Interview

10. Februar 2012 09:30; Akt: 09.02.2012 20:08 Print

«Liebe ist oft grausam»«Liebe ist oft grausam»

von Nuria Furrer - Für die Regisseurin Laura Koerfer äussern sich in Beziehungen immer auch Macht­verhältnisse.

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Laura Koerfer zeigt, wie sie Beziehungen sieht: Der eine gibt, der andere nimmt. (Bild: Basil Stücheli)

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Die 26-jährige Zürcherin gilt als das Nachwuchstalent der Schweizer Theaterszene. Ihre Inszenierung «Faustrecht der Freiheit» am Theater Neumarkt ist ein knallhartes Stück über die Liebe und ihre Unzulänglichkeiten.

Friday: Laura, dein Stück hat kein Happy End. Warum so ernst?
Laura Koerfer: Ich wollte zeigen, dass die Liebe nicht immer lustig ist. Im Gegenteil, Beziehungen sind oft grausam!

Inwiefern?
Wenn man sich der Liebe derart hingibt wie Foxi, hat das Konsequenzen.

Zum Beispiel?
Man kann sich in ihr so sehr verlieren, dass man fast nicht mehr vorhanden ist. Auch für den anderen nicht. So verliert er seine Liebe zu dir, und du fühlst dich leer.

Ist dir das auch schon passiert?
Ja, auf jeden Fall. Trotzdem ist diese Eigenschaft etwas Schönes. Ich bewundere Foxi für ihre radikale Art zu lieben.

In deinem Stück gibt die eine ­alles, die andere nimmt nur. Warum so schwarz-weiss?
In Beziehungen äussern sich immer auch Macht­verhältnisse. Ich wollte das ganz ­deut­­­lich darstellen. Eugenie wird durch die äusseren Umstände, zum Beispiel ihren Vater, dazu gezwungen, so gemein zu handeln.

Glaubst du nicht ans das Gute oder Schlechte im Menschen?

Ich glaube nicht an gute und schlechte Menschen. Ich glaube an gute und schlechte Taten und an die Umstände, die zu diesen ­führen.

Foxi lässt sich von ihrer Freundin Eugenie ausnehmen. Wie wichtig sind Geld und sozialer Status in einer Beziehung?

Seit der Finanzkrise fragen wir uns wieder: Mit wem lohnt es sich, ein Kind zu machen? Wer bringt mich beruflich weiter? Wer inspiriert mich? Der Nutzen in der Beziehung
ist wichtiger geworden. Wir gehen zurück in die Vergangenheit, wo man aus ökonomischen Gründen ­geheiratet hat.

So pragmatisch?
Ja, aber am Schluss ver­lieben wir uns trotzdem meist in jemanden, der unseren Vorstellungen eben nicht entspricht. Und das ist gut so.