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«Zeiten ändern Dich»
05. Februar 2010 10:00; Akt: 05.02.2010 14:27 Print
Bushido
von Christina Duss - «Das ist mein Leben, Alter.» So berühmt wie jetzt wird der deutsche Rapper Bushido nie wieder sein. Dieses Wochenende startet der Film «Zeiten ändern Dich», die Verfilmung seines Wegs.
Bushido war gerade beim Coiffeur. Den Asi-Deckel rasieren. «Mann, ich hab jetzt überall Haare», sagt er, bläst sich die lästigen Fitzelchen aus dem Gesicht und bestellt sich eine Cola. Der Bodyguard (wie begrüsst man diese Typen? Handschlag? Freundliches Schulterklopfen?) setzt sich in die Ecke. Es ist 12 Uhr mittags in der Bar des Berliner Hotels Lux 11 und der Rapper hat noch kein Frühstück gegessen. Ingwer-Karotten-Suppe? Er winkt ab. Dann doch lieber Hunger haben.
«Ich bin kein Häftling und kein Junkie»: Bushido, 31.
Der Weg des Kriegers
Bushido (Japanisch für «Weg des Kriegers») wurde am 28. September 1978 als Anis Mohamed Youssef Ferchichi geboren. Seine Mutter ist Deutsche, sein Vater Tunesier. Er wuchs in Berlin auf, wo er sein Geld als Drogenhändler verdiente. Das Dealen gab er auf, als er vom Label Aggro Berlin unter Vertrag genommen wurde, mit dem er sich später zerstritt. Bushido hat bis heute über 1,5 Millionen CDs verkauft und war bei den MTV Europe Music Awards zweimal «Best German Act».
Bushido live am 27. April im X-tra Zürich Tickets auf x-tra.ch
Friday: Bushido, wie hast du dich
gefühlt, als du das erste Mal den fertigen Film über dein Leben gesehen hast?
Bushido: Er zeigt alles so, wie es gewesen ist. Als am Schluss die Credits runterliefen, stand auf einmal gross mein Name da. Das Licht ging an. Zum Glück hatte ich meine Kapuze auf. Und ich wusste, wenn ich jetzt rede, würde meine Stimme ganz schwach klingen. Dann hab ich zwei, drei Minuten gechillt.
Was war dein erster Gedanke?
Das ist mein Leben, Alter.
Und der zweite?
Ganz ehrlich: Film übergeil, weil jetzt seh ich überall mein Gesicht. Das ist einfach der Punkt.
(Grillengeräusch, sein Telefon) «Ey Fler, Atze, ich bin grad innem Interview, ich ruf dich in einer halben Stunde zurück, ja, Alter? Ruf mal Connor an. Okay, tutti, ciao.» Während Bushido sein Telefon hinlegt, erzählt er nahtlos dort weiter, wo er aufgehört hat. «Meine Nase ist auf der Leinwand zehn Meter gross! Das ist das Geilste!» Er redet ohne Punkt und Komma, hat im Gespräch zu jedem Thema was zu sagen, wie in seinen Songtexten und in seiner Autobiografie. Beeindruckend. Bushido findet es cool, wenn eine Frau kochen kann, trotzdem kann sie gern Karriere machen, aha, und erfolgreich sein. Er mag es halt einfach, bekocht zu werden, sagt er. Aber dann nicht einfach eine ungeschnittene, ungeschälte Gurke. Jetzt wird Bushidos Stimme lauter. Er nimmt einen Schluck Cola. Auf die Frage, wie er die Girls findet, die am Tourbus auf ihn warten, sagt er dreimal «Nutte», und die Leute am Nachbartisch rutschen ein bisschen auf ihren Stühlen rum. «Aber ich bin doch kein Megamacho und sperre Frauen in die Küche ein, was ist denn das für ’ne Scheisse!» Er liebe Frauen. «Warum meinst du denn, dass ich ins Solarium oder zum Friseur gehe? Ich möchte euch doch gefallen.» Überhaupt verstehe er gar nicht, warum die Leute ihm immer wieder den Frauenhasser andichten. Wir gucken uns eine Millisekunde schweigend an. «Gut, vielleicht hab ich damit auch gespielt.»
Neuerdings sieht man dich brav neben Promis wie Produzent Bernd Eichinger.
Die Arschlochkarte kannst du bald nicht mehr zücken.
Ach, was. Die hol ich mir schnell wieder zurück. Ein dummer Kommentar über Angela Merkel und schon wieder Arschloch der Nation. In Deutschland geht das ganz einfach.
Willst du eigentlich mal Kinder?
Absolut, natürlich. Und wenn ich mal Kinder habe, möchte ich nicht, dass die in der Öffentlichkeit stehen. Das bedeutet, dass ich jetzt dann eh mal mit dem ganzen Quatsch aufhören muss.
Welchen Rat würdest du ihnen mit auf den Weg geben?
Es reicht sicher nicht zu sagen: «Glaub an dich!» oder: «Nimm keine Drogen.»
Okay, was ist, wenn sie sich in der Schule prügeln?
Dann muss man mit einem kühlen Kopf nachvollziehen, was passiert ist. Man muss ihnen klarmachen: Gewalt ist keine Lösung. Aber man muss die Kinder auch verstehen können und ihnen dann nicht noch selber eins auf die Fresse geben.
Aber du schlägst doch gern mal zu oder bedrohst Leute.
Ach, hör mal, ich hab mich in der Schule geschlagen, weil ich die Ehre meiner Mutter verteidigen wollte. Und glaubst du, meine Mutter hat mir deshalb Hausarrest gegeben?
Keine Ahnung.
Es gab keinen Hausarrest. Ich bequatschte sie als Teenie zehn Minuten und sie gab mir 450 Mark für einen Drogendeal.
Deine Mutter sah dir beim Drogenabpacken zu. Findest du das cool?
Ja, was sollte sie schon machen? Ich bin eine starke Persönlichkeit. Hätte sie mir das verboten, hätte ich vielleicht einen Supermarkt überfallen. So hatte sie wenigstens die Kontrolle über mich. Und guck, wo ich jetzt bin: Ich sitze hier und du triffst gerade den erfolgreichsten deutschen Musiker. Ich bin kein Häftling und kein Junkie geworden.

























