Muse

11. September 2009 10:00; Akt: 10.09.2009 19:49 Print

Audienz bei Matt, Dom und ChrisAudienz bei Matt, Dom und Chris

von ­Marion ­Bangerter - Muse luden zum ­Interview. ­Marion Bangerter, grösster Fan auf der Friday-Redaktion, war hingerissen.

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Seit 16 Jahren zusammen und unzertrennlich: Chris, Matt und Dom (v. l.) von Muse.

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Der Senior Marketing Manager ruft: «Next one, Switzerland!» Es ist 14 Uhr, und obwohl ich noch nichts gegessen habe, lasse ich sofort mein angebissenes Sandwich links liegen und folge ­Victor durch die unterirdischen Gänge, die zum Tonstudio führen. Es ist soweit. Ich werde die drei Jungs treffen, von denen ich alle Songs auswendig kenne. Werden sie gut drauf sein? Schaffe ich es, meine gefühlten 100 Fragen innerhalb von 15 Minuten jedem Bandmitglied — Matt, Dom und Chris — zu stellen? Trotz Skepsis und Angst — vielleicht werde ich Muse ja nach dem Interview nicht mehr mögen — klebt mir das Ich-treffe-jetzt-Muse-Grinsen im Gesicht. «Viel Glück!» höre ich noch Bella, meine blonde Kollegin aus Schweden, rufen. Mit ihr sind noch vier weitere Journalisten aus Japan, Belgien, Dänemark und Finnland für ein Exklusivinterview mit Muse in Como angereist. Mein Interview-Marathon beginnt.

Chris, der Bassist, drückt noch schnell seine Zigarette auf dem Steinboden aus. Dann führt er mich in einen Übungsraum des Studios. Er wirkt nervöser als ich — seine Stirn glänzt vor Schweiss.

Chris, seid ihr alle beste Freunde?
Ja, Freundschaft ist der Grundstein unserer Band. Wären wir keine Freunde, würde es uns so nicht geben. Mittlerweile ist es, als wären wir Brüder.

Und, wie seid ihr miteinander klargekommen, als ihr das Album ohne Produzenten aufgenommen habt?
Och, es gab auch mal Reibereien, wenn es etwa um einen Song ging und wir uns nicht einig waren. Aber wir haben immer versucht, das Problem zu lösen. Das hat uns stark gemacht.

Matt wird meistens als das musikalische Genie von Muse bezeichnet. Nervt dich das nicht?
Nein, das macht mir gar nichts aus. Er ist der Songwriter. Die Leute mögen es doch, wenn es einen Frontman gibt, der sagt, in welche Richtung es gehen soll. Wenn es dann um die genauen Bass-, Schlagzeug- oder Gitarrenmelodien geht, arbeiten wir ja dann schon zusammen, tüfteln neue Sounds aus. Für Dom und mich ist das okay.

Die neuen Tracks von Muse sind gewöhnungsbedürftig. Als ich das ­Album in Como zum ersten Mal höre, irritieren mich die krassen Elektro-Einflüsse ein wenig. «Wir versuchen, stets neue musikalische Gebiete zu erforschen und uns in einem Feld zu bewegen, in dem wir noch nicht waren», sagt Chris dazu. «Klar, es ist das erste Mal, dass wir Elektro so gepusht haben, dass wir teilweise gar keine Instrumente mehr ­spielen.»

Vielleicht sind Muse genau deshalb so erfolgreich geworden: Sie schaffen es immer wieder zu überraschen. Mit ihrem fünften Album «The Resistance» spielen Sänger Matthew Bellamy, Bassist Christopher Wolstenholme und Schlagzeuger Dominic Howard mit den Gefühlen ihrer gros­sen Fangemeinde. Von anspruchsvollen, klassischen Arrangements über massiv prügelnde Gitarrenriffs bis zu tanzbaren Electro-Timbaland-Beats reicht der Bogen. Ich mag es.

Es geht weiter mit Dom. Er trägt eine Ray-Ban-Sonnenbrille, klatscht eine Fliege und lehnt sich lässig im Stuhl zurück. Gehts eigentlich noch? Wenn hier jemand seine Nervosität verstecken müsste, dann wohl ich. Aus Protest setze ich auch meine Sonnenbrille auf. Wir sitzen im Garten über dem Studio.

Dom, ihr seid immer zu dritt unterwegs. Könnt ihr überhaupt ohne einander sein?
Ach, höchstens zwei Monate. Wir skypen aber oft in dieser Zeit. Es wird nämlich schnell langweilig ohne die anderen.

Wenn du ein persönliches Problem hast – zu wem gehst du?
Zu Matt und Chris. Und umgekehrt. Jeder gibt andere Ratschläge. Wir reden genauso über Schwachsinn wie über Tiefgründiges. Etwa Beziehungsprobleme. Wir kennen uns doch schon das halbe Leben!

Seit 16 Jahren stehen die drei Briten auf den Bühnen dieser Welt. Als sie zwölf Jahre alt waren, lernten sie sich am Community College der englischen Stadt Teignmouth in Devon kennen. Sie spielten in verschiedenen Bands, bis sie vier Jahre später unter dem Namen Rocket Baby Dolls an einem lokalen Bandwettbewerb teilnahmen und überraschend gewannen. Das war 1994. Kurz darauf entschieden sie sich, ihre Universitätspläne fahren zu lassen, den Bandnamen in Muse zu ändern und für ihre Musik zu leben.

16 Uhr, alles ist ein bisschen verspätet, aber jetzt steht er endlich vor mir: Matt. Der Mann, der in seinen Texten immer perfekt ausdrücken kann, wie ich mich im Leben halt so fühle. Aber hoppla, er ist ja kleiner als ich. Wir setzen uns auf ein Sofa. Matt spielt mit meinem Aufnahmegerät herum. Ich mit meiner Kette.

Matt, du singst zum ersten Mal das Wort Muse in einem Muse-Song!
Ja, stimmt. Er lacht. «Und wenn ich das schon mache, dann muss es lang sein … extra-lang. Damit es jeder merkt. You are my muuuuse.

Und, wer ist deine Muse?
Meine Freundin.

Dann unterbricht er, beugt sich nach vorn, zeigt auf meine Schuhe. «Nice shoes!» Ich tue so, als hätte ich das nicht gehört. Der Rotstich in meinem Gesicht passt immerhin zu meinem schwarzen T-Shirt. Ähm, nächste Frage.
Wie schafft ihr es eigentlich, euer Leben aus den Medien herauszuhalten?
Keiner von uns hat eine Hollywood-Schauspielerin geheiratet. Und das ist gut so. Wir sind froh, Aufmerksamkeit für unsere Musik zu bekommen – und nur dafür.

Das Kompliment für die Schuhe hallt in meinem Kopf nach, als ich aus dem Studio gehe. Die Musik ist toll, die Menschen, die dahinterstehen, sind noch besser. Locker und allürenfrei. Mein Muse-Grinsen bleibt.