Interview

03. Februar 2012 09:30; Akt: 01.02.2012 23:28 Print

«Ich glaub an diesen Scheiss»

von Martin Fischer - Singer-Songwriterin Christina Perri, 25, findet: Alles hat seinen Sinn. Das hilft in harten Zeiten.

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«Er ist so cool!»: Christinas Vater ist immer bei ihr. (Bild: PR)

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Christina, worüber willst du unbedingt mal noch einen Song schreiben?
Christina Perri: Über glückliche Beziehungen! Glückliche Ehen! Babys! (Lacht) Ich hatte bis jetzt kein Glück damit.

Den Lovesong «Penguin» hast du doch über deinen Freund geschrieben. Seid ihr nicht mehr zusammen?
Hat nicht funktioniert. Ich war vorher ja auch schon verheiratet – hat auch nicht funktioniert. Aber alles passiert aus gutem Grund. Ich glaube an diesen Scheiss. Mein Pinguin-Tattoo auf der Hand behalt ich jedenfalls.

Weisst du, wie viele Tattoos du hast?
Nicht genau. Etwa 45.

Welches ist das neuste?
Ein Herz mit «Papa»-Schriftzug, auf dem rechten Oberarm. Mein Dad hat mich neulich das erste Mal in L. A. besucht. Wir gingen ins Tattoostudio meines Bruders und lies­sen uns Familientattoos machen.

Ist deine ganze Familie tätowiert?
Ja. Mein Bruder hat noch mehr als ich. Mein Vater hat drei. Er ist so cool! Das erste haben wir ihm zum 60. geschenkt. Jetzt ist er 67.

Du bist in Philadelphia aufgewachsen. Wann hast du dich entschieden, nach Los Angeles zu ziehen?
Nachdem ich das College geschmissen hatte, etwa mit 18. Ich arbeitete in einem Laden, hatte keinen Plan, was aus mir werden sollte. Und ich war immer noch on und off und on und off mit dem Typen, über den ich «Jar of Hearts» geschrieben habe.

Und dann?
Hat mein Bruder angerufen. Er sagte, dass er nach L. A. zieht und dass ich mitkommen soll. Ich hab alles stehen und liegen gelassen, meiner Familie und dem «Jar of Hearts»-Typen tschüss gesagt und bin nach L. A.

Danach dauerte es noch ein paar Jahre bis zum Durchbruch.

Eine harte Zeit. Ich war sehr oft nah dran, wieder nach Hause zu gehen.

Wieso bist du geblieben?
Wenn man seinen Traum verfolgt, muss man bis zur Erschöpfung gehen. Ich fühlte mich manchmal, als müsste ich sterben. Körperlich. Ich hatte zwei Jobs: festangestellt in einem Café und nebenbei machte ich alles mögliche, um noch was hinzuzuverdienen. Ich hatte kaum noch Zeit für Musik und fragte mich: Was tue ich hier? Aber ein kleiner Funken Hoffnung in mir ging nie aus.

Es hat sich gelohnt.
Ja. Wäre ich damals nach Hause, wär all das nie passiert, was ich jetzt erleben darf. Es ist verrückt, dass viele Leute wohl ihren Traum auf­geben, ohne zu wissen, dass seine Erfüllung kurz bevorsteht.

Mit «Jar of Hearts» hast du bestimmt viel Geld gemacht. Was hast du dir gekauft?

Ein Klavier, 149 Jahre alt. Das tollste Piano der Welt!

Wann hast du dir eigentlich die Strähne blond gefärbt?
Schon lange her! (Überlegt) Im April 2008. Nur zum Spass. Aber jetzt muss ich sie behalten: Wenn ich ins Publikum schaue, seh ich in der ersten Reihe sicher zwanzig Mädchen mit blonden Strähnen.

Schon mal überlegt, die Farbe zu ändern?
Ja, klar. Die Strähne hat noch Entwicklungspotenzial.

Worüber hast du zuletzt gelacht?
Meine Stylistin und die Band gingen gestern ins Spa, hier in Zürich. Dort waren alle nackt, Frauen und Männer! Das gibts in Amerika nicht, meine Leute hatten alle Badehosen an oder Tücher um. Sie waren diese langweiligen Amis, die sich schämen, nackt rumzulaufen.

Gibt es etwas, das die Leute über dich nicht wissen?
Kaum einer ahnt, wie nerdig ich bin. Gestern etwa bin ich den ganzen Tag im Bett gelegen, habe Tee getrunken und «The Hunger Games» gelesen. Und ich hab mich gefragt: Machen das Rockstars wirklich so?