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Interview
16. Juli 2010 09:30; Akt: 16.07.2010 00:21 Print
«Jeder Schritt war ein Schock»
von Oliver Schmuki - Rocker Jack White versteht nicht, wieso sich alle für die White Stripes interessieren.

Jack White.
Backstage am Montreux Jazz Festival, kurz vor dem Auftritt seiner Band The Dead Weather, steht er plötzlich vor mir. In Cowboy-Stiefeln, breitschultrig und grossgewachsen. Sein Gang aber ist so leicht wie die Feder an seinem Hut, sein Teint alabasterweiss. Nicht mal der Schatten eines Barts.
Supergroup ...
... nennt man eine Band, die aus Mitgliedern anderer grosser Bands besteht. Bei The Dead Weather sind dies (Bild, von links nach rechts): Jack Lawrence (The Raconteurs), Alison Mosshart (The Kills), Jack White (The White Stripes) und Dean Fertita (Queens of the Stone Age).
Friday: Jack, wie wird ein weisser Junge aus Detroit einer der weltbesten Gitarristen?
Jack White: Jeder Schritt auf meinem Weg war ein Schock. Besonders mit den White Stripes. Stell dir vor: ein Geschwisterpaar, das sich rot-weiss-schwarz kleidet, ein Pfefferminzmotiv auf die Basstrommel klebt und den Blues spielt wie kleine Kids! Noch vor unserem Durchbruch gaben wir ein Konzert im Kunstmuseum von Detroit. Wir rechneten mit 300 Leuten – 4000 kamen! Wir verstanden nicht, wer sich für uns interessieren sollte. Eigentlich verstehe ich es bis heute nicht.
Als Lehrling hast du antike Sitzmöbel gepolstert.
Ja, ein Job mit abschreckenden Seiten. Er hat mich aber dazu gebracht, härter zu arbeiten. Auch an mir selbst. Mein Boss war ein Perfektionist und grosser Musikliebhaber.
Weshalb abschreckend?
Ich begriff, weshalb sich viele Arbeitskollegen selbständig machten: Weil sie nur zwei Tage in der Woche arbeiten wollten. Als ich begann, Musik zu machen, sah ich, dass viele Garage-Rocker ihre Arbeit nicht ernst nahmen. Es war mir schleierhaft, wie sie sich Künstler nennen konnten, nur weil sie keiner regulären Arbeit nachgingen. Also sah ich mich nach weniger faulen Leuten um.
The Dead Weather ist keine faule Band. Zwei Alben in zehn Monaten – beachtlich für ein Nebenprojekt!
Genau das begreifen viele Leute nicht. Sie sähen mich am liebsten nur mit den White Stripes und unsere Sängerin Alison mit The Kills. Aber ich bin jemand, der viel Abwechslung braucht. Ich gehe immer wieder mit andern Musikern ins Studio. Dabei entsteht aber nicht jedes Mal eine Band.
Deine Musik ist voller Zitate aus der Musikgeschichte. Geht es aber nicht auch darum, einen Fortschritt zu erzielen?
Auf jeden Fall! Aber es ist doch peinlich, nichts über den Ursprung seines Handwerks zu wissen. Und es ist verrückt, wie viele Musiker heutzutage rein gar nichts wissen über Johnny Cash, Loretta Lynn oder Hank Williams! Vor allem in England. Viele der Bands dort haben keinen Schimmer, wo die Musik, die sie machen, herkommt.
Was rätst du denen?
Nachzuforschen.
Was ist eigentlich deine Definition von Rock’n’Roll?
Der Inbegriff von Rock’n’Roll ist für mich das Album «Fun House» von Iggy Pop & The Stooges. Viele Bands verstellen sich, um Rock’n’Roll-mässiger rüberzukommen. Andere leben es einfach. Würden wir alle barfuss herumlaufen, offene Seidenhemden tragen und riesige Goldketten und hinter Fitnessclubs Joints rauchen – das wäre einfach nur fake.

























