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Star Style
25. Juni 2010 09:30; Akt: 24.06.2010 18:17 Print
P. Diddys Wunderkind
von Lucien Esseiva - Janelle Monáe ist P. Diddys neues Wunderkind. Und der einzige Mensch auf Erden, der dem Godfather of Soul das Wasser reichen kann. Falls sie wirklich ein Mensch ist.
Kansas City, Dezember 1985. Über der Stadt schwebt ein Raumschiff. Lichtblitze zucken durch die dunkle Nacht, durch eine Wolke aus Sternenstaub steigt ein Wesen auf die Erde herab: Janelle Monáe.
AusserirdischDas Album ist eine Reise durch die Musikgeschichte. Janelle mixt das Chanson der 20er, den Motown der frühen 60er, den Soul der 70er und den Hip-Hop von heute, und heraus kommt eine Mischung, die vor Frische und Energie nur so strotzt.
Janelle Monáe - «Archandroid»
So oder ähnlich könnte sich die Ankunft des hellsten Sterns am R’n’B-Himmel abgespielt haben. Alles an Janelle Monáe ist irgendwie ausserirdisch. Die Geschwindigkeit, mit der die 25-Jährige die Musikwelt erobert hat, die Art, wie sie ihre schwerelose Choreografie aufs Parkett legt, ihre Frisur, ihr Style. Janelle Monáe spielt ganz bewusst mit dem Bild des galaktischen Wesens. Ihr aktuelles Album heisst «The Archandroid», auf dem Album-Cover posiert sie als Mischwesen - halb Frau, halb Roboter. «Ich war schon immer eine der anderen», sagt sie am Telefon aus New York.
Janelle ist in ärmlichen Ver-hältnissen aufgewachsen. Ihr Vater war Müllmann, ihre Mutter verdiente ihr Geld mit Putzen. Dass die Tochter mit besonderem Talent gesegnet ist, wussten die Eltern zwar, doch Geld für eine Ausbildung war keines da. Janelle musste schon früh arbeiten und jobbte als Aushilfe in einem CD-Versandhaus. Das war der Anfang ihrer Karriere: «Es war ein mieser Job, schlecht bezahlt. Als ich eines Tages meine privaten Mails am Firmencomputer checkte, kam der Chef rein und feuerte mich.» Aus Protest schrieb Janelle ihren ersten Song «Lettin’ Go», stellte ihn ins Internet und wurde prompt von den Jungs der Band Outkast entdeckt. Das war 2006.
P. Diddy wurde ein Jahr später auf das Ausnahmetalent aufmerksam. «Janelle ist die schärfste Entdeckung und der beste Vertragsabschluss, den ich in meinem Leben gemacht habe», sagte der Hip-Hop-Mogul in einem US-Musikmagazin. Mit Diddys Hilfe veröffentlicht sie die EP «Metropolis». Die Zusammenarbeit ist nicht nur für Janelles Karriere wichtig: «Sean ist ein Mentor für mich. Bei der kreativen Arbeit am neuen Album hat er mich unterstützt», sagt sie.
Trotz des Erfolgs sieht sich Janelle noch immer als normales Mädchen. «Mein Leben hat sich überhaupt nicht verändert. Der einzige Unterschied ist, dass ich nun endlich machen kann, was ich schon immer wollte. Und meinen blöden Chef los bin.» Alles andere als normal ist der Style der R’n’B-Queen: «Ich trage bewusst eine Art Uniform. Das ist mein Weg, den Menschen Tribut zu zollen, die täglich eine Uniform tragen müssen und eine unbeachtete, aber wichtige Arbeit tun.» Auch mit ihrem Markenzeichen, den schwarz-weissen, maskulinen Anzügen und der übergrossen Fliege spielt sie auf ihre Helden und ihr Flair für vergangene Zeiten an: «Ich stehe auf Marlene Dietrich. Sie hat viel für die Musik und das Bild der starken Frau im Showbusiness getan.» Janelle Monáe ist selber auf dem besten Weg zur Ikone. Quer durch alle Musikszenen wird sie als die einzig wahre Nachfolgerin für das Soul-Erbe des verstorbenen James Brown gehandelt, ihre Single «Many Moons» war 2009 für einen Grammy nominiert und der «Rolling Stone» wählte sie zu einer der hundert wichtigsten Künstlerinnen des vergangenen Jahres. Scheinbar wird alles, was Janelle Monáe anfasst, zu Gold. Nur etwas bestimmt nie: «Meine Kleider bleiben schwarz-weiss.»


























