erst jetzt nähern wir uns einander wieder an. Und es tut manchmal fast weh, wie ich an ihm Charakterzüge entdecke, die ich von mir kenne. Etwa die Angst vor Menschenmengen. Bis heute kotze ich fast vor Nervosität, bevor ich auf die Bühne muss. Da denke ich dann: Mensch, Hansi, warum hast du nicht Schreiner gelernt? Vor zwei Jahren traf ich Karl-Ludwig zufällig am Openair Frauenfeld, wir feierten bis in den Morgen. Dass es sein Geburtstag war, merkte ich erst ein paar Tage später. Er zum Glück auch.»
Weit gereiste Rasselbande
Hans-Jakob ist unter dem Namen Chocolococolo Mitglied im Langenthaler Hip-Hop-Kollektiv Mundartisten. Im Rap-Drama «Off-Beat» (siehe Culture Club auf Seite 37) spielt er die Hauptrolle. Der drei Jahre jüngere Karl-Ludwig wohnt in Herzogenbuchsee und möchte bald – wie sein Bruder – nach Zürich ziehen. Das Kinderfoto von 1988 zeigt die beiden mit ihrer Schwester Annie.
Karl-Ludwig, 26, Hotelboy
«Unser Vater musste alle vier Jahre den Arbeitsort wechseln. In Deutschland besuchten wir Kinder erstmals eine öffentliche Schule. Nach zehn Jahren in Herzogenbuchsee entschied sich mein Bruder gegen das Nomadenleben – und für seine Ersatzfamilie: das Hip-Hop-Kollektiv Mundartisten. Rap, Filme, das ist sein Ding. Für mich ist er ein Monster, ein belesener Poet. Selbst wenn der Vater fragt: Junge, warum schliesst du nicht das Lehrerseminar ab und suchst dir einen Job? Blödsinn. Ich bewundere ihn dafür, dass er für die Kunst auch mal untendurch geht, die Nächte im Club arbeitet für sein Geld. Ich habe zuletzt ein halbes Jahr bei den Eltern in Budapest verbracht und als Hotelboy gearbeitet. Zwei Gäste den ganzen Winter, voll die Beschäftigungstherapie. Ich will auch mal selbst was auf die Beine stellen, wie Hans-Jakob das mit seiner Musik tut. Aber im Moment fehlt mir noch der Mut.»



























