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Familiensache
02. Juli 2010 09:30; Akt: 15.07.2010 13:34 Print
Stroboskop & Blaulicht
von Claudia Langenegger - Miss Handicap Corinne Parrat liebt das Nachtleben, ihre Schwester Fabienne rettet in der Nacht Leben.

«Sehe ich Blut, kippe ich um»: Corinne (r.) mit ihrer Schwester Fabienne.
Fabienne, 32, die Sanitäterin
«Ich war vier, als Corinne gehörlos wurde. Als sie zwei Jahre später ins Internat ging, war das sehr hart für mich. Von da an musste ich mit Corinne Hochdeutsch sprechen, damit sie das Lippenlesen lernt. Da kamen ab und zu lustige Sachen raus! So wusste ich nicht, was ‹Pipi machen› heisst und habe gesagt: ‹Ich muss beiseln gehen.› Nur selten habe ich mir gewünscht, sie würde hören: Zankten wir uns mal wegen einem Spielzeug, hat sie einfach die Augen geschlossen und ich konnte zetern, wie ich wollte. Corinne kann enorm gut Gesichter lesen. Sage ich ihr, mir gehts gut, und es stimmt nicht, spürt sie das sofort. Manchmal mache ich mir Sorgen – was ist, wenn ihr Zug stecken bleibt? Die Durchsage hört sie ja nicht. Doch Corinne ist nie verloren, sie findet sich unglaublich gut zurecht. Sie beobachtet immer, was um sie geschieht. Hemmungen, wildfremde Leute anzusprechen, hat sie nie. Ich bewundere ihren Willen: Setzt sie sich etwas in den Kopf, schafft sie es.»
Von klein auf unzertrennlich
Corinne Parrat wurde im Oktober zur ersten Miss Handicap der Schweiz gekürt. Die gelernte Mediendesignerin und Kauffrau aus Binningen BL hat als zweijähriges Mädchen nach einer Meningitis das Gehör verloren. Mit vier kam sie ins Internat einer Sprachheilschule, Wochenenden und Ferien verbrachte sie daheim in Küttigen AG. In dieser Zeit entstand das Porträt mit ihrer älteren Schwester Fabienne, Rettungssanitäterin von Beruf und Mami von zwei Buben. Fabienne beherrscht das Gehörlosenalphabet und half ihrer Schwester beim Gespräch mit Friday.
Corinne, 30, die Partynudel
«Für Fabienne war es immer normal, dass ich nicht hören kann. Wenn sie mir beim Rausgehen etwas wie ‹Wart schnell!› nachrufen wollte, hat sie mit einem Fuss auf den Boden gestampft. Ich spürte die Vibrationen. Wir sind uns sehr nahe und doch sehr unterschiedlich. Das war schon immer so. Als Teenager liebte Fabienne Kuschelrock, ich fand Techno cool. Ich ging gern wandern, sie spielte lieber Tennis. Ich mag die Natur, es gibt so viel zu beobachten. Tennis war langweilig – da geht nur immer der Ball hin und her. Ich lerne gern Leute kennen und liebe Partys, am liebsten mag ich Soul und Pop. Fabienne ist viel ruhiger. Sie ist verheiratet, Mutter von zwei Jungs und hat einen Beruf, den ich niemals machen könnte: Rettungssanitäterin. Sehe ich Blut, kippe ich um. Was ich bewundere: Meine Schwester weiss in jeder Situation, was zu tun ist. Sie ist eine Powerfrau.»

























