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27. Januar 2012 09:30; Akt: 26.01.2012 20:22 Print

Kunststück LenaKunststück Lena

von Jonas Dreyfus - Vom Landei zur Lolita: Seit ihrer radikalen Verwandlung hat Sängerin Lana Del Rey Riesenerfolg. Alles nur ein Fake?

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(Bild: Keystone)

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Teenager hüpfen in ei­nen Pool, eine Hollywoodschönheit torkelt über den roten Teppich, Skateboarder rollen durch die Stras­sen von L.  A.: Szenen aus dem Clip zu «Video Games» von Lana Del Rey, 25, Sängerin aus New York. Sie hat sie selbst zusammengeschnitten, auf ihrem Mac. Und auf You­tube geladen. Den Film haben sich bis heute knapp 22   Millionen Leute angesehen, der Song schoss in fast ganz Europa in die Top Ten, in Deutschland sogar auf die Eins. Seine Melodie bleibt im Ohr hängen wie ein nicht mehr enden wol-
lender Refrain. Dazu Streicher, eine Harfe, die beschwö­rende Stimme: So mo­dern wie bei Lana Del Rey hat sich Retro-Pop noch nie ange­hört. Mit dramatisch aufgespritzten Lippen singt sie von der bedingungslosen Liebe: «It’s you, it’s you, it’s all for you. Every­thing I do.»

Elizabeth «Lizzy» Grant, wie sie in Wirklichkeit heisst, wuchs im US-Wintersportort Lake Placid auf, ihr Vater ist ein erfolgreicher Unternehmer. Sie hat als Teenager den Kirchenchor geleitet, zog mit 18 nach New York, wo sie in kleinen Clubs und Bars von Brooklyn ihre ersten Konzerte gab. Ein Jahr später hatte sie den ersten Vertrag mit einer Plattenfirma in der Tasche. Von den 10 000 Dollar Vorschuss lässt sie sich die Lippen aufspritzen. «Ich habe mich selbst gefördert», umschreibt sie die Aktion in einem Interview mit der FAZ. Und wie es sich für eine selbst ernannte «Gangsta Nancy Sinatra» gehört, lebt sie danach in einer Wohnwagensiedlung vor den Toren Manhattans.

Der Lolita-Look, die Fan­tasy-Nails, die Zigaretten, der Dreifingerring: Es ist diese einmalige Mischung, die Lana ausmacht. Es ist, als würde Marilyn Monroe mit Quentin Tarantino abhängen oder Rapper Tyler The Creator sich in der Serie «Mad Men» ver­irren. «Ich greife einfach unglaublich viel aus meinem eigenen Leben auf», sagt Lana der «Vogue». «Und das vermittelt eben dieses Vintage-Gefühl.»

Sie war mal sooo brav

Dumm nur, dass die rothaarige Lolita von heute vor ihrem Durchbruch scheinbar eine ganz an­dere Person war. Auf Indiemusik-Blogs, wo man sie anfänglich als Artgenossin aufgenommen hatte, sind Bilder aufgetaucht, auf denen eine blonde Lana Del Rey (damals noch Lizzy Grant) an der Seite von sehr uncoolen Leuten aus der Musik­industrie posiert und dabei so brav aussieht, dass daneben sogar Miley Cyrus als Femme fatale durchgehen würde.

Der Vorwurf liegt auf der Hand: Lana sei fake, ein als Hipster verkleidetes Produkt einer Plattenfirma. Dafür spricht auch die Tatsache, dass ihr erstes Album 2010 – drei Monate nachdem es erschienen war – wieder vom Markt verschwand. Weil man sich geeinigt habe, etwas «Neues, Frisches» zu beginnen, wie das Management sagt. Am «zweiten ers­ten Album» ist nun derselbe Produzent beteiligt, der Adele und Duffy gross herausgebracht hat. Ein weiterer produzierte Hits für Robbie Williams.

Vielleicht ist es diese Künstlichkeit, die so fasziniert. Dass man nicht recht weiss, woran man ist bei ihr. Ein Fan schreibt in einem Forum: «Es ist mir egal, ob Lana echt oder ‹gemacht› ist, sie ist definitiv tausendmal interessanter als alles, was am Radio läuft.» Lana selbst reagiert auf die Anschuldigungen trotzig: «Ich stehe nicht auf Konfrontation», sagt sie. «Wenn das ab jetzt mein Leben sein sollte, höre ich auf zu singen.» Tus nicht, Lana, tus nicht!