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Reportage
16. Oktober 2009 10:15; Akt: 14.10.2009 18:58 Print
Die Ich-AG
von Christina Duss - Die Finanzkrise ist nicht nur böse. Sie macht auch erfinderisch. Friday stellt fünf mutige Projekte vor.
Monika Milakovic (31), Freelancerin aus Zürich, macht Federschmuck
«Ich habe 2008 einige Monate in New York verbracht. Und wusste, dass ich zurück in der Schweiz nicht sofort einen festen Job haben würde. Es musste Geld her. In New York gründen Leute noch viel sorgloser kleine Businesses als hier, die haben mehr Mut und mehr Selbstbewusstsein. Mich hats gepackt. Ich begann - meistens nachts - Bänder, Haarreifen und Clips aus Federn, Spitze und Leder zu basteln, inspiriert vom Jugendstil. Mit der dunklen Hahnenfeder arbeitete ich am liebsten. Zurück in Zürich war ich nach dem ersten Nachtmarkt restlos ausverkauft. Federn verzaubern jeden. Mit meinem Haarschmuck sehen die Leute irgendwie extravaganter aus – er verleiht jedem Outfit etwas Aussergewöhnliches. Ich glaube, das ist das Geheimnis.»
Arbeitsaufwand «4-5 Tage vor jedem Markt.» Arbeitsort Zuhause. «Ein Raum geht fürs Bastelzimmer drauf. Und die Federn sind überall.» Infos Schmuck ab 45 Fr.; www.ceremoni.ch
Daniela Moser (28), Betriebsökonomin, und Ray Arpagaus (27), Freelancer aus Wollerau, verkaufen Hot Dogs
«Fastfood war schon immer unser Ding, Schickimicki-Essen liegt uns nicht. Also haben wir im Herbst 2008 Dr.Dog gegründet. Wir verkaufen Hot Dogs mit extra für uns hergestellten Würstchen, drei speziell für uns gebackenen Brotsorten, Röstzwiebeln und acht feinen Saucen. Honey Mustard und Curry machen wir selber. Wir hatten Lust, was auf die Beine zu stellen. Es ging uns nicht bloss ums Geld. Die Arbeiten teilen wir uns auf, je nachdem, was gerade ansteht, Büro oder Rüsten. Ans Greenfield-Openair schleppten wir 1100 Brötli und 1100 Würste - alles ging weg! Im Moment stecken wir noch das ganze Geld, das wir am Ende des Tages in der Kasse haben, in Dr. Dog. Aber jetzt suchen wir mal ein Ladenlokal. Dr. Dog soll hoch hinaus.»
Arbeitsaufwand «Vor einem grossen Auftrag rüsten wir einen Tag lang Gemüse. Das sind dann schon mal 21 Kilo Tomaten.» Arbeitsort «In einem Milchlädeli auf dem Hirzel.» Infos: Ab 7.50 Fr.; www.drdog.ch
Lukas Biry (24), Berufsmaturand aus Basel, kreiert Schutzmasken
«Ich trage meine Masken, wenn ich durch die Stadt fahre. Die Idee kam mir, als ich im Zug sass: Eine Frau neben mir hustete – und ich stellte mir eine Menschenmenge mit faden, blauen Masken vor. Das wär doch mega schlimm, oder? Also entwarf ich ungefähr 50 Sujets, ein Kollege half mir beim Drucken. Ich vergass sogar zu essen, so beschäftigt war ich. Jetzt läufts ziemlich gut, obwohl es die Masken erst seit zwei Wochen gibt. Oft telefoniere ich mit Kunden, wenn ich in der Schule Mittagspause habe. Aber mir gehts nicht darum, viel Stutz zu machen. Ich finds cool, einen Farbfleck in den Alltag zu bringen. Und ich will nicht nur eines tun. Wenn die Grippezeit vorbei ist, werden sicher wieder neue Projekte interessant.»
Arbeitsaufwand «Kurz vor der Lancierung: 15 Stunden am Tag.» Arbeitsort «Meine Wohnung – zwei von drei Zimmern gehören jetzt den Masken.» Infos Ab 14.90 Fr. (pro Zehnerpackung); www.mymask.ch
Michelle Burke (33), Luftverkehrsangestellte aus Zürich, backt Cupcakes
«Die besten Cupcakes der Welt habe ich in der Londoner Hummingbird Bakery gegessen. Die bunten Küchlein mit Buttercreme-Topping gingen mir nicht mehr aus dem Kopf – ich musste sie einfach in die Schweiz bringen. Das Rezept habe ich aus Büchern und dem Internet rausgesucht. Und dann mit eigenen Ideen verfeinert. Zuerst hab ich die Cupcakes an Freunden getestet, und alle mochten sie. Die ersten Verkäufe waren trendige Events. Ich engagierte DJs oder druckte unser Logo auf Taschen. Wir sind in Clubs, kleinen Bars, an Hochzeiten und Geburtstagen unterwegs. Ich backe einfach dann, wenn ich frei habe. Der Job am Flughafen kommt nicht zu kurz. Ich backe mit Liebe, mag es, etwas selber zu machen. Heutzutage gibts viel zu viel Unpersönliches. Cupcakes sind herzig, so schön bunt. Ich mag die Reaktion der Leute, wenn sie in das Küchlein beissen. Jeder braucht ab und zu etwas Süsses für Herz und Seele.»
Arbeitsaufwand «Ich backe einen Tag lang, vor jedem Event.» Arbeitsort «Eine Küche in Zürich.» Infos Ab 2.50 Fr.; www.ilovemichellescupcakes.blogspot.com
Yuan Yao (24), Doktorandin aus St.Gallen, und Jan Gerber (28), Unternehmensberater aus Schaffhausen, gestalten Stadtkarten
«Kiloschwere Reiseführer nerven total. Und sind furchtbar langweilig. Wir haben beide schon mindestens 50 Länder bereist und fanden, dass es an der Zeit ist, einen handlichen, schönen Stadtführer zu gestalten. Einer, der die tollsten Insidertipps verrät. Wie leben die Locals? Man geht doch nicht nach Thailand, um mit Engländern und Deutschen rumzuhängen, oder? In Schanghai zum Beispiel empfehlen wir das Mittagessen an der chinesischen Uni. Wir haben einheimische Freunde vor Ort, die ständig neue Ideen liefern. Jede Karte ist anders. Jan macht die Finanzen und die Verträge, Yuan ist fürs Kreative zuständig. Uns gibts erst seit Mitte August, aber wir haben schon 12 Stadtkarten. Und es werden noch mehr!»
Arbeitsaufwand «Wir arbeiten 16 Stunden am Tag. Und am Wochenende.»
Arbeitsort «Überall. Einer von uns ist meistens auf Reisen. Wir besprechen viel per Telefon oder E-Mail.» Infos 13 Fr., www.alacartemaps.com

























